Sauber paniert

Groß in großen Fragen, so muss die EU sein: Der Kanzler hat recht, eine Vertragsänderung möge das Wiener Schnitzel retten!

Oh weh: die Journalisten unserer lieben, kleinen Republik sind nicht im Stande, die unmissverständlichen Aussagen pflichtvergessener Politiker wahrheitsgetreu zu Papier zu bringen. So sagte der Kanzler, entgegen dem Bericht der Austria Presse Agentur, am Wochenende nicht: „Aber kein Mensch braucht EU-Vorgaben, etwa für die Zubereitung von Schnitzel und Pommes“, sondern tatsächlich dies: „Aber kein Mensch braucht diese schwachen EU-Vorgaben, etwa für die Zubereitung von Schnitzel und Pommes.“ Denn, was der Leibspeise der Österreicher jenseits der Grenzen Cisleithaniens angetan wird, ist ein Verstoß gegen die Grundwerte der EU, wie sie in Artikel 2 des EU-Vertrages niedergeschrieben sind. Schnitzel mit Ketchup; Schnitzel mit Tunke; Sojaschnitzel: Die Liste der Entsetzlichkeiten lässt sich ins Unappetitliche fortsetzen. Die weise Hand der Marktordnung muss hier eingreifen, sonst zerbröselt uns das europäische Einigungswerk wie die zu kurz frittierte Panier eines Surschnitzerls: Das hat der Kanzler mit staatsmännischem Weitblick und jugendlicher Geisteskühnheit erfasst. Groß in großen Fragen, so muss die EU sein: Eine Vertragsänderung möge das Schnitzel retten! Und wenn freche Italiener behaupten, das Original aus Mailand munde besser, panieren wir sie mit Doppelpässen für die Südtiroler . . . (go)

Reaktionen an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2019)