Teppiche, die verändern

Ideen-Wettbewerb. Ein Teppich, der in der Ecke knotzt. Auch was Neues.
Ideen-Wettbewerb. Ein Teppich, der in der Ecke knotzt. Auch was Neues.(c) Beigestellt

Die „Architektur der Fläche" wirkt im Raum. Und sogar auf Menschen, ist Harald Geba überzeugt.

Wolle. Das ist nur das eine. Man kann auch noch ganz andere Dinge verweben und verknüpfen in Teppichen. Sogar welche, denen man landläufig den Aggregatzustand flüssig unterstellt. Herzblut vor allem. Harald Geba lässt das seine in Teppiche fließen, seit er 16 ist, wie er erzählt. Heute strömt es noch immer. In die Kollektionen, die er in seiner Teppichgalerie in Graz aushängt. Oder seinen Kunden vorlegt, wo immer sie auch zuhause sind. Der klassische Teppich mit ungewöhnlichen Mustern, das war die erste Verknüpfung, die Geba sich vorgenommen hatte. Auf diese Idee war er gekommen, als er in seinen jungen Tagen in London von Teppichauktion zu Teppichauktion tingelte. Später hatte er noch viel mehr Kilometer abgespult: Tausende waren es, die ihn kreuz und quer durch Anatolien und die türkischen Kurdengebiete führten. Auf der Suche nach Familien, die seine Teppichideen umsetzen konnten. Ein paar Zufälle später knüpften ein paar Bauernfamilien im Winter seine ersten Stücke. Und schon ein paar Jahre später waren es bereits 300 Familien, die altes traditionelles Handwerk mit aktualisierten Mustern und neuen gestalterischen Zugängen sprichwörtlich verknüpften.

Leidenschaft. Wolle, Herzblut, Handwerk: ­Harald Geba liebt Teppiche.
Leidenschaft. Wolle, Herzblut, Handwerk: ­Harald Geba liebt Teppiche.(c) Harry Schiffer Photodesign

Flächenweise. Die Teppichgalerie Geba in Graz ist das Basislager für die Ideen rund um den Boden und die Wand. Von dort aus rollt Harald Geba mit jedem Teppich auch seine Philosophie aus. Am liebsten vor Ort, wo der Teppich zeigen kann, wozu er imstande ist . . . „Vor Ort spüren die Kunden den Teppich dann richtig", meint Geba. Nicht nur in seinen Proportionen und Farben, die atmosphärisch anknüpfen an den architektonischen Kontext. Sondern auch, dass Teppiche überhaupt so etwas wie Gefühlssache sind. Denn manche Menschen, oder die meisten sogar, behauptet Geba, reagieren auf sie. Teppiche verändern nicht nur die Räume. Sie verändern auch die Kunden. Auch deshalb, weil die Stücke, wie Geba meint, stets stumme Einladungen seien: zum Knotzen, zum Sitzen, zum Liegen. Oder dazu, Räume auch mal anders zu verstehen und zu sehen. Von weiter unten zumal.

„Natürlich wirken sich Teppiche auch auf die haptische Wahrnehmung eines Raumes aus", sagt Geba. Und dazu braucht man sie nicht einmal mit der Haut berühren. Die Netzhaut des Auges, das genügt schon als Kontakt, um einen Raum „wärmer" und „weicher" zu empfinden. „Teppiche wirken auch meditativ, fungieren als Raumteiler, verbessern die Akustik", fallen Geba als weitere Eigenschaften ein.

Grafisch. Auch Labvert widmete sich der „Architektur der Fläche“.
Grafisch. Auch Labvert widmete sich der „Architektur der Fläche“.(c) Beigestellt

Wettbewerb. Eine Wahrnehmung jedoch, gibt er zu, hat sich in den letzten Jahren nicht so leicht verändern lassen: Jener des Teppichs durch die Architekten. Dass er gern unterschätzt oder ignoriert wird von der Architektur, das weiß Geba aus Erfahrungen. Und dass das nicht so bleibt, wollte Geba dann doch selbst mit beeinflussen. Gemeinsam mit dem Magazin „100 Häuser" initiierte er einen Wettbewerb, lud zehn Architekturbüros ein, sich auf den Teppich gestalterisch einzulassen. Juriert wurde schon im letzten Herbst, jetzt werden die eingereichten und prämierten Entwürfe unter dem Titel „Architektur der Fläche" in der Teppich-Galerie Geba präsentiert (24./25. Mai), im Rahmen des Designmonats Graz. Gemeinsam mit Manuela Hölzel von „100 Häuser" wählte Geba die Architekten aus, darunter auch Dietmar Feichtinger mit Büro in Paris, Kadawittfeld aus Aachen, Mark Jenewein aus Graz oder das Studio Labvert aus Wien. „Wir haben den Gestaltern freie Hand gelassen, bei Farben und Materialien. Und schließlich war ich überrascht, mit welcher Begeisterung alle Architekten an die Sache herangegangen sind."

Tipp

„Architektur der Fläche". Am 24. und 25. Mai (inkl. Jazzbrunch) werden die Ent­würfe in der Teppich-Galerie Geba in Graz, Hans-Sachs-Gasse 3, präsentiert.