EU-Studie: Kerosinsteuer würde Zahl der Fluggäste um elf Prozent senken

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APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Eine geleakte Studie kommt zum Ergebnis, dass eine Abschaffung der Steuerbefreiung für Kerosin Flugtickets in der EU um zehn Prozent teurer machen würde - und damit wiederum positive Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß hätte.

Eine europäische Steuer auf Flugbenzin könnte den Kohlendioxid-Ausstoß aus der Luftfahrt laut einer Studie um elf Prozent drücken, weil Tickets teurer würden und weniger Leute das Flugzeug nähmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der EU-Kommission, die der Verband Transport & Environment (T&E) am Montag veröffentlichte.

Die wichtigsten Erkenntnisse der vom T&E ins Internet gestellten Studie: Würde die traditionelle Steuerbefreiung für Kerosin abgeschafft, dann würden Flugtickets im Durchschnitt um zehn Prozent teurer. Das würde die Nachfrage durch Passagiere um elf Prozent drücken, was auch elf Prozent der Jobs und der Wertschöpfung in der Luftfahrtbranche kosten könnte. Um ebenfalls elf Prozent würde der Ausstoß von Kohlendioxid zurückgehen.

27 Milliarden Euro an Mehreinnahmen

Unterm Strich würde die Steuer Wirtschaft und Beschäftigung aber laut Studie nicht schaden. So heißt es: "Die höheren Finanzeinnahmen würden die negativen Effekte auf Beschäftigung und Wertschöpfung vollständig wettmachen, was die Auswirkungen auf Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt vernachlässigbar macht."

Die EU-weite Einführung einer Kerosinsteuer würde laut Studie Einnahmen von rund 27 Milliarden Euro pro Jahr bringen, Österreich mehr als 300 Millionen Euro. Die Studie legt eine Steuer von 33 Cent pro Liter Kerosin zugrunde.

Die Kommission wollte sich dazu nicht äußern. Eine Sprecherin bestätigte aber, man prüfe in mehreren Studien, ob Energiesteuern zum Erreichen von EU-Umwelt- und Klimazielen beitragen könnten. Angepackt werden könnte dies frühestens nach der Europawahl.

VCÖ: „Jenseits von gut und böse"

Markus Gansterer vom Verkehrsclub VCÖ, der Mitglied bei T&E ist, schreibt in einer Aussendung zur Studie: "Dass der Flugverkehr als klimaschädlichstes Verkehrsmittel dermaßen umfangreiche Steuerprivilegien genießt, ist in Zeiten der Klimakrise jenseits von Gut und Böse". Er kritisiert, dass durch die Steuerbefreiung von Kerosin „der Flugverkehr in der EU derzeit mit fast 30 Milliarden Euro pro Jahr indirekt subventioniert wird."

Die Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs in der EU haben sich seit dem Jahr 1990 auf über 160 Millionen Tonnen verdoppelt. Was allerdings auch zu beachten ist: Mit einer starken Reduzierung des Flugverkehrs allein lässt sich der Klimawandel nicht abwenden. Der Anteil der CO2-Emissionen der Luftfahrt am weltweiten CO2-Ausstoß beträgt derzeit nicht einmal drei Prozent.

>>> Link zur vollständigen Studie

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