Töne für die Endzeit und eine tote Tochter

Das Wiener Klaviertrio spielte Messiaen und Smetana.

Wie klingt die Musik zur Apokalypse? Olivier Messiaen schrieb sein „Quatuor pour la fin du temps“ 1940 bis 1941 im Kriegsgefangenenlager. Wenn das Wiener Klaviertrio dieses außergewöhnliche, aufwühlende Werk mit dem Klarinettisten Daniel Ottensamer im Mozart-Saal präsentiert, nutzt es das kompositorisch fein ausgetüftelte Werk auch, um Vielfalt und Intensität zu zeigen.

Da wird etwa mit kaum vorstellbarer Langsamkeit eine Art Trancezustand evoziert: Da werden Gongs und Posaunen zwar stark im Forte, aber nie überzeichnet nachgeahmt – kurz darauf schimmert im Pianissimo Hoffnung durch. Auch an Elektronik gemahnende Klänge mit Glissandi und Flageoletttönen im Anfangssatz gelingen ebenso wie eine fein ziselierte Umsetzung des kristallenen, liturgischen Teils. Im Spiel Daniel Ottensamers fällt die Sanftheit ebenso auf wie sein Gefühl für Tempo. Das Wiener Klaviertrio, seit dieser Saison mit Clemens Hagen am Cello, interpretiert Messiaens „Quatuor“ prägnant, empfindsam und mit Gespür für die Details.

Davor spielte es Smetanas einziges Klaviertrio, das er nach dem plötzlichen Tod seiner geliebten Tochter komponierte. Das ungewöhnliche Violinsolo zu Beginn zieht in der intensiven Interpretation von David McCarroll, seit 2015 Violinist des Klaviertrios, sofort in das Stück hinein. Mal melancholisch und tragisch, dann wieder – die positive Erinnerung an die Tochter symbolisierend – verspielt und schwungvoll, bietet auch dieses Werk den facettenfreudigen Musikern eine ideale Spielwiese. McCarrolls Interpretation wirkt oft herrlich schwelgerisch, stets geschmeidig und fein, Stefan Mendls perlende, rasche Läufe sind ebenso eindrucksvoll wie seine Exaktheit im Anschlag. Hagen bietet viel mehr als die solide Basis. Ebenso versiert selbstredend die mal spritzige, luftig-lockere, mal theatralisch anmutende Interpretation von Mozarts Klaviertrio C-Dur.