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Andrea Schurian

Ein Ausflug ins Oligarchenreich der Allmachtsfantasien

Wie redet eigentlich jemand wie H.-C. Strache im vertrauten Kreis, wenn er schon bei einer schönen Fremden alle (Sprach-)Hemmungen sausen lässt?

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

„May you live in interesting times“: Wie maßgeschneidert passt das Motto der diesjährigen Venedig-Biennale auf Österreichs aktuelle Befindlichkeit und den Trümmerhaufen namens „türkis-blaue Regierung“, verursacht von den politischen Selbstmordattentätern H.-C.Strache und Johann Gudenus. Freilich ist aufklärenswert, wer die Falle in der Villa auf Ibiza ausgelegt hat. Doch egal, wer und zu welchem Zweck: Verantwortlich für die primitiven Niederträchtigkeiten sind ganz allein Strache und Gudenus. Wie pflegen die beiden bekennenden Überwachungsstaatler zu sagen? Wer nichts anstellt, hat auch nichts zu verbergen. Gudenus hat mittlerweile nicht nur sein missbrauchtes Amt, sondern auch die Parteimitgliedschaft zurückgelegt. Eh selbstverständlich, möchte man glauben.

„Jetzt erst recht“, postet hingegen H.-C. Strache. Was jetzt? Und was erst recht? Blau bleiben? Oder vielleicht doch endlich nüchtern werden? Der Ex-Vizekanzler will seine Ibiza-Exkursion, die er gemeinsam mit seinem dolmetschenden Spezi ins Oligarchenreich der Allmachtsfantasien unternommen hat, als besoffenes Macho-Gschichtl verstanden wissen. Doch wie der Lyriker Alkaios von Lesbos circa 630 v. Chr. richtig diagnostizierte: In vino veritas. Das, was da aus den beiden Maulhelden so hemmungslos heraussprudelte, nachdem offenbar ebenso hemmungslos Alkoholhältiges hineingeschüttet wurde, ist eine Gesinnungsoffenbarung. „Hure“, Straches Vulgärbezeichnung für Journalisten, „Schneebrunzer“ für politische Mitbewerber: Wie redet so jemand eigentlich im vertrauten Kreis, wenn er schon bei einer schönen Fremden alle (Sprach-)Hemmungen verliert?