Victoria und ihre Männer

Die Liebe(leien) einer Königin

Victoria machte ihrem Albert einen Heiratsantrag
Victoria machte ihrem Albert einen Heiratsantrag(c) imago

Eine Heirat aus Liebe war der einst mächtigsten Frau der Welt beschieden – und 40 Jahre Witwenschaft. Doch viktorianisch prüde? Weit gefehlt: Am Ende ihres Lebens sollte Königin Victoria nicht nur Andenken an ihren Gatten mit ins Grab nehmen.

Sie hatte gehofft, ihm rasch ins Jenseits nachfolgen zu können. Doch der Wunsch blieb der damals mächtigsten Frau der Welt verwehrt. „Er war für mich alles: mein Vater, mein Beschützer, mein Führer, mein Ratgeber in allen Angelegenheiten, fast möchte ich sagen, er war mir Mutter und Mann zugleich“, schrieb Königin Victoria im Dezember 1861 über ihren gerade verstorbenen Ehemann, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, in ihr Tagebuch. Verzweiflung klingt aus den Worten der erst 42-jährigen Mutter von neun Kindern. Sie hatte nicht nur ihren „beloved Albert“ verloren, sondern auch den Vater und Erzieher ihres Nachwuchses und ihren engsten Berater in politischen Fragen.

Eine Intimität, die dem Volk nicht verborgen blieb. Rasant verbreiteten sich Munkeleien, wonach „Mrs. Brown“, wie man die Queen zuweilen nannte, und ihr Diener heimlich ein Ehegelübde abgelegt hätten. Der Maler Edwin Landseer nutzte die ihm zugestandene künstlerische Freiheit vollends aus, indem er das Paar gemeinsam in ein Gemälde hob – Victoria hoch zu Pferd, dessen Zügel in Browns Händen liegen. Später sollte auch bekannt werden, dass die Königin Brown immer wieder Geschenke machte, darunter eine Uhr, eine Bibel oder einen Gedichtband, allesamt mit ähnlichen Widmungen „von seiner aufrichtigen Freundin VR“ versehen.