Kriegsgefahr zwischen dem Iran und den USA, die weitere Kriegsschiffe in den Persischen Golf schicken. Konventionell ist der Iran mäßig gefährlich, doch ein Meister asymmetrischer Kriegsführung.
Als der Iran vorigen Sommer seinen ersten angeblich komplett selbst gebauten Kampfjet präsentierte, kannte der Spott in sozialen Medien und das Schmunzeln von Militärfachleuten keine Grenzen. „Hier eine Münze einwerfen, dann lässt dich das Teil zehn Minuten spielen“, twitterte einer zu dem Foto des stolz lächelnden Präsidenten Hassan Rohani, der bei der Feierstunde ins Cockpit kletterte.
Das Kampfflugzeug Kowsar, benannt nach dem Fluss, der laut Koran durchs Paradies strömt, sei mit modernster Elektronik und Radar ausgestattet und zu „hundert Prozent“ heimisch entwickelt, tönten die staatlichen Medien. Doch niemand weiß, ob es tatsächlich fliegt. Auf dem Video rollt es lediglich auf dem Flugfeld herum. Dafür fiel Kennern auf, dass der iranische Vogel exakt so aussieht wie die betagte amerikanische F-5F „Tiger II“ von Northrop, von der, sowie ihrem Vormodell, der Schah einst mehr als 300 Stück gekauft hat. Zuletzt waren noch etwa 50 in Betrieb gewesen.
In jüngster Zeit, da sich die Spannungen mit den USA wieder enorm verschärfen, ist kaum ein Monat vergangen, da Irans Generäle nicht irgendein angeblich neues Waffensystem aus der Taufe hoben. Mal ein U-Boot namens „Eroberer“, mal ein neuer Zerstörer mit behaupteten Stealth-Eigenschaft. Zum 40. Staatsjubiläum im Februar präsentierte man die neue Mittelstreckenrakete „Hoveizeh“, in deren 1400-Kilometer-Radius auch die östliche Mittelmeerküste liegt.
Ein veraltetes Schwergewicht. Sicher zählt das Land militärisch zu den Schwergewichten der Region. Doch wie seine zivile Infrastruktur sind auch Panzer, Flugzeuge, Artillerie etc. wegen der seit Jahrzehnten bestehenden Sanktionen heillos veraltet. Von rund 1650 Panzern sind die meisten veraltete M-60 aus den USA und russische T-72. Die Marine hat rund 100 Schiffe, aber davon an größeren Einheiten nur fünf Fregatten, ein halbes Dutzend größerer U-Boote und 18 chinesische Patrouillenschiffe plus Dutzende kleiner Schnellboote, die bisweilen provokante Scheinattacken auf US-Schiffe im Persischen Golf fahren. Die Luftwaffe besitzt etwa 180 aktive Kampfflugzeuge im engeren Sinn, amerikanische, russische, französische, chinesische, die meisten viele Jahrzehnte alt und weder für die US Air Force oder jene der Saudis und Israels eine große Bedrohung.
Weit gefährlicher sind ballistische Raketen und Marschflugkörper, deren Bau in Händen der Revolutionsgarden liegt. Iran habe das größte und vielfältigste Arsenal solcher Geschosse im Nahen Osten, schreiben Michael Elleman und Mark Fitzpatrick in einer Analyse des „International Institute for Strategic Studies“ in London. Acht der gegenwärtig 13 iranischen Raketentypen seien eindeutig so konstruiert, dass sie Nuklearsprengköpfe tragen könnten. Die übrigen Typen kürzerer Reichweite der Baureihe Fateh-110 seien in erster Linie eine Gefahr für Israel, sofern sie in die Hände der libanesischen Hisbollah geraten. „Angesichts der zentralen Rolle, die ballistische Raketen in Irans Verteidigung und Abschreckung spielen, vor allem auch angesichts der unterlegenen Luftwaffe, ist es unvorstellbar, dass Teheran sie freiwillig aufgibt“, sagen die Spezialisten.