Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Seniorenwohnen: Gemeinsam ist man weniger allein

Pixabay
  • Drucken

Nicht nur betreute Einrichtungen sind gefragt, ältere Menschen zieht es auch vermehrt in Wohngemeinschaften. Sie schlagen damit der Einsamkeit sowie hohen Wohnkosten ein Schnippchen.

Die Wohnkosten steigen, die Haushaltsbudgets sind knapp – ein Dach über dem Kopf wird trotzdem benötigt. Eine besonders bei Studenten beliebte Möglichkeit, mit dieser Misere umzugehen, sind Wohngemeinschaften. Die Kosten werden geteilt, und allein ist man auch nicht. Genau aus diesen Gründen schätzen immer öfter auch ältere Menschen diese Art des Zusammenlebens.

 

Alte Idee, neues Format

Dabei gibt es viele Ausformungen: mit und ohne Betreuung, privat oder von Institutionen wie Kolping Österreich, dem Arbeiter-Samariter-Bund oder von Bauträgern organisiert. „Die Senioren-WG liegt im Trend", weiß auch Nikolaus Lallitsch, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich und Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien Steiermark. Eine im Vorjahr durchgeführte Marktstudie von Raiffeisen Immobilien hat etwa gezeigt, dass sich rund zehn Prozent der Befragten die Übersiedlung in eine WG durchaus vorstellen könnten. Besonders beliebt sind Lallitsch zufolge jene Formen, bei denen zwar die Infrastruktur gemeinsam genutzt wird, getrennte Wohnräume aber für die entsprechenden Rückzugsmöglichkeiten sorgen. Lukas Hecke, Mitgründer der Plattform Wohnbuddy, bestätigt den Trend zur WG. Seit 2016 bringt die Plattform ältere Wohnungsbesitzer und junge Mitbewohner zusammen. Aber nicht nur das: „Wir haben mittlerweile 35 Studenten in Seniorenwohnhäuser und Pflegeheime vermittelt", erzählt Hecke. Während Zweitere Wohnraum bieten, können Erstere günstig wohnen, stellen dafür Zeit für gemeinsame Aktivitäten und Unterstützung im Alltag zur Verfügung. In der Regel wird ein Untermietverhältnis gegründet, Rechte und Pflichten werden in eine Hausordnung gegossen. Um die perfekte Paarung zu finden, setzt Wohnbuddy auf ein mehrstufiges Auswahlverfahren.

Bei der Anmeldung wird ein Fragebogen ausgefüllt, ein Algorithmus trifft darauf basierend eine erste Vorauswahl. „Danach folgt die persönliche Endauswahl und das Kennenlernen", beschreibt Hecke das Prozedere. Das gelegentlich geraume Zeit in Anspruch nehmen kann. „Oft beschnuppern sich die künftigen Mitbewohner zwei oder drei Monate lang bei regelmäßigen Treffen, bevor es ans Einziehen geht", sagt Hecke. Eines hat sich übrigens relativ rasch gezeigt: „In der Praxis geht es weniger um die Hilfe als um die Gemeinsamkeit." Auch die bereits erwähnten ökonomischen Motive spielen eine Rolle. Denn nicht nur junge, sondern auch ältere Menschen stöhnen unter den Wohnkosten. Immerhin 15 Prozent der alleinstehenden älteren Frauen und acht Prozent der Männer sind durch diese stark belastet. Das zeigt eine aktuelle von Silver Living, nach eigenen Angaben Marktführer bei frei finanzierten Seniorenimmobilien, beauftragte Studie. Um die Wohnkosten der Mieterhaushalte 70 plus in bezahlbarem Rahmen zu halten, „werden somit künftig auch gemeinschaftliche Wohnformen wie eben Wohngemeinschaften und Quartierskonzepte in den Städten an Bedeutung gewinnen", sind die beiden Silver-Living-Geschäftsführer Walter Eichinger und Thomas Morgl überzeugt.

 

Betreuung ermöglichen

Große Chancen räumen sie auch dem betreuten Wohnen ein. Experten würden davon ausgehen, dass in Europa rund sieben Prozent der über 70-Jährigen betreutes Wohnen in Anspruch nehmen oder nehmen werden. „Aus derzeitiger Sicht werden in Österreich bis 2029 rund 87.000 Wohneinheiten für betreutes Wohnen benötigt", schätzen Eichinger und Morgl. Volkswirtschaftlich gesehen bringt diese Wohnform der Studie zufolge deutliche Einsparungen. Während nach Angaben von Studienautor Wolfgang Amann in den Heimen die Kosten pro Person und Jahr bei mehr als 34.000 Euro liegen, sind es beim betreuten Wohnen rund 18.000 Euro.

Im Zusammenhang mit dem Thema Wohnen im Alter und der Nachfrage nach Vorsorgewohnungen hat Raiffeisen-Immobilienexperte Lallitsch noch einen Tipp parat: Als klassisches Finanzanlageprodukt geltend, würden sie von Anlegern nach anderen Kriterien bewertet als jene Wohnungen, die für den Eigenbedarf gekauft werden. „Das ist kurzsichtig", warnt Lallitsch. Vielmehr sollten auch sie nicht nur als finanzielle Vorsorge, sondern auch als möglicher Alterswohnsitz betrachtet werden. Und somit Lage, Grundrissen und Ausstattung noch mehr Aufmerksamkeit als bisher geschenkt werden.

Was Sie wissen sollten zum Thema . . . Seniorenwohnen

Fakt 1

Hintergründe. Derzeit leben in Österreich mehr als 2,2 Mio. Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Bis 2029 wird ihre Zahl laut aktueller Studie von Silver Living auf rund 2,7 Mio. klettern. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person liegt bei selbstständig lebenden Senioren mit 80 m2 weit über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, der bei 45 m2 liegt.

 

Fakt 2

Trends. Bis 2029 werden in Österreich rund 87.000 Wohneinheiten für betreutes Wohnen benötigt, schätzen Experten – die Nachfrage steigt schon jetzt. Ebenso wie Senioren-WGs in unterschiedlichen Settings: mit und ohne Betreuung, gemeinsam mit Studenten oder mit Gleichaltrigen, privat oder von Institutionen. Gefragt sind eigene Wohnräume und gemeinsame Infrastruktur.

 

Fakt 3

Finanzierung. Betreutes Wohnen kostet laut Silver-Living-Studie rund 18.000 Euro pro Person und Jahr (Heim: 34.000), Wohngemeinschaften je nach Größe und Ausrichtung. Tipp: Vorsorgewohnungen sollten nicht nur als finanzielle Vorsorge, sondern auch als möglicher Alterswohnsitz betrachtet und daher Lage, Grundrisse und Ausstattung genau begutachtet werden.

 

 

 

Mehr Tipps für Ihre persönlichen Finanzen:

www.diepresse.com/meingeld