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Monsanto droht in Indien Millionenstrafe

Die Bayer-Tochter soll ihre Marktposition bei genverändertem Baumwollsaatgut missbraucht haben.

Neu Delhi/New York/Leverkusen. Als ob nicht die zig tausenden Klagen wegen des von Monsanto produzierten glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein, reichen: Der deutsche Pharmakonzern Bayer, der den US-Agrarkonzern Monsanto im Vorjahr gekauft hat, kommt nun auch im Zusammenhang mit anderen Problemen der US-Tochter unter Beschuss. Nun wirft die indische Regierung Monsanto vor, seine Marktmacht missbraucht zu haben und droht mit einer Millionenstrafe.

In dem bereits seit Jahren schwelenden Streit zwischen der indischen Regierung und Monsanto sollen die indischen Kartellbehörden nun zu dem Ergebnis gekommen sein, dass der US-Saatgut- und Pestizid-Hersteller seine beherrschende Stellung bei gentechnisch verändertem Baumwollsaatgut in Indien missbraucht habe.

Der Bericht werde nun von hochrangigen Mitgliedern der Wettbewerbsbehörde überprüft. Sie könne gegen den Konzern eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Umsatzes in den vergangenen drei Jahren verhängen, wenn sie mit den Ergebnissen der Untersuchung übereinstimme, hieß es aus mit der Causa befassten Kreisen. Monsanto setzt rund 15 Mrd. Dollar im Jahr um.

Indien ist nach China der weltweit zweitgrößte Produzent von Baumwolle. Die Jahresproduktion macht rund 6,5 Millionen Tonnen aus, womit Indien für nahezu ein Viertel der Weltproduktion verantwortlich ist. Genveränderte Baumwolle wird hauptsächlich zur Verbesserung des Ertrags verwendet, nur sehr begrenzt zur Veränderung der Faserqualität.

Die Wettbewerbsbehörde hat die Untersuchung 2016 angeordnet, nachdem sich das indische Landwirtschaftsministerium und eine lokale Saatgutfirma beschwert hatten, dass Monsanto unangemessen hohe Lizenzgebühren erhebe. Mahyco Monsanto Biotech, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der indischen Saatgutfirma Mahyco, beherrscht mehr als 90 Prozent des Baumwollmarktes. Erstmals brachte Monsanto 2002 gentechnisch verändertes Baumwollsaatgut in Indien auf den Markt.

Der Konzern befindet sich mit dem Land seit Jahren im Streit über Lizenzgebühren, die indische Saatgutfirmen für die Nutzung der Monsanto-Technologie zahlen müssen. Im März hat Indien die Lizenzgebühren zum dritten Mal binnen vier Jahren gesenkt. Wegen des Konflikts mit der indischen Regierung hatte Monsanto 2016 den Zulassungsantrag für seine neueste Variante von gentechnisch verändertem Baumwollsaatgut in dem Land zurückgezogen. (Reuters/eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2019)