Victoria: Ihr Reich, ihre Zeit, ihre Erbinnen

Dossier Ihr Riesenreich mag dahin sein. Doch der Einfluss der berühmten Regentin ist auch 200 Jahre nach ihrer Geburt spürbar. Sie machte aus dem britischen Königshaus ein Familienunternehmen. Über ihre Politik, ihre Zeit - und ihren Einfluss auf Diana, Kate und Meghan.

Text: Günther Haller, Hellin Jankowski, Maria Kronbichler, Christina Lechner und Elisabeth Postl.
Grafik: Tamás Hegyi.
Konzeption: Elisabeth Postl.

Am 24. Mai 1819 erblickte im Londoner Kensington-Palast ein kleines Mädchen das Licht der Welt. Sie erhielt einen außergewöhnlichen Namen: Alexandrina Victoria von Hannover. Dass die britische Prinzessin auch ein außergewöhnliches Leben führen sollte - damit rechnete damals niemand.

200 Jahre später wissen wir: Aus Drina wurde Victoria, Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland und Kaiserin von Indien. Sie wurde neben Tudor-Königin Elizabeth I. zu einer zweiten britischen Queen, nach der ein ganzes Zeitalter benannt werden sollte. Wie schon Elizabeths Regentschaft 300 Jahre vorher war auch Victorias Zeit bestimmt vom Fortschritt. Industrielle Revolution, Unternehmergeist, das Empire: Diese Begriffe verbindet man heute ganz eindeutig mit Victoria.

Das Empire ist freilich verschwunden. Der Einfluss der letzten Königin aus dem Haus Hannover auf die global rezipierte britische Monarchie ist aber so groß wie eh und je. Denn unter Victoria wurde aus dem Königshaus erst jenes Königshaus, das wir heute kennen: ein Familienunternehmen, „The Firm“. Victoria verstand es nicht nur, ihre neun Kinder dynastisch klug quer durch Europa zu verheiraten - ihre Nachkommen sitzen heute nicht nur auf dem britischen, sondern auch auf dem spanischen, schwedischen, dänischen und norwegischen Thron -, sondern ihr Familienleben zur Marketingwaffe zu machen. Das Private wurde öffentlich, die Royals wurden volksnah. Wenn Kate Middleton auf den Stufen eines Londoner Krankenhauses von der Weltpresse fotografiert wird, ihr neugeborenes Kind auf dem Arm, muss man eigentlich an eine denken: Victoria.