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Huawei zwischen den Fronten

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Huawei blickt nach dem Bann Trumps in eine ungewisse Zukunft.(c) APA/AFP/FRED DUFOUR (FRED DUFOUR)
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Die USA setzen den zweitgrößten Smartphone-Hersteller auf eine schwarze Liste. US-Unternehmen wird damit die Arbeit mit Huawei untersagt. Hauptleidtragende: die Kunden.

Es ist ein Drama in fünf Akten. Im Handelsstreit zwischen den USA und China steht Huawei in der Mitte. Der Netzwerkausrüster wurde von US-Präsident Donald Trump auf eine schwarze Liste gesetzt. Spionage, „Kill Switches“, absichtliche Sicherheitslücken, die Liste der Vorwürfe ist lang. Offizielle Beweise gibt es aber bis heute nicht. Eine Zusammenarbeit von US-Unternehmen mit dem chinesischen Hersteller ist damit untersagt.

Nun wurde Huawei und den kooperierenden Unternehmen eine 90-tägige Frist eingeräumt. Damit sind die Geräte der Nutzer zumindest in dieser Zeit weiter voll funktionsfähig. Die Liste der US-Partner ist lang und betrifft neben der Software (Android und Windows) auch viele Hardware-Komponenten. Von den Grafikprozessoren bis zu den Recheneinheiten ist Huawei von den USA abhängig.

Es wäre aber ein Fehler, davon auszugehen, dass es sich um eine einseitige Abhängigkeit handelte. Denn auch die USA haben dringenden Bedarf nach den in China vorkommenden seltenen Erden. Apple und Dell sind hier die größten Abnehmer.

Was bedeutet das für die Kunden? In den nächsten Wochen wird sich für bestehende Huawei-Kunden nichts ändern. Sie werden weiterhin Updates erhalten und Apps von Facebook bis Pinterest uneingeschränkt nutzen können.

Fraglich ist, was nach den 90 Tagen passiert. Dennoch, sollten sich China und die USA nicht auf einen Handelspakt einigen, der Huawei miteinbezieht, sieht es in puncto Smartphones schlecht aus. Die Zeit reicht nicht, um eine vollständig autarke beziehungsweise US-unabhängige Lieferkette aufzubauen. Dafür fehlt es Huawei an zu vielen Bauteilen. Sollte der chinesische Hersteller auf dieser Liste weiter festsitzen, bedeutet das das Ende der Smartphone-Sparte. Da reicht es nicht, ein halb fertiges Betriebssystem in der Schublade liegen zu haben.
„Einneues Zeitalter“. Seit Jahren deutet Huawei ein neues Betriebssystem an. Man arbeite daran, und es soll vollkommen unabhängig von Google sein. Schneller und besser soll es sein. Aber mehr wollte Huawei bis dato nicht verraten. Ein Wechsel war ja bislang auch nicht notwendig. Laut Richard Yu, dem Chef der Mobilsparte, soll man schon im Herbst die Android-Alternative vorstellen können. Spätestens Anfang des nächsten Jahres.

Hongmeng soll es heißen, was so viel bedeutet wie „frühere Epochen zerschlagen, ein neues Zeitalter erschaffen“. Passend, wenn man bedenkt, dass die Software nicht nur kompatibel mit Smartphones sein soll, sondern mit der gesamten mobilen Produktpalette des Unternehmens. Von der Smartwatch über Fernseher bis hin zu Laptops.
Technisch ist es möglich, dass das neue Betriebssystem mit Android kompatibel ist. Da es sich um ein betriebsoffenes System handelt, könnte es durchaus auf Android Open Source Project (AOSP) aufsetzen.

Die oft vergessene Variable. Schon viele versuchten sich vor Huawei an einem eigenen Betriebssystem. Sie alle sind damit gescheitert. Und immer am fehlenden Ökosystem. Der App Store ist das Nadelöhr. Ist das Angebot nicht ausreichend oder die technische Barriere zu hoch, ist Hongmeng schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt. Hier gilt es von Anfang an, die Entwickler miteinzubeziehen.

Die beste Variante wäre dennoch, würden sich China und die USA einigen und Huawei nicht als Druckmittel beider Seiten missbraucht werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2019)