Nur Freiheit schützt vor den Datensammlern

Nutzer wählen bisher nur, wer ihnen nachspioniert.

Die Freunde des Datenschutzes haben Grund zur Freude: Amazons Aktionäre proben den Aufstand, weil der Konzern Software zur Gesichtserkennung an US-Behörden liefert. Und Donald Trump wirft kurzerhand das Google-Betriebssystem Android von den Geräten seines chinesischen Lieblingsfeindes Huawei.

Was solle daran gut sein, fragen Besitzer eines Huawei-Handys? Mit der angeblichen Liaison des Anbieters mit Pekings Geheimdienst hat es nichts zu tun. Das ist bei US-Herstellern nicht besser. Die Menschen können sich nur aussuchen, wer ihnen nachspioniert.

Gut ist, dass der Fall aufzeigt, wie dringend es eine Alternative zu Konzernen braucht, die bisher Daten ungeniert abgesaugt und vergoldet haben. Wenn Trump ein so relevantes Programm global von den Geräten verbannen kann, wird zudem klar, wie fragil das technologische Gerüst ist, auf das Europa sich stützt. Die Lösung? Echte freie Software (Android ist nur in der Basisversion quelloffen). Sie würde Schutz vor fehlgeleitetem politischen und kommerziellen Interesse bieten. Die EU sollte daher die Entwicklung von transparenter, freier Software wie Linux fördern – und diese auch nutzen. Das brächte mehr Kontrolle über unsere Daten als jedes Huawei-Verbot.

matthias.auer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2019)