Nestlé versilbert Hautpflege für Umbaupläne

Nestlé setzt stärker auf Nahrung.
Nestlé setzt stärker auf Nahrung.(c) REUTERS (PIERRE ALBOUY)

Schweizer wollen Skin Health für neun Mrd. Euro verkaufen. Auch L'Oréal-Anteil könnte zur Disposition stehen.

Wien. Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider macht kein Hehl aus den Umbauplänen. Bis 2020 soll der Schweizer Lebensmittelkonzern wieder frühere Wachstumsraten von fünf Prozent erreichen – für heuer prognostiziert er das organische Wachstum auf drei Prozent. Um das Ziel zu erreichen, trennt sich Schneider von gewissen Geschäftsfeldern wie dem US-Süßigkeitengeschäft. Dafür wurde die Kaffeesparte der Firma, die man für Marken wie Maggi, Kitkat oder Nescafé kennt, mit einem 6,2 Mrd. Euro schweren Lizenzdeal mit Starbucks vergrößert. Außerdem übernahm Nestlé jüngst den Vitaminhersteller Atrium.

Das Wachstum will finanziert werden – auch durch den bevorstehenden Verkauf der Hautgesundheitssparte Skin Health mit 5000 Mitarbeitern, der am Donnerstag offiziell wurde. Schneider stellte sie schon im Herbst zur Disposition. Informierte Kreise hatten für die Sparte, die neben Hautpflegeprodukten Mittel gegen Akne und Hautkrebs herstellt, Angebote von Finanzinvestoren wie Advent, Blackrock und Partners Group erwartet. Sie alle dürften nicht zum Zug kommen. Man verhandle exklusiv mit einem Konsortium um Finanzinvestor EQT und die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), hieß es am Donnerstag aus der Zentrale in Vevey. Der Verkaufspreis liege bei 10,2 Mrd. Franken (neun Milliarden Euro). Nestlé trennt sich mit Skin Health, das Dermatologieprodukte von Galderma oder die Cetaphil-Pflegeprodukte vertreibt, von einem zuletzt gut laufenden Geschäft: Im ersten Quartal erzielte es ein zweistelliges organisches Wachstum.

Doch Schneider äußerte sich schon öfters kritisch zu Skin Health, das seinen Ursprung in einem Joint Venture mit dem Kosmetikhersteller L'Oréal hat. 2014 übernahm Nestlé die 50 Prozent des französischen Partners. Nun dürfte das Segment nicht mehr zum Fokus auf Nahrungsmittel, Getränke und Gesundheit (Nestlé Health Science) passen. Bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen im April wurde von Fondsmanagern bereits prognostiziert, dass auch der Verkauf der 23-prozentigen Beteiligung an L'Oréal selbst früher oder später folgen dürfte. Dessen Chef hatte bereits im Vorjahr erklärt, er sei bereit, die Anteile an seinem Kosmetikkonzern zurückzukaufen.

Schneider kündigte an, dass die Veränderung im Portfolio noch nicht abgeschlossen sei. Den Investoren gefällt der Kurs. Die Nestlé-Aktie kletterte an der Schweizer Börse seit Jahresbeginn von 80 auf knapp 100 Franken. (loan)