"Peinlich" bis "arg in Bedrängnis": Reaktionen internationaler Medien

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG/SCREENSHOT

Von „Bild“ über „Le Monde“ bis zur „New York Times“: Internationale Medien blicken nach Österreich. Und die „Kronen Zeitung“ wehrt sich.

Kurz vor der EU-Wahl steht Vizekanzler Heinz-Christian Strache schwer unter Druck. "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" haben ein heimlich gefilmtes Video veröffentlicht, auf dem der FPÖ-Chef im Juli 2017 mit einer vermeintlichen russischen Investorin in Ibiza über Staatsaufträge für millionenschwere Spenden spricht - und von angeblichen (jetzt dementierten) hohen Spenden österreichischer Firmen erzählt. Ein Vorfall, der nicht nur in der österreichischen Innenpolitik Wellen schlägt, sondern auch im Ausland.

Besonders groß ist das Interesse bei den deutschen Nachbarn: Die „Welt“ nannte den Vizekanzler "in Bedrängnis" - und zog Parallelen zwischen Österreich und den USA (aber auch anderen Staaten), in denen es versuchte Wahlbeeinflussung aus dem Ausland gegeben habe. Außerdem hält sie fest: „Kurz befindet sich zum ersten Mal in seiner politischen Laufbahn tief in der Krise - jetzt muss er zeigen, was er kann. Kurz weiß genau: Wenn er jetzt einen Fehler macht, kann ihn das schon bald die Kanzlerschaft kosten und womöglich das Ende seiner kometenhaften Karriere bedeuten. Andererseits steht Kurz aber auch vor der Frage: Kann er vielleicht von der neuen Situation profitieren?"

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ließ ihre Leser über einen Rücktritt Straches abstimmen. Die Boulevard-Zeitung „Bild" titelte am Samstag: "Ösi-Vize Strache bot Aufträge für Wahlkampfhilfe an" und behauptete, mehr über die Teilnehmer des Gesprächs zu wissen als viele andere Medien. Das „Handelsblatt“ prophezeit: „Der gelernte Zahntechniker, der einst bei Jörg Haider in die politische Lehre ging, hat sich als stellvertretender Bundeskanzler in Österreich endgültig untragbar gemacht. An seinen Rücktritt führt in einer funktionierenden Demokratie zwangsläufig kein Weg vorbei.“ 

Die „Neue Zürcher Zeitung“ wiederum sag Strache „arg in Bedrängnis“. Die französische Zeitung „Le Monde" bezeichnete die Affäre rund um das Video als "peinlich" und "verfänglich". Auch die spanische „El Pais“ widmete dem FPÖ-Chef mehrere Artikel, ebenso die britische „Daily Mail“. Die Causa machte allerdings nicht bei den Grenzen Europas Halt, sondern erreichte mittlerweile auch die USA: Die „Washington Post“ sah den Vizekanzler „unter Beschuss". Denselben Wortlaut verwendete am Samstag die „New York Times“. Strache befindet sich „unter Beschuss“, wird festgehalten.

„Kronen Zeitung" wehrt sich gegen "Attacke"

Unterdessen wehrt sich die im umstrittenen Video von Strache genannte „Kronen Zeitung“ . Sie wertete die Aussagen des FPÖ-Chefs als „Attacke“ und „Aurelius" (hinter diesem Pseudonym wird Herausgeber Christoph Dichand vermutet) kommentierte: „Wegen ihres Einflusses ist sie ständig bedroht, denn so mancher würde sich gerne die Krone aufsetzen.“ Die "Unabhängigkeit der Redaktion ist das Objekt der Begierde, mit der sich mächtige Interessengruppen oder milliardenschwere Finanzgruppen gerne schmücken würden". Doch "mit Mut, Haltung und ihrer kritischen Einstellung gegenüber den Mächtigen hat sie seit jeher alle Einflüsse abgewehrt und Erfolgsgeschichte geschrieben. Einzig ihren Lesern verpflichtet wird sie das auch weiterhin tun - allen Gewalten zum Trotz!", schloss der Text.

Dichands Frau Eva, Herausgeberin der Gratiszeitung "Heute", twitterte am Freitagabend anlässlich des Videos: "Deshalb ist es eben NICHT egal, wem die grossen österreichischen Medien gehören UND welche pol. Und privaten Interessen diese Eigentümer verfolgen. "