Erfahrungsbericht

Meine Nicht-Karriere als Influencerin

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Bei Instagram kann man auch mit wenigen Followern wenige Vorteile von wenig bekannten Unternehmen bekommen.

Wenn Caro Daur entspannt im Minikleidchen an einem Zaun in der New Yorker Upper East Side lehnt und ihr gelbes Prada-Täschchen lässig in die Kamera hält, bekommt sie dafür eine Unsumme an Geld. Vorausgesetzt sie veröffentlicht das Foto auf Instagram, verlinkt die sündhaft teuren Marken, die sie trägt, und schreibt – so fair muss es sein – „Anzeige“ dazu. 31.000 Menschen gefällt das Foto, mehr als 300 haben in den Kommentaren ihren Senf dazu abegeben. Keine Überraschung. Immerhin interessiert 1,9 Millionen Follower, was sie anzieht, wo sie isst und welche Länder sie bereist.

(c) Caro Daur, Instagram

Was bringt‘s?

Influencer sind mittlerweile ein lukratives Geschäftsmodell für Unternehmen, die irgendetwas produzieren, das es für einen tollen Lifestyle braucht: Taschen, die sogar zu klein sind, um darin das Handy zu verstauen; Smoothies, deren Inhaltsstoffe unaussprechlich sind, aber zu einer Modelfigur beitragen sollen; Sonnenbrillen, die man maximal auf der Fashion Week in Paris tragen kann. Mittlerweile wird alles online vermarktet – mit dem Hintergedanken: Wenn jemand Caro Daur folgt, dann tut er das, weil er cool findet, was sie tut und haben will, was sie ihm auf Instagram präsentiert. Fraglich nur, wer sich eine gelbes Prada-Täschchen leisten kann. Ich jedenfalls nicht. Gesehen habe ich das Foto aber trotzdem – weil ich Unmengen an Zeit auf Instagram verbringe. Immerhin kann man sich dort den ganzen Tag lang supernette Fotos von hübschen Menschen an exotischen Orten anschauen. Und um vielmehr geht’s bei Instagram ja auch nicht – zumindest nicht für Nicht-Influencerinnen wie mich.

Speziell statt kommerziell

Das dachte ich jedenfalls bis vor kurzem. Wer aber glaubt, Unternehmen versuchen nur über bekannte Persönlichkeiten ihre Produkte zu verkaufen, der irrt. Micro-Influencer (je nach Definition 1000 bis 100.000 Follower) liegen nämlich im Trend. Laut einer Studie von Markerly sinkt das Engagement der Instagram-Nutzer bei steigender Anzahl an Followern. Das heißt: Wer weniger Anhänger hat, likt und kommentiert mehr als jemand, der viele hat. Außerdem haben Micro-Influencer eine stärkere Bindung zu ihren Followern und können auf Kommentare der Nutzer reagieren. Caro Daur schafft das bei ihren 1,9 Millionen Fans wahrscheinlich nicht mehr. Diese Vorteile machen sich Unternehmen zunutze. Anstatt einen großen Influencer suchen sie sich mehrere kleine, die authentisch wirken und bei genau der Zielgruppe ankommen, die das Unternehmen erreichen will. Die Gefahr bei großen Influencern ist nämlich, dass diese zwar viele Fans haben, die Mehrheit davon aber nicht zur Zielgruppe des Unternehmens passt. Das heißt für angehende Micro-Influencer: Je spezieller die Zielgruppe, desto höher die Wahrscheinlichkeit, mit seinen Fotos Geld zu verdienen.

Laura Graf ist Journalismus-Studentin, Instagram-Liebhaberin und derzeit Praktikantin im Ressort Management & Karriere.

Die erste Anfrage

Das klingt zwar alles sehr logisch, erklärt aber nicht wirklich, warum auch ich schon Anfragen für Kooperationen bekommen habe. Meine 1000 Follower sind nämlich sehr durchmischt: Von der 12-jährigen Schwester meiner besten Freundin bis zu einem Typen aus Neuseeland, der auf jedes zweite Bild mit dem „Daumen hoch“-Emoji antwortet, sind die verschiedensten Menschen dabei. Dementsprechend war ich sehr verwundert, als mir eine Armband-Marke schrieb, ob ich denn nicht mit ihnen zusammenarbeiten wolle. Ich würde das zweite Armband um die Hälfte günstiger bekommen, wenn ich Fotos davon veröffentliche. Zugegeben, ich war ja zuerst geschmeichelt. Dann hab‘ ich nachgerechnet. Und mir gedacht: Wenn ich echt auf die Idee kommen würde, mir gleich zwei der (nicht allzu schönen) Armbänder zu kaufen – die zehn Euro, die ich mir durch eine Kooperation erspart hätte, kann ich dann auch noch entbehren.

Das zweite „Nein, danke“

Verlockender war da schon das Angebot einer australischen Bademoden-Firma: Zuerst bekomme ich einen Bikini um die Hälfte günstiger und dann einen persönlichen Code, den ich auf Instagram veröffentlichen soll (unter dem Foto mit dem neuen Bikini natürlich). Alle Freunde, die dann mit diesem Code einkaufen, bekommen ebenfalls 25 Prozent Rabatt und ich verdiene mit, weil ich sie ja sozusagen vermittelt habe. Einziger Haken bei der Sache: Dort, wo im Instagram-Profil Name, Alter und bei den Übereifrigen auch noch Hobbies oder ein kluger Spruch stehen, hätte ich zusätzlich schreiben müssen, dass ich „Botschafterin“ für die Marke bin. Ich will aber nicht offiziell Botschafterin für irgendeinen australischen Bikini-Hersteller sein. Instagram ist für mich ein Hobby und kein Karrieresprungbrett. Außer Prada klopft an. Für so ein gelbes Täschen würde ich’s mir vielleicht noch einmal überlegen.