Klassik

Anna Netrebko: Schwarze Tiefe, flammende Höhe

Netrebko singt mit immer fülligerer Tiefe.
Netrebko singt mit immer fülligerer Tiefe.REUTERS

KritikJubel für Anna Netrebko und drei Verdi-Arien sowie das Mariinsky-Orchester unter Valery Gergiev.

„La luce langue – Das Licht schwindet“, singt Lady Macbeth: Sie sehnt die Nacht herbei, in deren Schutz der nächste Mord geschehen soll. Im orchestralen Dämmerschein aus fahlen Bläserakkorden und dem Frösteln der Streicher, den das Mariinsky-Orchester malt, schlängelt sich die Kantilene der Lady auf und ab. „Legato e cupo“, verlangt Verdi in der Partitur, gebunden und – ja, was eigentlich genau? Dumpf, düster? Anna Netrebkos Antwort ist die Schwärze: Wenn ihr die Phrase scheinbar mühelos aus der Kehle strömt, glaubt man beinah, ins dunkle Schimmern eines Erdölsees hineingezogen zu werden – und erst recht, wenn sie den Toten ein zynisches Requiem in die Ewigkeit hinterherschickt.