Der Sommer der Last-Minute-Urlauber

Allein wird man an den Küsten Spaniens, Kroatiens oder Griechenlands auch in diesem Sommer nicht sein. Aber die Urlaubsziele spüren die Rückkehr der günstigeren Konkurrenz. Zimmer und Flüge gibt es noch.
Allein wird man an den Küsten Spaniens, Kroatiens oder Griechenlands auch in diesem Sommer nicht sein. Aber die Urlaubsziele spüren die Rückkehr der günstigeren Konkurrenz. Zimmer und Flüge gibt es noch.(c) Clemens Fabry

Ein ungewohntes Bild: In der Hochsaison gibt es noch günstige, freie Betten in Spanien und Griechenland. Das freut die Touristen. Für die Reisekonzerne sind die Überkapazitäten ein weiteres Problem neben dem Boeing-Flugverbot.

Wien. Es ist Mitte Mai, und etwas stimmt nicht in der Welt der Reiseveranstalter. Sie hatten ihre Kunden nach den geopolitischen Krisen rund ums Mittelmeer ab 2015 zu Frühbuchern erzogen. Die Botschaft war klar: Auf Reiseschnäppchen in begehrten Ausweichdestinationen wie Spanien und Griechenland sollte zu diesem Zeitpunkt keiner hoffen, der ein schönes Hotel für Juli oder August ergattern will. Besser man buche früh – und im Reisebüro, um gegen Flugausfälle und Krisen abgesichert zu sein.

Keine zwei Monate vor dem Start der Hauptreisezeit muss das Bild korrigiert werden. „Heuer ist kein Frühbucherjahr. Es gibt noch Kapazitäten und günstige Preise“, sagt Ruefa-Chefin Helga Freund mit Blick nach Spanien, Griechenland und Kroatien. Bei Tui klingt das ähnlich: „Last Minute hat man noch eine gute Auswahl, auch für die hoch frequentierten Reisetermine in den Ferien“, sagt Sprecherin Kathrin Spichala.

 

Die Konkurrenz ist zurück

Von den freien Betten wollen beide nicht auf einen schwachen Sommer schließen. Tui liege bei den Buchungen in Österreich mit einem einstelligen Plus über dem Vorjahr, sagt Spichala zur „Presse“. Die freien Betten bringe man in Griechenland erfolgreich mit Familienpaketen unter die Leute. Auch Ruefa-Chefin Freund sieht in Summe ein leichtes Plus – die Rückgänge bei Griechenland, Spanien und Italien gleichen Länder wie die Türkei aus. Die Destination ist bei Ruefa um zwei Drittel besser gebucht als vor genau einem Jahr. Womit die Krise der hochpreisigeren Urlaubsziele teils erklärt ist: Sie müssen die Gäste wieder mit der Türkei, Ägypten und Tunesien teilen, die graduell Markt zurückholen. Die Last-Minute-Schnäppchen produzierten aber auch die Reiseveranstalter selbst: Sie haben nach den Flugausfällen und Verspätungen des Vorjahrs (siehe Artikel unten) Sitze aufgekauft, um eine Wiederholung zu vermeiden. Was nicht wegging, kommt billiger auf den Markt, sagt Freund. Außerdem wurde der Himmel neu aufgeteilt, mehr Billigfluglinien steuern Wien an, was ebenfalls die Preise senke.

Die Mischung tat Tui nicht gut, ließ Konzernchef Fritz Joussen am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen wissen. In der traditionell schwierigen Wintersaison weitete sich der Nettoverlust bei leicht steigendem Umsatz um mehr als ein Fünftel auf 341 Mio. Euro aus. Als Grund nannte Joussen neben den Überkapazitäten Richtung Spanien das Flugverbot für die Boeing-Maschinen des Typs 737 Max. Sollte bis Ende Mai nicht feststehen, dass die Maschinen der hauseigenen Tui-Fly-Flotte wieder abheben dürfen, werde er die Ersatzjets für den Rest des Sommers zahlen müssen, sagt Joussen. Das ist keine gute Nachricht vor einer Saison, in der Tui bei Gewinnspannen und Buchungen laut dem Konzernchef bereits hinter das Vorjahr zurückgefallen ist.

„Wir liegen nicht immer im Trend des Konzerns“, stellt Spichala für Tui Österreich klar. Weder fliege man ab Österreich mit Tui-Fly-Maschinen – sei also anders als Deutschland oder Belgien nicht von den Ausfällen bei Boeing betroffen. Noch laufe die Flugplanung über die Mutter in Hannover. Tui Österreich könne flexibel auf die (ausbleibende) Nachfrage reagieren.

Martin Winkler, Chef der Verkehrsbüro-Gruppe, will dem vergangenen Sommer Positives abgewinnen: „Das Flugchaos ist eine Prüfung für unsere Mitarbeiter gewesen, aber es hat uns bei der Positionierung geholfen.“ Sein Tourismuskonzern, zu dem neben den Ruefa-Reisebüros der Veranstalter Eurotours, 28 Austria-Trend-Hotels und das Café Central gehören, schloss 2018 mit einem Umsatzplus von 19 Prozent auf 615 Mio. Euro ab. Der Gewinn nach Steuern stieg um 18 Prozent auf 18 Mio. Euro. Dazu habe die anhaltende Nachfrage nach „Sicherheit und Profis“ in den 107 Ruefa-Reisebüros und generell nach Urlaub beigetragen, sagte Winkler am Mittwoch vor Journalisten. Und Kongresse, Städtetourismus und die EU-Ratspräsidentschaft hätte die Betten seiner Hotelkette gut gefüllt.

 

Deutsche Hotels im Visier

Auf den Hotels liegt auch Winklers Investitionsschwerpunkt. In die Renovierung angegrauter Austria-Trend-Häuser fließen bis 2022 insgesamt 40 Mio. Euro, nachdem bereits einige für gut 15 Mio. Euro überholt wurden. Im 22. Bezirk kommt in Zusammenarbeit mit der Signa-Gruppe Ende 2021 ein weiteres Hotel mit 200 Zimmern dazu, und auch das Joint Venture mit der Münchner Kette Motel One wächst in Österreich: In Linz, Innsbruck und Graz stehen drei Eröffnungen an.

Das Verkehrsbüro schielt außerdem nach Deutschland, wo es noch kein Haus hat. Er bekomme viele Projekte angeboten, sagt Winkler zur „Presse“. Zwei Akquisitionen seien konkret. Ein Datum will er nicht nennen, aber „es kann schnell gehen“.