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Episodenblog

"Game of Thrones"-Finale: Diese armen Bastarde

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Daenerys Targaryen ist "Queen of the Ashes"(c) HBO (Helen Sloan)

Blog Kann "The Iron Throne", die sechste und letzte Folge der achten und letzten Staffel, den Erwartungen gerecht werden? Hm.

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen "Game of Thrones"-Folge verraten.

Nun ist es gesungen, das "Lied von Eis und Feuer", und vielleicht ist nun auch klar, wer damit gemeint ist: die zwei Bedrohungen in Staffel acht, die White Walker aus dem eisigen Norden, und die schöne Königin mit ihrem Drachenfeuer vom anderen Kontinent. Am Ende des Finales von "Game of Thrones" sind diese Gefahren beseitigt, und eine neue Ära bricht an.

Der Vorspann der letzten Folge der achten "Game of Thrones"-Staffel, "The Iron Throne" ist immer noch aus Perspektive der White Walker - vom Norden durch das Loch in der Wall über Winterfell bis zur (nicht ganz kaputten) Hauptstadt King's Landing. Dort fehlt das Lannister-Wappen über dem Thron, wo es seit Staffel eins ein Glasfenster zierte. Stattdessen hängt von den kaputten Mauern der Burg Red Keep nun das Wappen der Targaryens, Rot auf Schwarz. King's Landing ist besiegt und zerstört. Daenerys hat das Werk ihres Vaters, des Mad King, vollbracht, der die Stadt einst lieber niederbrennen wollte als sie seinen Kontrahenten zu überlassen.

Es ist ein eindrucksvolles, grausiges Bild, das sich Tyrion, Jon Snow und Davos Seaworth zeigt, die durch die Straßen gehen. Man sieht noch einmal die Mutter und Tochter in Umarmung im Moment ihres Todes, die Arya zu retten versuchte. Die Glocke, deren Geläut Daenerys dazu bringen hätte sollen, die Waffen niederzulegen. Angesichts dieser Katastrophe tut Tyrion das, was man in so einem Moment eben tut: Er sucht seine Familie.Er findet Jaime und Cersei tot unter einem Steinhaufen im Keller der Königsburg.

Eine Rede in fremder Sprache

Und dann hält Daenerys, die "Queen of the Ashes" ihre Antrittsrede als Königin der Sieben Königreiche: Sie wendet sich nicht an die Menschen, die sie "befreien" will, sondern nur an ihr Heer, denn sie spricht Dothraki (oder Valyrisch?) und sie kündigt weitere Kriege an. Einst hat sie den Dothraki verboten, Frauen zu vergewaltigen und Städte zu brandschatzen. Man hat den Eindruck, dass sie das jetzt nicht mehr stört. Als ihr Drache Drogon auf den Ruinen der Burg landet, ist das nicht impsant, sondern einfach nur furchterregend.

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Die Herrschaft der Drachen dauert nur kurz(c) HBO

Es ist Tyrion, der sich ihr als erster widersetzt - wie er überhaupt die wichtigste Figur dieser Folge ist: "And you have slaughtered a city", wirft er ihr vor und schmeißt das Abzeichen, das ihn als ihre Hand ausweist, weg. Er hätte es sowieso verloren, er hat sie betrogen, indem er Jaime freigelassen hat.

Die Liebe, die Pflicht und der Tod

Wer kann Daenerys noch aufhalten? Nur einer, der Mann, den sie liebt. Das weiß Arya, die Jon bearbeitet ("You'll always be a threat to her", sagt sie. "I know a killer when I see one."). Und das weiß Tyrion. Er spricht mit Jon über Tod, Liebe und Pflicht - und über die brutalen Seiten von Daenerys. Er bringt den Zuschauern in Erinnerung, was sie bisher getan hat, wie sie gemordet hat, in Astapor, Meereen und dem Tempel der Dosh Kaleen. Es ist unschwer zu erkennen, was Jons Pflicht sein wird: "Sometimes duty is the death of love", sagt Tyrion. Beide, Tyrion und Arya, wissen um Jons Schwachstelle: Arya bringt Sansa ins Spiel, und auch Tyrion spielt sein Ass: Was wird Daenerys mit Arya und Sansa, die sich ihr nicht beugen will, machen?

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Tyrion Lannister ist die wichtigste Figur dieser Folge(c) HBO

Es ist eine tolle, sehr emotionale Szene zwischen Tyrion und Jon, der sogar weint. Wundervoll dargestellt vom immer großartigen Peter Dinklage (egal, welche Zeilen er zu sagen kriegt) und Kit Harington, der so schön brütet wie niemand sonst.

"Because I know what is good"

Wie auch die nächste Szene. Vergangene Woche habe ich geschrieben, dass ich mich inzwischen mehr davor fürchte, dass die Figuren aus "Game of Thrones" einen unwürdigen Tod sterben als dass sie sterben. Daenerys Wandlung zur Antagonistin ging viel, viel zu schnell. Ihr Tod ist tragisch - aber auch irgendwie schön. Immerhin muss sie nicht lange (am Drehbuch) leiden.

Wie in ihrer Vision im House of the Undying in Staffel zwei berührt sie den Eisernen Thron, auf den Asche und Schnee fällt. Sie wird nie auf ihm sitzen. "Because I know what is good", erklärt sie ihr Handeln Jon, der sie als Tyrannin erkennt. "You are my queen, now and always", sagt er noch zu ihr, bevor er sie ersticht. Sie stirbt schnell. Nach 35 Minuten in dieser 80 Minuten langen Finalfolge. Drogon hat einen imposanten letzten Auftritt, als er zuerst den Eisernen Thron (statt Jon) verbrennt und dann mit seiner toten Mutter davonfliegt. Das kurze Zeitalter der Drachen, es ist auch schon wieder vorbei. Und auch der Eiserne Thron ist Geschichte.

All Hail Brandon the Broken

Was nun? Der Rest der Folge verhandelt, was mit Westeros weiter passiert. Mit einer zeitlichen Lücke von mehreren Wochen, mit den Unsullied als einer Art Militärherrschaft. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich auf Reddit Leaks zu Staffel acht gelesen habe und mich die Krönung von Bran nicht ganz so überrascht hat. Dass die Lords von Westeros gerade ihn zum König krönen - mit ordentlich Mithilfe von Tyrion - ist allerdings auch nach einer Nachdenk- und Gewöhnungsphase nicht logisch. Tyrions Erklärung, es gäbe nichts Mächtigeres in der Welt als Geschichten? Cersei würde vehement widersprechen. Brandon the Broken ist der Dreiäugige Rabe, er ist ein Fabelwesen! Was hat er in der Politik zu suchen?

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Keine schlechte Folge für die Starks: zwei von drei werden Könige(c) HBO

Wieso geben die Unsullied die Herrschaft einfach so wieder ab? Wieso wird Jon bestraft, nicht aber Tyrion (und sind wir uns ehrlich: ihn zur Hand zu machen, ist für ihn in Wirklichkeit keine Bestrafung)? Dass man das Erbrecht auf den Thron abschafft, schön und gut, aber was sollte dieser billige Scherz über Demokratie? Einzig, dass Sansa die Unabhängigkeit des Nordens erklärt (erstaunlicherweise ohne Protest oder Nachahmungsversuchen von den anderen Adelshäusern), ist wirklich nachvollziehbar.

Das Ende, mehr bitter als süß

Ein "bittersüßes Ende" wurde den Zuschauern versprochen. Das lässt sich vor allem auf die zwei männlichen Helden umlegen: Tyrion lebt eigentlich genauso weiter wie vor seinem Exil. Nicht, dass ihm das nicht vergönnt ist. Aber Jon (die Haare jetzt wieder offen) muss zurück an die Wall, um dort wie ein Mönch zu leben. Wozu es die Watchers on the Wall noch gibt, ist nach dem Tod des Night King zwar nicht ganz klar, aber irgendeine Gefahr aus dem ewigen Eis wird es schon noch geben. Für mich hinterlässt das einen bitteren Nachgeschmack. Jon hat große Opfer gebracht und ich hätte mir gewünscht, dass er am Ende - wenn er nicht den Heldentod stirbt - zurückkehrt nach Winterfell. Nach Hause, wo er hingehört. Glücklich wirkt er nämlich nicht in Castle Black, sondern selbst für seine Verhältnisse düster. Zumindest hat er Ghost (mit einem Ohr weniger) wieder an seiner Seite, der kann ihm das Bett wärmen.

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Alle finden, er ist ein super Anführer. Darum wird Jon am Ende auch zurück an die Wall geschickt(c) HBO

Ja, das Ende enttäuscht

War das Finale nun schlecht? Mit derzeit 5 von 10 möglichen Sternen ist "The Iron Throne" auf IMDb bewertet - und das bei einer generellen Bewertung der Serie von 9,5. Das ist eigentlich verheerend. Ich persönlich fand die Folge besser als die beiden davor. Aber das Ende ist enttäuschend. Brienne, die sich nicht selbst ins Buch der Ritter einträgt, sondern bloß Jaimes Eintrag ergänzt? Arya, die plötzlich den Einfall hat, nach Westen zu segeln? Sansa, die ohne Beisein ihrer Familie gekrönt wird (hässliche Krone übrigens)? Der geschundene Held, der schon wieder in die Kälte reiten muss?

Wenn ihr davon schon erzählt, David Benioff und D.B. Weiss, dann bitte ordentlich - oder gar nicht. Ein offeneres Ende hätte vielleicht besser zur Serie gepasst. Vielleicht hatte man doch einfach aufhören sollen nach der Schlacht um Winterfell. Oder vielleicht hätte man sich einfach mehr Zeit nehmen sollen, um diese große, großartige Geschichte ordentlich zu Ende zu erzählen.

Zitate der Woche:

Tyrion: "Love is more powerful than reason"

Jon: "Love is the death of duty."

Tyrion: "Did you just come up with that?"

Auffälliges:

"A Song of Ice and Fire" ist nun also ein Buch in der Serie - und Tyrion kommt darin nicht vor. Auch das ist einer billigen Scherze, die auf Kosten der Logik gehen. Er war Hand of the King (in Vertretung seines Vaters), als King's Landing von Stannis Baratheon angegriffen wurde. Und da soll er nicht erwähnt sein?

Mit welchem Dolch ersticht Jon Daenerys?

Sam ist jetzt Maester? Und was ist mit Gilly?

Nachbemerkung:

Danke fürs Mitlesen und Mitdiskutieren! And now my watch has ended.

 

>> „Die Presse“ bloggt zu jeder Folge der neuen Staffel:  DiePresse.com/gameofthrones