In China wartet man drei Monate auf sein Geld

CHINA OPTICAL FIBER PRODUCTION
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Grafik Die Zahlungsmoral der Unternehmen hat sich weltweit ein wenig verbessert - Österreich zählt zu den „Musterschülern".

Wer mit chinesischen Unternehmen Geschäfte macht, der weiß, dass er dafür viel Geduld - und meist auch - Durchsetzungsvermögen braucht. Das trifft auch zu, wenn es ums Geld geht. Denn chinesische Unternehmen lassen sich viel Zeit mit dem Begleichen ihrer Rechnungen. „Unternehmen müssen in China im Schnitt ganze drei Monate auf ihr Geld warten", heißt es in der aktuellen Studie der Kreditversicherung Acredia.

Weltweit hat sich die Zahlungsmoral im vergangenen Jahr leicht von 66 auf 65 Tage verbessert. Die sogenannten „Days of Sales Outstanding“ (DSO) – also die Forderungslaufzeit zwischen Rechnungslegung und der tatsächlichen Bezahlung – waren 2018 mit weltweit durchschnittlich 65 Tagen einen Tag kürzer als im Jahr zuvor. 2017 hatte allerdings den höchsten Stand seit zehn Jahren markiert.

Die Experten von Acredia meinen, die leichte Verbesserung des Zahlungsverhaltens dürfte sich auch heuer fortsetzen. Für 2019 nimmt die Studie, die gemeinsam mit Weltmarktführer Euler Hermes durchgeführt wurde,  eine Forderungslaufzeit von durchschnittlich 64 Tagen an.

In guten Zeiten mehr Geduld

„In wirtschaftlich guten Zeiten drücken Unternehmen bei ihren Kunden gerne mal ein Auge zu. Sie gewähren längere Zahlungsziele und dulden auch eher eine schlechtere Zahlungsmoral“, sagt Gudrun Meierschitz, Acredia-Vorständin. „Die große Unsicherheit, die 2018 durch den Brexit, den Handelskonflikt und die plötzlich stark steigenden Handelsbarrieren entstanden ist, hat jedoch das Risikobewusstsein vielerorts wieder geschärft. Das hat zu einer stärkeren Disziplin bei den Zahlungszielen geführt. In schlechten Zeiten scheuen Unternehmen das Risiko, haben weniger Vertrauen und bringen lieber ihre Schäfchen ins Trockene. Das stößt nicht immer auf Gegenliebe, denn umgekehrt versuchen Abnehmer in schlechteren Zeiten vermehrt, ihre Zahlungsziele zu verlängern – insbesondere dann, wenn sie selbst recht knapp bei Kasse sind.“ Diese beiden gegensätzlichen Trends haben dazu geführt, dass sich das Zahlungsverhalten nur leicht verbessert hat.

Am längsten auf ihr Geld warten müssen Firmen in der Elektronikbranche (89 Tage) sowie im Maschinenbau (86) und Baugewerbe (82). Letztere Branche war 2018 zudem von der höchsten Zahl an Großpleiten betroffen: Im vergangenen Jahr meldeten weltweit 51 große Bauunternehmer Insolvenz an.

Zu den „Musterschülern“ zählt Österreich: heimische Unternehmen begleichen schon nach durchschnittlich 49 Tagen ihre Rechnungen. Österreich liegt damit hinter Neuseeland und Südafrika am dritten Platz der „Top 10“.

Was die rote Laterne betrifft, folgen nur knapp hinter China fünf Mittelmeerstaaten, darunter zahlreiche Europäer: Griechenland, Italien, Marokko, Türkei und Spanien. „Sie sind zum Teil in schlechte alte Gewohnheiten zurückgefallen und erfüllen 2018 vielerorts das Klischee, dass Südeuropäer bei der Zahlungsmoral nicht gerade zu den Klassenbesten gehören“, betont Acredia-Vorstand Ludwig Mertes. Dass die Zahlungsmoral eng mit der Wirtschaftsentwicklung verbunden ist, zeigt Italien: Dort ist die Verschlechterung der Zahlungsmoral um fünf Tage besonders eklatant. 

 

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