Lehren aus der Blackout-Übung

Was passiert, wenn das Licht ausgeht?
Was passiert, wenn das Licht ausgeht?APA/ROBERT JAEGER

Die Regierung warnt, die Bevölkerung müsse selbst besser vorsorgen. Stromausfallübungen wie „Helios“ sollen wiederholt werden.

Wien. Was passiert, wenn das Licht ausgeht? Und nicht nur, wie (früher, heute ja hierzulande auch nicht mehr) üblich, für ein paar Minuten, sondern einen Tag lang, wenn nicht länger? So ein Szenario haben diverse Organisationen und Institutionen nun drei Tage lang in einem Planspiel durchexerziert.

Ausgangsszenario war eine europaweite Strom-Mangellage und ein darauffolgendes österreichweites Blackout, das Auswirkungen auf diverse Gesellschafts-und Lebensbereiche, Ministerien, die Bundesländer, die Einsatzorganisationen bis hin zur kritischen Infrastruktur haben könne. Die Teilnehmer sollten erkennen, wo sie noch an ihrer „Resilienz“, der „Kraft, Krisen zu bewältigen“, arbeiten können. Das Ziel war es, im Ernstfall die Vernetzung und das Zusammenspiel zu üben. Die dreitägige österreichweite Übung fand unter Leitung des Innenministeriums vom 13. bis 15. Mai statt. Beteiligt waren 100 Vertreter der Bundesministerien, der Länder, der Einsatzorganisationen sowie Infrastruktureinrichtungen. Vorbereitet wurde die Übung vom Umweltministerium.

Am dritten Tag, dem Mittwoch, wurde die Bundesregierung in die Übung eingebunden. Und sie nutzte die Pressekonferenz zu „Helios“, um zur Eigenvorsorge zu raten. „Nach der Übung ist vor der Übung“, betonte Innenminister Herbert Kickl (FPÖ). Er hat am Mittwoch mit seinem Auftritt für Aufsehen gesorgt – immerhin trug der Ressortchef nach dem Ministerrat eine Jacke in Uniformoptik. Das sei, stellt sein Sprecher später klar, keine Uniform. Zwar ist die Jacke uniformblau, mit Namensschild und Aufschrift „BM.I – Austria“ versehen, jedoch mit keinerlei Hoheitszeichen, also keine Uniform. Und bereits Vorgänger Wolfgang Sobotka trat in so einer Jacke auf.

 

„Camping in den eigenen vier Wänden“

Die Ergebnisse des Planspiels sollen nun jedenfalls analysiert werden und Erkenntnisse beim nächsten Test umgesetzt werden. Kickl wies darauf hin, dass das Szenario durchaus Realität werden könnte. Zwar liegt Österreich mit einer Stromversorgungssicherheit von 99,99 Prozent an der weltweiten Spitze, wie es vom Betreiber der österreichischen Übertragungsnetze Austrian Power Grid (APG) heißt. Aber Kickl ersuchte die Bevölkerung, sich vorzustellen, was sie im Fall des Falles tun würden. „Man kann sich einen Campingurlaub in den eigenen vier Wänden vorstellen, dann weiß man, was man benötigen würde.“ Je mehr Eigenverantwortung der Einzelne übernehmen würde, desto leichter wäre im Ernstfall die Arbeit aller Institutionen. Eine Fortsetzung der Übung sei garantiert und auch notwendig. Ein zweiter Schritt ist für den Innenminister, ein SKKM-Gesetz (Staatliches Krisen- und Katastrophenmanagement und Koordination Zivile Sicherheit) mit klaren Kompetenzen zu beschließen. Derzeit basiere die Aufgabenverteilung auf einem Ministerratsbeschluss aus dem Jahr 2004.

„Das Szenario eines Energiemangels ist nicht aus der Luft gegriffen“, meinte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Die Energiewende hin zu Sonne und Wind werde neue Herausforderungen auf dem Gebiet der Speicherung bringen. Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) mahnt zur Prävention und zitiert eine Studie aus 2015, laut der bei einem Stromausfall nach vier Tagen jedem dritten Haushalt die Lebensmittel ausgegangen wären.

Für Robert Stocker, Abteilungsleiter im Innenministerium und Leiter der Übung, ist eine Erkenntnis, die man aus der Übung bereits gewonnen hat: Bei einer automatisierten Lagerhaltung einer Apotheke (die im Schnitt einen Vorrat für zwei Wochen hat) weiß nur der Computer, wo die Arzneien deponiert sind. Ohne Strom kann man nicht oder nur sehr schwer auf diese zurückgreifen. Ebenso können Tankstellen ohne Notstromaggregate keinen Treibstoff in Zapfsäulen pumpen. Neben diesen Fällen sei ein schwieriger Punkt, ab wann man die Öffentlichkeit vor einer Krise warnt. „Die Regierung kann für eine Krise nur die Rahmenbedingungen schaffen, agiert würde auf lokaler Ebene“, so Stocker. (red.) [ APA]