Hajek: „Wien 2015 wird sich nicht wiederholen“

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Erst wenn das letzte Wahllokal in Europa geschlossen hat, gibt das Innenministerium in Wien Ergebnisse aus. Erfahren wir also erst um 23 Uhr, wie Österreich gewählt hat? Nicht ganz: Meinungsforscher haben eine Lösung.

Wien. Am 26. Mai, zwischen 17 und 23 Uhr wird, könnte sich Österreich in einer ungewöhnlichen Lage befinden: Die EU-Wahl ist vorbei – doch wie sie ausgegangen ist, weiß noch niemand. Wobei, ganz korrekt ist es nicht. Im Innenministerium fließen die Ergebnisse der ausgezählten Wahlsprengel schon zusammen. Nach einer Vorgabe der EU-Kommission darf das Ressort sie aber erst weitergeben, wenn das letzte Wahllokal geschlossen hat. Und in Italien ist eben erst um 23 Uhr Schluss.
Die Hochrechnung um 17 Uhr, die die farbigen Balken auf den TV-Schirmen in Parteizentralen und Wohnzimmern in die Höhe schießen ließ, kann es damit also nicht mehr geben. Denn mit welchen Daten sollten die Institute dieses Mal auch arbeiten?

Am Freitag wurde eine Lösung publik: Erstmals arbeiten die Austria Presse Agentur, der ORF und der Privatsender ATV zusammen. Gemeinsam werden sie eine sogenannte Trendprognose nach dem Schließen des letzten Wahllokals in Österreich veröffentlichen. Erarbeitet wird die Prognose von Arge Wahlen, Sora und Peter Hajek. Insgesamt werden 4800 Interviews geführt. Allerdings nicht nur am Wahlsonntag, sondern beginnend am 21. Mai.

Der Unterschied zu den Hochrechnungen an vergangenen Wahlsonntagen: Die Institute stützen sich dieses Mal nicht auf Ergebnisse aus den Wahlsprengeln. Sondern auf Angaben der befragten Wähler. Trotzdem werde man schon um 17 Uhr eine „solide und seriöse Einschätzung haben, die sich nicht mehr groß vom Wahlausgang unterscheidet“, sagt Meinungsforscher Peter Hajek zur „Presse“.

 

Ursprünglich andere Pläne

Ein Szenario wie bei der vergangenen Wien-Wahl, als – im Widerspruch zu ersten Hochrechnungen – die SPÖ doch noch deutlich vor der FPÖ landete, werde es nicht mehr geben, verspricht Hajek: „Wien 2015 wird sich nicht wiederholen, davon bin ich ziemlich überzeugt.“ Dass verschiedene Medien zusammenarbeiten, sei im Übrigen sehr klug: „Vor allem in Zeiten, in denen der Wählerwille immer schwerer einschätzbar wird und die politischen Konstellationen wechseln.“

Der ORF hat ursprünglich eine andere Lösung geplant: Man wollte eigentlich eine rechtliche Lücke nutzen. Denn Mitglieder der Wahlbehörde dürfen zwar das Ergebnis ihres Wahlsprengels nicht weitergeben. Den von den Parteien entsandten Wahlzeugen ist es allerdings erlaubt. Die Idee, die Angaben all dieser Wahlzeugen zu sammeln und für eine Hochrechnung zu nutzen, wurde aber doch wieder verworfen. Zu groß war die Angst – auch innerhalb der Parteien – vor einer möglichen Wahlanfechtung.

Erste Prognosen zur künftigen Verteilung der Sitze im Europaparlament auf die Fraktionen werden dann um 20.15 Uhr veröffentlicht. Drei Stunden später wird es Trends auf Basis der offiziellen vorläufigen Wahlergebnisse geben.