Dallas, Duffy und Derrick

Dallas
Dallasimago images / United Archives

Bis vergangenen Dienstag hat sich das Kind weder für Niki Lauda interessiert noch von ihm gehört, mit Laudas Tod aber hat sich das enorm geändert.

Wir haben Nachrufe geschaut, über Niki Lauda geredet, vor allem über den furchtbaren Unfall am Nürburgring. Er hat mich als Kind (miterlebt habe ich ihn nicht, so alt bin ich wieder auch nicht!) auch fasziniert. Die Geschichte von dem brennenden Formel-1-Auto war eine, die mir meine Oma immer wieder erzählen musste.

Den Absturz der Lauda Air viele Jahre später habe ich als Kind schon selbst mitverfolgt. Meine erste richtig große mediale Erinnerung war aber früher, nämlich eine „Krone“-Titelseite bei der Oma daheim (ja, die Oma hat immer die „Krone“ gelesen): Bobbys Eltern ermordet. Erinnern Sie sich noch? Die Eltern des Bobby-Ewing-Darstellers Patrick Duffy wurden – wieso weiß ich das noch so genau? – bei einem Überfall getötet. „Dallas“ war damals ganz groß, schauen durfte ich die texanischen Intrigen und Affären noch nicht, sondern musste direkt nach der (großartigen) Anfangsmusik ins Bett.

Mit neun Jahren ist das Kind auch alt genug für die eine oder andere Erwachsenenserie. So viel wie ich damals darf es aber nicht schauen. Denn wenn ich bei der Oma war (und ich war viel bei der Oma), habe ich praktisch immer das Hauptabendprogramm mitgeschaut, egal, ob es harmlos war wie montags („Zwei Münchner in Hamburg“), pädagogisch wertvoll am Dienstag („Universum“), musikalisch bedenklich am Donnerstag („Musikantenstadl“) oder sehr ungeeignet am Freitag, dem Krimiabend. „Der Alte“, „Derrick“ und – am schlimmsten – „Aktenzeichen XY“: Ich habe sie alle gesehen. Die Oma hat mir zwar bei den ganz argen Szenen die Augen zugehalten, aber so viel Mord und Totschlag (und Stadl-Volksmusik) würde man heutigen Kindern vermutlich nicht zumuten. Waren aber halt auch andere Zeiten: Beim Radfahren hat keiner einen Helm getragen, im Auto gab es auf den Rücksitzen zum Teil gar keine Gurte – von Kindersitzen ganz zu schweigen. Ja, vielleicht, wenn ich heute einmal pathetisch schließen darf, war früher halt doch nicht alles immer nur besser.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2019)