Autozulieferer Leoni muss Löcher stopfen

Der deutsche Kabel-Spezialist Leoni leidet unter hausgemachten Problemen. Schwache Autokonjunktur erschwert die Sanierung

Nach einem dreistelligen Millionenverlust im ersten Quartal braucht der deutsche Autozulieferer Leoni für seine Sanierung Geld. "Wir prüfen alle Optionen, um unsere langfristige Finanzierungsbasis zu sichern", sagte Vorstandschef Aldo Kamper am Mittwoch in Nürnberg.

Zunächst gehe es um die Refinanzierung eines Schuldscheindarlehens über 200 Mio. Euro, das in zehn Monaten fällig ist. Allein von Jänner bis März schrumpfte die Liquidität um 260 Millionen auf 740 Millionen Euro. Davon sind nur 120 Millionen Barmittel, der Rest Bankkredite. Allein der Abbau von rund 2000 Arbeitsplätzen kostet 120 Millionen Euro. Kamper ließ offen, wie er die Löcher stopfen will.

Er setzt auch auf operative Fortschritte beim Spezialisten für Kabel und Bordnetze, um den Mittelabfluss zu stoppen: "Wir sind unsere drängendsten Probleme angegangen", sagte Kamper. Doch leidet Leoni - neben den hausgemachten Problemen - unter der schwächeren Autokonjunktur in China und Europa. Der Umsatz ging im ersten Quartal um fünf Prozent auf 1,26 Milliarden Euro zurück. Analysten von Hauck & Aufhäuser nannten die Entwicklung "alarmierend". Händler spekulierten über eine Kapitalerhöhung. Die Leoni-Aktie brach im Kleinwerteindex SDax um zehn Prozent auf 15,40 Euro ein.

In den ersten drei Monaten des Jahres schrieb Leoni netto 132 Millionen Euro Verlust. Der Großteil - 102 Millionen Euro - entfiel auf Probleme in der Bordnetz-Sparte: 67 Millionen Euro schreibt Kamper ab, 35 Millionen Euro werden für absehbare Verluste aus unrentablen Aufträgen zurückgestellt. Ein Jahr zuvor hatte Leoni noch 44 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet.

Probleme in Mexiko

Der Konzern ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen - zu schnell und planlos, wie Kamper meint. In der Bordnetz-Sparte will er sich nun auf wichtige Großkunden konzentrieren, im Kabel-Geschäft stehen Firmenteile mit 500 Millionen Euro auf dem Prüfstand. Ein neuer Finanzvorstand, der inzwischen unterschrieben habe, soll spätestens ab Oktober bei der Sanierung helfen. Der Leoni-Chef will die Kostenbasis bis 2022 um 500 Millionen Euro senken.

Probleme beim Anlauf eines neuen Werks im mexikanischen Merida kosteten im Quartal weitere 37 Millionen Euro. Zeitweise schickte Leoni mehr als 1000 Mitarbeiter aus aller Welt dorthin, um auszuhelfen. Bordnetze wurden mit dem Flugzeug statt mit dem Lkw ausgeliefert. "Das ist kein billiger Spaß", sagte Kamper. 20 Millionen kostet das auch im zweiten Quartal noch. Die Talsohle in der Bordnetz-Sparte sei aber erreicht, der Verlust werde sich im Jahresverlauf verringern, versicherte Kamper. Schwarze Zahlen werde sie aber erst im nächsten Jahr wieder schreiben.