Slowakei: Rechtspolitiker verteufelt Ungarn

Slowakei Rechtspolitiker verteufelt Ungarn
Slowakei: Rechtspolitiker verteufelt UngarnJan Slota (c) Reuters (Petr David Josek)

Der Nationalistenführer Jan Slota wettert gegen die Ungarn. Die ungarische Minderheitenpartei in der Slowakei baue "Brücken für ungarische Panzer" und der slowakische Ministerpräsident sei Luzifer.

Angesichts niedriger Umfragewerte für seine Slowakische Nationalpartei (SNS) hat Parteichef Jan Slota einen Rundumschlag gegen die ungarische Volksgruppe gestartet. "Sollte ein Ungar meine Stelle einnehmen, könnte es genauso gut Luzifer selbst sein", warnte der SNS-Chef am Sonntag in einem TV-Interview vor einer Regierungsbeteiligung der Ungarn-Parteien SMK und Most-Hid ("Brücke").

Ungarischen "Panzern den Weg ebnen"

Der Vorsitzende der zweitgrößten slowakischen Regierungspartei schoss sich insbesondere auf die Ungarn-Partei "Most-Hid" ein, der er vorwarf, eine Schöpfung von Ministerpräsident Robert Fico zu sein. "Most-Hid behauptet zwar, Brücken zu bauen, aber nur, um (ungarischen, Anmerkung) Panzern den Weg (in die Slowakei, Anmerkung) zu ebnen", sagte Slota. Nur ein "Idiot" könne auf eine Verständigung mit den Ungarn glauben, die den Verlust der Slowakei immer noch nicht akzeptiert hätten. "Wie kann jemand gute Beziehungen mit der Slowakei haben, wenn er zugleich sagt, dass er keine slowakisch-ungarische Grenze kennt, sondern nur eine ungarisch-polnische?"

Fachsimpeln über Verdauungsgase

Die neue ungarische Regierungspartei Fidesz sei diesbezüglich aus demselben Holz geschnitzt wie die rechtsextreme Jobbik. "Jobbik ist ein Spross von Fidesz, und das sollte man nicht unterschätzen", sagte Slota. Der Nationalistenführer ließ bei seinem Rundumschlag auch seinen Regierungspartner, Ministerpräsident Robert Fico, nicht aus. Dieser würde auch "Luzifer" in die Regierung nehmen, "nur um am Trog zu bleiben", sagte Slota mit Blick auf die Ungarn-Parteien. Überhaupt komme ihm Fico so vor wie ein Dieb, "der Haltet-den-Dieb ruft".

Auf besonders tiefes Niveau ließ sich der SNS-Chef auf eine Frage des TV-Journalisten Radovan Slobodnik zum Thema Emissionsrechte herunter. "Ich glaube, dass Sie etwa eine Tonne Verdauungsgase produzieren könnten. Wenn ich Sie mir anschaue, vielleicht sogar etwas mehr", sagte Slota in Anspielung auf die Leibesfülle des Journalisten.

Slotas Entgleisungen geplant?

Der Politikwissenschafter Michal Horsky sagte der Tageszeitung "Pravda", dass Slota bei dem TV-Auftritt "sicher nicht" betrunken gewesen sei, anders als bei vielen anderen öffentlichen Auftritten. Seine provokanten Aussagen seien weder improvisiert noch verzweifelt, sondern gut vorbereitet gewesen, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen. In den Umfragen liegt die SNS derzeit knapp an der Fünf-Prozent-Hürde für den Wiedereinzug ins Parlament.

(APA)