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Karriere: Wohnen ist weiblich - die Immobilienbranche auch?

Frauen sind in der Immobilienwirtschaft durchaus zahlreich vertreten. Allerdings selten ganz oben oder gar auf den Podien. Mit eigenen Netzwerken und gegenseitiger Unterstützung will man das ändern.

Immobilienentscheidungen werden von Frauen getroffen, je nach Umfrage in bis zu 72 Prozent der Fälle. Was nahelegen sollte, dass Frauen in dieser Branche auch beruflich überproportional erfolgreich sein müssten – haben sie doch bei der Zielgruppe quasi ein Heimspiel. In der Realität stimmt das allerdings nur bedingt, wie Ingrid Fitzek-Unterberger, Obfrau des Salon Real und Bereichsleiterin Marketing und Kommunikation der Buwog Group, erklärt: „Frauen dominieren die Immobilienwirtschaft in den unteren Rängen; es gibt viele, die zuarbeiten. Aber Männer entscheiden nach wie vor, was wo gebaut wird, sie sitzen in den Vorständen und Aufsichtsräten.“

 

Netzwerk für Frauen

Natürlich verändere sich der Frauenanteil auch in den höheren Positionen so wie in der Gesellschaft allgemein, das Tempo sei aber ein sehr langsames. „Man kann dem geradezu zuschauen“, so Fitzek-Unterberger. „Und ich glaube, weder ich noch meine Töchter werden es erleben, dass Frauen in der Immobilienwirtschaft und der Gesellschaft dieselben Rechte haben wie Männer“, ist sie wenig optimistisch, dass radikale Veränderungen kurz bevorstehen.

Was die Immobilienexpertin jedoch nicht daran hindert, sich für Veränderungen im Hier und Jetzt einzusetzen. Weshalb sie vor zehn Jahren gemeinsam mit Margret Funk, Katharina Kohlmaier und Daniela Witt-Dörring den Salon Real, ein Netzwerk für Frauen in der Branche, ins Leben gerufen hat. „Damals fanden das alle ganz drollig“, erinnert sich die Gründerin lachend. Inzwischen hat sich das Netzwerk mit 180 Mitgliedern aber zu einer Vereinigung entwickelt, in der erfolgreiche Frauen aus der Immobilienbranche das tun, was Männer seit eh und je getan haben: einander unterstützen und sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Weshalb wir großen Wert darauf legen, dass es bei uns nicht nur Maklerinnen gibt, sondern auch Architektinnen, Developerinnen, Notarinnen oder Hausverwalterinnen“, erklärt Fitzek-Unterberger. „Schließlich kann niemand alles wissen, und es macht vieles leichter, wenn man einfach eine Kollegin aus dem Netzwerk anrufen und fragen kann.“

 

Bescheidene Anfänge

Kontakte sind überhaupt das Um und Auf, betonen auch jene Frauen, die es in der Branche geschafft haben. Dazu gehört beispielsweise Katja Herzel von Steindl & Herzel Immobilien, die sich 2013 mit Isabel Steindl selbstständig gemacht hat und seitdem bereits zweimal – 2015 und 2016 – mit dem renommierten Immy-Preis ausgezeichnet wurde. „Wir sind damals mit einem kleinen Büro gestartet und haben einmal geschaut, wie es funktioniert“, blickt sie zurück. „Allerdings hatten wir beide bereits Erfahrungen und vor allem auch Kontakte. Das ist enorm wichtig.“ Denn in einer von Männern dominierten Branche könne es natürlich schon vorkommen, dass Frauen am Anfang nicht für voll genommen werden; wenn man aber bereits vorher in diversen Unternehmen sein Können unter Beweis gestellt habe, helfe das enorm.

 

(K)eine gläserne Decke

Die Tatsache, dass Wohnen vielfach weiblich ist, könne dabei durchaus von Vorteil sein, meint Herzel: „Es sind schon häufig die Frauen, die letztlich die Kauf- oder Mietentscheidung treffen. Und wenn man selbst eine Frau ist, kann man oft ein besseres Gespür für deren Wünsche entwickeln und anders miteinander reden“, meint sie. Ein Heimvorteil sei dies aber bestenfalls im Wohnbereich, denn sobald es um gewerbliche Objekte geht, zählen Gespür und Wünsche wenig. „Da geht es dann ausschließlich um Quadratmeter, Standorte oder die Nähe zur U-Bahn“, betont die Unternehmerin. Dieses Terrain beanspruche traditionellerweise die männliche Konkurrenz, weshalb sie auf diesem Feld auch überproportional vertreten sei. „Außerdem ist es ein Unterschied, ob man in der Unternehmensführung tätig oder eine Wohnungsmaklerin ist“, gibt Sandra Bauernfeind zu bedenken. Sie selbst hat ihre Karriere bei einem der großen heimischen Player der Branche gemacht und ist heute geschäftsführende Gesellschafterin von EHL Wohnen. „Allerdings hatte ich persönlich nie das Gefühl, gegen eine gläserne Decke zu stoßen oder den Eindruck, nicht gleichberechtigt zu sein.“ Mit wenigen Ausnahmen: „Ein einziger Mann hat mich einmal in einem Meeting gefragt, ob ich eh Protokoll führe“, erinnert sie sich lachend, und die Frage war schnell beantwortet.

 

Podien gehören Männern

Inzwischen würden sich Männer mit solchen Ansagen ohnehin selbst disqualifizieren, als Frau müsse man aber auch „klar kommunizieren, was man will, und nicht auf armes Hascherl tun“, nimmt sie ihre Geschlechtsgenossinnen in die Pflicht. Ohne dabei zu glauben, dass es nichts mehr zu tun gäbe. Denn ein schönes Indiz für die Gleichberechtigung in vielen Branchen, nicht nur der Immobilienwirtschaft, sei immer wieder die Besetzung von Podien. „Und die sind sehr häufig immer noch nur mit Männern besetzt“, kritisiert die Immobilienexpertin.

AUF EINEN BLICK

Der deutsche Verband Frauen in der Immobilienwirtschaft hat für die Expo Real 2016 ihre Mitglieder befragt, welche Maßnahmen sie als hilfreich erachten würden, um den Frauenanteil in der Branche zu erhöhen. Auf den Plätzen eins und zwei landeten dabei eine flexible Arbeitszeitgestaltung und die Möglichkeit zum Home Office; eine Frauenquote hielten dagegen nur 41 Prozent für sinnvoll. In Österreich versucht unter anderem das Frauennetzwerk Salon Real mehr Einfluss in der Branche geltend zu machen.

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