Szeps-Znaider dirigiert: Geiger, bleib bei deinem Bogen!

Themenbild: Wiener Musikverein
Themenbild: Wiener Musikverein(c) Clemens Fabry

Kritik Die Symphoniker und Krassimira Stoyanova im Musikverein.

Bemerkenswert, wie viele hervorragende Geiger der mittleren Generation es zum Dirigentenpult treibt. Weil für sie das Solo-Repertoire zu wenig herausfordernd ist? Weil sie meinen, ihre musikalischen Vorstellungen besser mit einem Ensemble verwirklichen zu können? Oder um, wenn der Höhepunkt als Instrumentalist erreicht ist, die Laufbahn als Dirigent fortsetzen zu können?

Ob der Artist in Residence der Wiener Symphoniker, Nikolaj Szeps-Znaider, seit 2010 Gastdirigent des St. Petersburger Mariinsky Theaters, als Dirigent ebensolche internationale Reputation erreichen wird wie als Geiger, bleibt abzuwarten. Dass er als Orchesterleiter bereits jenes Niveau erreicht hat, das ihn seit Jahren als einen der weltweit führenden Violinvirtuosen auszeichnet, konnte er bei seinem Auftritt im Musikverein nicht im Mindesten beweisen.

Schon bei der einleitenden „Mondscheinmusik“ aus „Capriccio“ demonstrierte Szeps-Znaider, wie wenig er mit Richard Strauss' delikaten Farben anzufangen weiß. Kaum mehr als grobschlächtig auch die Begleitung der folgenden Schlussszene der Gräfin. Statt der anfangs nervösen, ihre Aufgabe dann mit lodernder Leidenschaft bewältigenden Krassimira Stoyanova mit Finesse und Elegance zu assistieren, übertönte das Orchester nicht selten die Solistin.

Keine große Kunst war es dann, die Musiker in Mahlers Erster oft kräftig auftrumpfen zu lassen. Daran, die subtilen Momente dieses Werks ohne falsche Larmoyanz, dafür mit Tiefenschärfe herauszuarbeiten, schien der mit weit ausladender Gestik agierende Maestro aber kaum interessiert zu sein. (dob)