Kunst

Der Künstler als Knecht der Konzerne

Dieses Foto postete Ai Weiwei auf Instagram(c) Instagram

Ai Weiwei verklagt einen VW-Importeur und kritisiert den Autobauer wegen seiner China-Strategie scharf. Viele Kollegen haben sich längst in profitable Geschäfte mit Großunternehmen verstrickt. Wie das kam und wohin es führt.

D en ganzen Tag hatten die Fotografen Kopenhagen auf der Suche nach "schönen Locations" durchstreift. Gegen Abend kamen sie "ganz zufällig" an der Kunsthal Charlottenborg vorbei, dem bekanntesten Museum der Stadt. Auf seine Fassade war damals, im Herbst 2017, eine Installation von Ai Weiwei montiert: 3500 Rettungswesten von Bootsflüchtlingen, für den chinesischen Konzeptkünstler "das schmerzlichste Symbol ihres Leidens und ihrer Hoffnung". Das Orange der Westen passte aber auch sehr hübsch zum VW Polo, den es zu bewerben galt. Der Folder wurde hunderttausendfach verteilt. Der Meister protestierte (siehe Bild unten), ihn hatte niemand gefragt. Ein Geldangebot des Generalimporteurs schlug er aus. Es ging nicht ums Copyright, er forderte eine Entschuldigung - vergeblich. Am Mittwoch hat Ai Weiwei die Firma verklagt.