Kunst

Der späte Triumph der Frauen

Lichtspiele. Brigitte Kowanz arbeitete in dem Werk „Connect the Dots“ mit LED und Acrylglas.
Lichtspiele. Brigitte Kowanz arbeitete in dem Werk „Connect the Dots“ mit LED und Acrylglas.Brigitte Kowanz/Galerie Krinzinger/Foto: Studio Brigitte Kowanz

Künstlerinnen erleben auch auf dem Kunstmarkt einen Aufschwung. Kuratoren wie Sammler setzen jetzt auf Frauen.

Das feministische Kollektiv Guerrilla Girls prangert schon seit 1985 die Dominanz weißer Männer in der Kunstwelt an. Auf einem ihrer Plakate fragten sie, ob Frauen nackt sein müssten, um ins Museum zu kommen. Es dauerte lang, bis sich das Blatt zu wenden begann, doch jetzt stehen Künstlerinnen im Rampenlicht. Viele Museen zeigen Ausstellungen, wie etwa das Untere Belvedere „Stadt der Frauen“ oder das Bank Austria Kunstforum „Flying High. Künstlerinnen der Art Brut“. Für Aufsehen sorgte Maria Balshaw, Direktorin der Tate Britain, die ankündigte, ab April in der Sammlung von Kunst ab 1960 ein Jahr lang nur noch Werke von Frauen zu zeigen.

Gabriele Schor, Direktorin der Sammlung Verbund und Kuratorin der Ausstellung „Feministische Avantgarde“, die bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung feministischer Kunst Pionierarbeit geleistet hat, beobachtet, dass Künstlerinnen auch auf dem internationalen Kunstmarkt vermehrt Wertschätzung erfahren. „Die im Oktober 2017 von Alison Gingeras kuratierte Sektion ,Sex Work: Feminist Art & Radical Politics‘ auf der Messe Frieze in London hat große Aufmerksamkeit hervorgerufen. Da waren auch zwei österreichische Einzelpräsentationen dabei: Birgit Jürgenssen und Renate Bertlmann“, sagt Schor. Doch nicht nur zeitgenössische Künstlerinnen erfahren die überfällige Anerkennung. Im Jänner schrieb Élisabeth Vigée-Le Brun einen neuen Rekord für eine prämoderne Arbeit einer Künstlerin. Das Porträt von Mohammed Derwisch Khan erzielte 7,2 Millionen Dollar. Es war Teil von 21 Arbeiten Alter Meisterinnen, die Sotheby’s in den Fokus der Masters Week in New York stellte. „In den letzten fünf Jahren haben Kuratoren wie Sammler das Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Künstlern angesprochen und begonnen, in Künstlerinnen zu investieren. Sie sind bisher im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen auf dem Markt unterbewertet“, sagte Calvine Harvey, Sotheby’s-Altmeister-Experte.

Friedrich Petzel und Hauser&Wirth, die auch im Vorstand der Lassnig-Stiftung sitzen, positionieren sie international. Dennoch, die Rekorde bei Auktionen wurden in Österreich erzielt: 2014 schlug das Dorotheum den „Wald“ für 400.000 Euro zu und im Vorjahr das Kinsky „Korkenziehermann“ zum selben Preis. Deutlich niedriger sind die Auktionspreise für Valie Export. Westlicht hat mit 45.000 Euro 2015 den höchsten Zuschlag erzielt. 2013 verkaufte Christie’s ein Werk für 40.918 Euro. Im Oktober 2017 hat die Galerie Thaddaeus Ropac ihre Vertretung übernommen. Das bringt einen Aufschwung. „Was wir mit Valie Export bei der Ausstellung ‚Body Configurations‘ in Paris losgetreten haben, ist enorm. Wir haben Presse bekommen in einem Umfang, den wir uns nicht erwartet hätten“, sagt Ropac. Er denkt, dass sich das Marktinteresse drehen wird, und nicht nur in Österreich. „Wir konnten einige Werke an internationale Sammlungen und Museen verkaufen“, so der Galerist. Die Galerie verlangt für Arbeiten von Valie Export zwischen 10.000 und 150.000 Euro. Neben Valie Export sieht Ropac die Künstlerinnen Lassnig, Jürgenssen, Bertlmann, Kowanz und Martha Jungwirth als international erfolgreich.

„International werden Werke von Bertlmann aber auch für ein paar 100.000 Euro verkauft“, sagt die Galeristin. So lag etwa die Preisspanne beim Auktionshaus Sotheby’s, das 2017 Bertl­mann gemeinsam mit Lassnig eine kuratierte Verkaufsausstellung in London widmete, zwischen 3700 und 150.000 Pfund. Die Künstlerin wird auch vom Londoner Galeristen Richard Saltoun vertreten. Die zweite Avantgardistin, die internationale Aufmerksamkeit genießt, ist Birgit Jürgenssen. In Österreich hat Hubert Winter ihr Werk im Programm. Er bietet ihre Arbeiten zwischen 16.000 Euro für Fotos und 120.000 Euro für Skulpturen an. International widmete ihr zuletzt die Galerie Barbara Gladstone in Brüssel eine Ausstellung. Alison Jacques Gallery in London und Fergus McCaffrey in New York haben sie ebenfalls im Programm. Letzterer zeigte ihr Werk 2018 erstmals in Japan.