Ein goldener Sopran für Julia und Rusalka, Norma und Violetta

Aida Garifullina (Archivbild, 2015).
Aida Garifullina (Archivbild, 2015).(c) APA/GEORG HOCHMUTH

Die russische Sopranistin Aida Garifullina bewies im Konzerthaus ihre technische Perfektion.

Sie ging von Wien aus in die Welt: Aida Garifullina, bis 2016 Ensemblemitglied der Staatsoper, gilt heute als eine der führenden jungen Sopranistinnen. Bei ihrem Arienabend im großen Konzerthaus-Saal fesselte sie das Publikum gleich zu Beginn in Gounods „Ah! Je veux vivre“ aus „Roméo et Juliette“ mit sicher gesetzten Spitzentönen und der Agilität ihres Soprans. Ganz im Gegensatz dazu begann sie „Casta Diva“ aus Bellinis „Norma“ stark zurückgenommen, berührte damit umso inniger, präsentierte ihren Sopran besonders warm, rund und füllig, mit perfekt elaborierten Bögen. Im Vergleich eher farblos wirkte die – freilich an sich weniger dankbare – Sterbearie des „Schneeflöckchens“ von Rimski-Korsakow.

Garifullina, begleitet vom höchst facettenreich, wenngleich manchmal etwas zu effekthascherisch agierenden RSO (brillant: Cellistin Julia Schreyvogel), ließ im zweiten Teil Rusalkas Lied an den Mond folgen, hier wunderte allerdings, warum sie ganz zu Beginn die Töne gar so kurz ausgehalten hat, ist sie doch eine Meisterin des langen Atems. Im „Mond, bleibe stehen ein Weilchen“ selbst strahlte ihr Sopran aber gewohnt golden. Noch besser und geradezu ideal lagen ihr die Arie der Violetta „Addio del passato“, in der sie auch darstellerisch punktete, und das „O mio babbino caro“ aus Puccinis „Gianni Schicchi“. In beiden ließ sie gekonnt Pianissimi zu großem Volumen anschwellen und hielt volle Spitzentöne schier endlos aus. Die Vorfreude auf ihr Debüt als Mimì in „La Bohème“ und als Violetta in „La Traviata“ in der kommenden Staatsopernsaison ist an diesem Abend jedenfalls noch gestiegen. (tst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2019)