Dachbegrünung: Gräser, Bienen und Blumen

Dachbegrünung Bonygasse
Dachbegrünung BonygasseGründach

Kräuter, Blumen oder gar ein ganzer Garten auf dem Dach ersetzten immer öfter Ziegel, Schindeln oder Blech. Was bei der Umsetzung möglich und zu beachten ist.

Sie sehen nicht nur gut aus, sondern sind wahre ökologische Alleskönner: Gründächer bilden Lebensräume für Wildtiere, Vögel und Insekten, helfen beim Schall- und Staubschutz, halten das Regenwasser länger in der Stadt und sorgen dafür, dass es bei Starkregen weniger heftig abfließt. Außerdem senken sie durch ihre dämmenden Eigenschaften den Energiebedarf, vor allem durch die Kühlung im Sommer. Weshalb immer mehr sich dafür interessieren, selbst Gründächer anzulegen und der Weg dorthin ist weniger schwierig und kostspielig, als vielen denken. Zumal es großzügige Förderungen dafür gibt.


Statik klären

Die wichtigste Voraussetzung für Gräser, Bienen und Blumen auf dem Dach ist eine statische: Es muss neben den Pflanzen auch die darunter liegenden Schichten tragen, zu denen neben dem Substrat eine Filter- und eine Drainageschicht sowie eine Schutzlage gehören. Dazu kommt noch die nach vom Erdreich gespeicherte Wassermenge. „Das beginnt bei rund 50 Kilogramm pro Quadratmeter“, erklärt Jörg Fricke von Fricke Gründächer und Gartengestaltung und Lektor an der Boku. Allerdings seien damit nur dünne Schichten möglich, die der Mindestdicke, die es für Förderungen von der Stadt Wien braucht, nicht entspricht. Dafür muss das Substrat mindestens acht Zentimeter stark sein, „und dann sollte das Dach mindestens 80 Kilogramm pro Quadratmeter tragen“, sagt Christian Oberbichler, Inhaber von Dachgrün, Boku-Vortragender und zweiter Vorsitzender des Verbandes für Bauwerksbegrünung sowie der Plattform GrünStattGrau.

Dachgrün

Intensiv oder extensiv?

Ist die Frage der Tragfähigkeit geklärt, wird ein Blick auf das Material wichtig, mit dem das Dach gedeckt ist. „Um Feuchtigkeitschäden durch eindringende Wurzeln zu vermeiden, muss hier entweder mit wurzelfester Folie gearbeitet werden oder ein Bitumendach mit entsprechender Ausstattung aufgebracht werden“, sagt Fricke. Im nächsten Schritt geht es dann um die Art der Pflanzen und dem dafür nötigen Unterbau. Den Unterschied macht hier die Dicke der Schichten: Wer unterhalb der Ö-Norm von acht Zentimetern bleiben will, sollte sich auf Moose und zarte Kräuter beschränken, für eine „schöne Wiese braucht man zehn bis 20 Zentimeter“, weiß Fricke. Wobei grundsätzlich zwischen extensiven und intensiven Dachbegrünungen unterschieden wird. Die extensiven sorgen quasi für sich selbst und brauchen kaum bis wenig Pflege. „Das funktioniert bis 20 Zentimeter Schichtdicke beispielsweise mit den fetten Hennen, trockenresistenten Gräsern und Kräutern“, nennt Oberbichler Beispiele für Begrünungen, die nicht bewässert und geschnitten werden müssen. Wobei auch die Neigung des Daches eine Rolle spielt: Nach Angaben der Stadt Wien sind flach geneigte Dächer bis 20 Grad für extensive Gründachnutzung geeignet, für intensive und extensive solche bis fünf Grad Neigung.

Extensive Gründächer in Wien Alterlaa
Extensive Gründächer in Wien AlterlaaGründach

Unter intensiven Gründächern versteht man Dachgärten, die bewässert werden, einen Rasen haben, der regelmäßig gemäht wird – und vielleicht eine Ecke, in der man sitzen und die Sonne genießen kann. Was dann wiederum Auswirkungen darauf hat, wie das grüne Dach zu sichern ist: Bei extensiven Anlagen reicht eine Absturzsicherung – etwa Haken und Ösen, in die man sich mit einem Brustgeschirr einhängen kann; bei intensiven sollte es dagegen ein echtes Geländer geben, wenn sich nicht nur der Eigentümer zur notwenigen Pflege dort aufhält.

Was Sie beachten sollten bei der . . . Dachbegrünung

Tipp 1 Ausführung. Unterschieden wird zwischen extensiver und intensiver Begrünung. Erstere ist einfach zu pflegen: Regenwasser genügt, regelmäßiger Pflanzencheck sorgt dafür, dass sich keine Aggressiv-Wurzeler breitmachen. Intensive Begrünung gleicht einem bewässerten Dachgarten mit Rasen bis hin zu Bäumchen, Kräutergarten, Teich und Sitzecke.
Tipp 2 Kosten. In der Basisvariante liegen die Kosten für die professionelle extensive Begrünung eines üblichen Garagendachs bei 25 bis 50 Euro/m2. Intensive Begrünung kann wesentlich teurer werden, zu rechnen ist mit 50 bis 100 Euro/m2 – je nach Ausführung und Ausstattung. Die Stadt Wien fördert Gründächer mit maximal 2200 Euro pro Projekt.
Tipp 3 Infos & Förderungen. Antragsformulare und Infos rund um die Förderung von Gründächern in Wien gibt es auf www.wien.gv.at/amtshelfer.
Informationen darüber, welche Dachflächen in Wien sich aufgrund ihrer flachen Neigung überhaupt zur Begrünung eignen, gibt es außerdem im Gründachkataster auf www.wien.gv.at/umweltschutz.