She Sheds: Sturmfreie Bude im eigenen Garten

Hell, ruhig, einsam: She Shed aus dem Buch "Ein Raum nur für mich", erschienen im Knesebeck-Verlag.
Hell, ruhig, einsam: She Shed aus dem Buch "Ein Raum nur für mich", erschienen im Knesebeck-Verlag.Erika Kotite/Knesebeck Verlag

Die femininen Gartenhäuschen kommen nach ihrem Siegeszug in den USA auch nach Österreich. Und dienen immer mehr Frauen als Rückzugsraum vor Kindern, Küche und praktischem Kompromissmobiliar.

Kleines Häuschen ganz groß: Mit wenigen Quadratmetern im Garten erobern Frauen in den USA seit ein paar Jahre eine der letzten immobilen Männerbastionen für sich. Die sogenannten She Sheds – ausgesprochen „Schi-Schääds“ und frei übersetzt wahlweise Mädelsschuppen, Damenlaube oder Frauensalettl – boomen und machen damit den sogenannten Man Caves Konkurrenz. „Warum der She Shed der neue Man Cave ist“, erklärte beispielsweise der Sender NBC jüngst in einem Bericht, und die „Today Show“ verkündete bereits: „Move over, man caves!“

Gegenentwurf zum „Man Cave“

Denn mit den She Sheds bekommen immer mehr Frauen jetzt das, was Männer und Kinder längst hatten, wenn genug Platz da war: einen eigenen Rückzugsraum, den sie kompromisslos so einrichten können, wie es ihrem persönlichen Geschmack entspricht. Und für das nutzen, woran sie Freude haben – als Atelier, als Treffpunkt mit Freundinnen, zum Lesen, Dösen und/oder Fernschauen. Eingerichtet wird das neue Refugium als ziemlich genaues Gegenteil zum Man Cave: Dieser findet sich traditionell wahlweise in einem ausgebauten Kellerraum oder einer adaptierten Garage, ist häufig mit Sport-Devotionalien aller Art „dekoriert“, verfügt verpflichtend über einen monströs großen Fernseher, eine ebensolche Couchlandschaft und einen komfortabel dimensionierten Kühlschrank. Die Kür besteht dann aus Billard- und Tischfußballtischen, Dartscheiben, einem direkten Zugang zum Grill – und manchmal auch einer Schalldämmung, damit die Begeisterung für den Sieg der Heimmannschaft anderen Hausbewohnern erspart bleibt.

Viel Glas, helle Farben

Die She Sheds haben sich dagegen eher im Grünen als im Untergeschoß etabliert; hier dominieren viel Glas und helle Farben, und das Sofa darf gern weiß sein, weil es eben nicht von der ganzen Familie benutzt wird. Außerdem sind Blumentapeten- und –ampeln erlaubt, Pastelltöne, kitschige Kronleuchter und jede Menge dekorative Elemente jeder Stilrichtung: Hier finden sich orientalische Teestuben und alpiner Hüttenzauber, Yoga-Ecken mit Buddhastatuen, Nähzimmer und Sektkühlschränke, Schaukelstühle und Hängematten sowie jede Menge Decken, Kissen, Vorhänge und Teppiche.

Womit dann auch alle Klischees bedient sind, weshalb sich berechtigt neben dem Applaus für das Schaffen eines eigenen Rückzugsortes auch Kritik an der Ausstattung und den damit verbundenen Zuschreibungen breitmacht. So schreibt Miriam Collée in der Süddeutschen: „Da sind wir also, nach 50 Jahren Frauenbewegung. Die Männer verrohen in ihren Höhlen, und die Frauen nähen im Schuppen.“ Psychologen halten in den USA dagegen, dass die neuen Rückzugsräume ein harmonisches Zusammenleben eher fördern, da beide Seiten sich in ihren Bereichen entspannen und regenerieren können. Zumindest dann, wenn es genügend Platz und finanzielle Mittel für beides da sind. Denn damit der She Shed auch als Ruheoase wirken kann, sollte er nicht gleich neben der Sandkiste der Kids oder dem Griller der Herrenpartie stehen, sondern ein wenig weiter hinten im Garten. Und auch das Häuschen selbst kann durchaus ins Geld gehen. So beginnen die günstigsten Sheds bei 700 bis 800 Euro – für maßgefertigte größere Träume können aber auch Tausende Euro investiert werden, mit denen dann architektonische Kleinode im Garten erbaut werden.

Österreichische Varianten

Der Trend ist inzwischen auch in Österreich angekommen: So hat beispielweise Hornbach seit 2017 eine eigene „She Shed“-Kategorie auf der Webseite, in der sich immerhin 37 Modelle finden. Vom „She Shed Arley“ mit vier Quadratmetern Innenfläche und einer kleinen überdachten Veranda ab 799 Euro bis zum „Lugano 2“ – mit „lichtdurchflutetem Innenraum durch vollverglaste Doppeltür sowie drei Einzelfenster“, wie die Webseite verspricht –, das als teuerstes Exemplar auf 5790 Euro kommt. Wobei die She Sheds in ihrer Rohfassung trotz des klingenden neuen Namens natürlich weiterhin grundsätzlich das sind, was sie immer waren: Gartenhäuschen. Ob daraus dann ein She Shed wird oder nicht, liegt allein an den Bewohnern. (sma)