Bundesforste investieren 100 Mio. Euro, um Wald gegen Klimawandel zu rüsten

Der Laubwald übersteht den Klimawandel besser.
Der Laubwald übersteht den Klimawandel besser.(c) Clemens Fabry

Der Klimawandel setzt den Bundesforsten zu und verursacht jährlich Millionenkosten. Jetzt investiert das Unternehmen 100 Millionen Euro in den Wald der Zukunft.

Fichten wohin man schaut. 51 Prozent des österreichischen Ertragswalds besteht aus Fichten. Anfang der 1990er-Jahre waren es allerdings noch fast 60 Prozent. Und es wird weiter weniger. Denn der Klimawandel setzt dem Nadelbaum zu: Die steigenden Temperaturen und der (derzeit gerade nicht) mangelnde Regen macht die Fichte anfälliger für Käfer- und Pilzerkrankungen.

Wer vom Wald lebt, muss daher entsprechend vorplanen. Wie die Bundesforste, mit 510.000 Hektar (15 Prozent der Waldfläche) größter Waldbesitzer Österreichs. Die Aktiengesellschaft im Besitz der Republik will bis 2050 etwa 100 Millionen Euro in den „Wald der Zukunft“ investieren, wie Vorstandssprecher Rudolf Freidhager am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz ankündigte. „Wir forsten schon jetzt mit dem Denken auf, was künftig besser wachsen wird“, sagte Freidhager.

Millionenkosten durch Klimawandel

Die Fichte definitiv nicht, die langfristig nur in höheren und kühleren Lagen überleben wird. Im Waldviertel beispielsweise werde sich die Fichte halbieren, erklärte Georg Schöppl, im Vorstand verantwortlich für Finanzen und Immobilien. Im Tal setzen die Bundesforste vermehrt auf Lärchen, Tannen, Douglasien und Laubhölzer. Damit soll der Wald fit werden, um eine Erwärmung in Österreich um zwei Grad Celsius überstehen zu können. Freidhager: „Unser langfristiges Ziel ist es, Substanz aufzubauen, damit auch die nächsten Generationen einen gesunden, artenreichen und schönen Wald vorfinden, mit dem man auch Geld verdienen kann.“

Die Folgen des Klimawandels kosten die Bundesforste aktuell wegen des hohen Schadholzanteils, wegen Ausgaben für die Käferbekämpfung und höheren Fracht- bzw. Erntekosten etwa 24 Millionen Euro pro Jahr.

Gewinn sinkt um zehn Prozent

Zur Diversifizierung setzt das Unternehmen vermehrt auf andere Bereiche. Bis 2025 werde man 103 Millionen Euro in erneuerbare Energien investieren (Wind- und Wasserkraftwerke) und weitere 60 Millionen Euro in Immobilien, kündigte Schöppl an. Mit diesen Geschäftsfeldern verdient das Unternehmen immer besser. 1997 machten diese Bereiche erst 25 Prozent des Umsatzes aus, 2018 waren es bereits 42 Prozent. Der Anteil des Holz- und Forstbereichs werde schon in wenigen Jahren auf unter 50 Prozent sinken, meinten die beiden Vorstandsmitglieder.

Der Holzmarkt ist insgesamt massiven Schwankungen unterworfen. Aktuell gibt es beispielsweise ein massives Überangebot, weil durch die Stürme des vergangenen Jahres und den schneereichen Winter viel Schadholz auf dem Markt ist. In Deutschland schenken Waldbesitzer teilweise das Holz her, nur um es aufgearbeitet zu haben. In Österreich berichten Sägewerkbetreiber von übervollen Lagerplätzen.

Entsprechend sieht die Bilanz der Bundesforste aus, die zwar ihren Umsatz um ein Prozent auf 238 Millionen Euro steigern konnten. Der Gewinn sank aber um zehn Prozent auf 39,7 Mio. Euro (Ebitda) bzw. das Vorsteuerergebnis (EBT) um elf Prozent auf 26,4 Millionen Euro. An den Staat wird heuer um 25 Prozent weniger Gewinn ausgeschüttet (20,8 Mio. Euro). Der Schadholzanteil an der Erntemenge von 1,5 Millionen Festmeter lag 2018 bei 66 Prozent. Heuer wird er vermutlich darüber liegen.

Festhalten an Biomassekraftwerk

Nicht in der Pressekonferenz, nur in den Unterlagen klagten die Bundesforste über die Waldschäden durch den hohen Wildbestand. Wie berichtet, gab es deswegen schwere Auseinandersetzungen mit den Jägern. Diese Unstimmigkeiten seien weitgehend ausgeräumt, es gebe jetzt einen breiten Dialog mit der Jägerschaft, erklärte Freidhager der „Presse“.

Zu den alternativen Geschäftsfeldern der Bundesforste gehört auch das Biomassekraftwerk in Wien-Simmering, an dem man zu einem Drittel beteiligt ist (der Rest gehört Wien Energie). Durch das Auslaufen der Bundesförderung stand die Zukunft des Kraftwerkes auf der Kippe, durch eine Gesetzesänderung wird es nun Landesförderung geben. Freidhager erklärte, dass man von der Stadt Wien zumindest einen garantierten Abnahmepreis von 10,2 Cent pro Kilowattstunde benötige, um das Kraftwerk auch in Zukunft rentabel betreiben zu können. (rie)