Hauswirtschaft: Von den Basics bis zum Butlerniveau

Ein perfektes Frühstück vorzubereiten gehört zu den täglichen Aufgaben, die Butler und Haushälter beherrschen müssen.
Ein perfektes Frühstück vorzubereiten gehört zu den täglichen Aufgaben, die Butler und Haushälter beherrschen müssen.(c) Butler Büro

Bügeln, Lebensmittelpläne erstellen, Flecken entfernen – das „bisschen Haushalt" erfordert einige Fertigkeiten, die auch professionell gelernt werden können.

Sie strahlen von den Fernsehschirmen – Butler, die Zeitungen bügeln, Haushälter und Köche, die in den Villen ihrer Hausherren wirken. Doch auch in der Realität sei durchaus Nachfrage vorhanden, meint Claudia Schlegel, Gründerin der Wiener Agentur und Ausbildungsstätte Butler Bureau. Täglich bekomme sie Anrufe von potenziellen Arbeitgebern aus dem In- und Ausland, die hoch qualifiziertes Hauspersonal suchen. Personal, das weiß, wie man Naturmaterialien behandelt, wann Marmor kaputtgeht (Cif ist ein No-Go) oder wie man sensible Textilien wäscht, damit eine Mohairweste nicht zur Filzdecke wird.

Im mehrwöchigen Lehrgang Exklusives Haushaltsmanagement lernen Teilnehmer alles über Haushalts- und Küchenorganisation, Wäschepflege, Getränke- und Servierkunde, aber auch Kommunikation und Gästeempfang. Auf dem Stundenplan steht etwa Bügeln, Einkaufstraining oder Arbeitshaltung und -planung.

 

Selbst Personal managen

Besitzer größerer oder mehrerer Residenzen würden nicht nur Haushälter, sondern vor allem Butler beziehungsweise Housemanager suchen, die bereits angestelltes Hauspersonal (darunter Haushälter, Chauffeure oder Köche) koordinieren, meint Schlegel. Im Lehrgang Butler/Housemanager werden daher Kenntnisse in Getränkekunde, aber auch Personalführungskompetenzen wie Teambuildung und Motivation sowie Diskretion und Etikette vermittelt. Neben Pädagogen, die Hauswirtschaft unterrichten, lehren Silberschmiede oder Maßschuster den richtigen Umgang mit luxuriösen Materialien. Eine Kristallglasfabrik, Moët de Chandon oder Louis Vuitton gehören ebenso zu den Unternehmen, mit denen Schlegel kooperiert, um künftige Butler auf ihren Job vorzubereiten. Lehrgangsinteressenten sollten aber im Idealfall schon vor der Ausbildung wissen, welche Herrenuhren en vogue sind, oder sich mit Maßhemden beschäftigt haben. „Man muss schon ein gewisses Gespür für Luxus haben. In der kurzen Zeit können wir nur die Basics schulen. Je mehr man mitbringt, desto besser", sagt Schlegel.

Nicht für den Einsatz in exklusiven Haushalten, sondern für den Privatgebrauch bereitet der fünftägige Crashkurs Haushaltsführung kompakt vor, der entweder als Präsenz- oder als Fernkurs belegt werden kann. Auch an der oberösterreichischen Fachschule Bergheim kann Haushaltsführung erlernt werden. In der Abendschule für Erwachsene, Fachrichtung Betriebs- und Haushaltsmanagement, lernen die Teilnehmer in zwei Jahren Grundlagen in Gästebedienung, den Einsatz von Pflege- und Reinigungsmitteln, Kochen, Nähen oder Gartenarbeit und Landwirtschaft. Ein Großteil der Teilnehmer ist zwischen 20 und 60 Jahre alt und braucht die Ausbildung, um die Facharbeiterprüfung nachzumachen – oft, weil sie einen landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen möchten. Andere Teilnehmer besuchen den Lehrgang aus reinem Interesse und um sich in puncto Haushalt weiterzubilden, sagt Direktorin Rosa Fellhofer. „Ein Spannleintuch ist so einfach zusammenzulegen, aber ich bin sicher, 80 Prozent der Haushalte machen es falsch."

„Viele sehen die hauswirtschaftliche Tätigkeit als selbstverständlich an", weiß auch Rosina Neuhold, Direktorin der Fachschule Sooß. In Sooß wird derzeit ein mehrstündiges Seminar mit dem Titel „Einen Haushalt clever managen" angeboten. Früher gab es mit der Bauern- und Bäuerinnenschule, einer Abendschule für Erwachsene, auch die Möglichkeit, eine hauswirtschaftliche Ausbildung berufsbegleitend zu absolvieren. Aufgrund fehlender Nachfrage kam der Lehrgang jedoch nicht mehr zustande. Das soll sich ändern: Gerade arbeite man an einem neuen Lehrplan, der 2020 in Kraft treten soll.

Geht es nach Agnes Karpf Riegler, Schulinspektorin für die landwirtschaftlichen Fachschulen, soll die hauswirtschaftliche Ausbildung digitaler und zeitgemäßer werden – analoge Präsenzphasen etwa mit digitalen Blended-learning-Phasen abwechseln.

 

Digitale Helfer

Da die Haushalte selbst immer digitaler werden, sollen auch die Ausbildungsinhalte angepasst werden: „Ob Staubsauger- oder Mähroboter oder ein Bügeleisen, das die Faser erkennt, vieles im Haushalt findet bereits unter Zuhilfenahme digitaler Mittel statt. Den Umgang damit muss man lernen."

Auch Butler finden ihren Weg ins 21. Jahrhundert – schon jetzt, erzählt Schlegel, werden etwa Flüge und Bestellungen übers Internet gebucht. Butler lernen auch, Excelsheets zu verwenden, um Haushalt und Personal besser zu organisieren. „Ein moderner Butler packt an, koordiniert und plant. Wir müssen weg von dem Bild des steifen in Frack gekleideten Herren mit grauen Schläfen, der nur das Silber poliert."