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Viennafair: Privatsammler auf der Kunstmesse

Roman und Margot Fuchs(c) Julia Stix
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Nicht jeder geht als Sammler auf die Viennafair. Aber mancher könnte als solcher herauskommen. Wir haben Privatsammler gefragt, wie es dazu kommt.

Motive, Kunst zu sammeln, gibt es viele. Da kann durchaus ein Investmentgedanke mitspielen. Oder es mag – zumal in Zeiten wie diesen – der Wunsch bestehen, bleibende Werte zu schaffen. Da kann sogar ein Wettbewerbsgedanke ins Spiel kommen. Vielleicht geht es um eine Mission, oder gar um einen öffentlichen Auftrag – etwa darum, auf Grundlage einer Sammlung ein Museum zu eröffnen. Was die Sammler von Kunst jedenfalls alle verbindet, ist ihre Leidenschaft für die Kunst, für die Lust und Freude, mit schönen Dingen zu leben – umso mehr, wenn sie sich aus einem privaten, nicht öffentlichen Interesse heraus mit Kunst umgeben.

In einem nächsten Schritt, meist mit zunehmender Größe der Sammlung, kommen dann Überlegungen zur Systematik zum Tragen – sei diese nun auf die persönlichen Bedürfnisse oder auf inhaltliche Schwerpunkte und Konzepte abgestimmt. Der starke Drang, Kunst, mithin also Dinge, haben zu wollen, besitzen zu wollen, ist jedenfalls eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen von Sammlungen. Das ist jenes Quäntchen Materialismus, das den Motor des Kunstbetriebs darstellt. Da sind dann Vermittler gefragt, da wird der Kunstmarkt nicht nur zum Schauplatz, sondern auch zum Umschlagplatz. Die Funktion einer Drehscheibe hat in
diesem System die Kunstmesse – nicht zuletzt auch die Viennafair, die sich noch bis 9. Mai vermittelnd dreht.

Sammeln ist kein Hobby - Roman und Margot Fuch

Roman und Margot Fuchs(c) Julia Stix

1350 Quadratmeter Wohnfläche, 4000 Quadratmeter Garten und wo immer man den Blick in der von Roman und Margot Fuchs mit ihren sechs Kindern bewohnten Villa auch hinwendet, Schwimmhalle, Toilette, Kindermädchenzimmer nicht ausgenommen: Überall stehen, hängen, liegen Kunstwerke, nicht nur Bilder und Skulpturen österreichischer und internationaler, jüngerer und arrivierter Künstler – von Fabian Seiz bis Erwin Wurm, von Lisa Ruyter bis Alex Katz –, sondern auch Asiatika, Design, Stammeskunst.

Dazwischen tauchen außerdem noch Kuriosa wie historische Flipperautomaten, Masken, Glasobjekte auf. „Ich war schon von Kind an der Sammler par excellence“, sagt der Gartenarchitekt, der 1990 mit dem Aufbau seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst begonnen hat. „Es war ein Glück, dass meine Frau Feuer fing. Wir sind ein Team – ich der Verrückte, sie die Vernünftige.“ Was das Sammeln für sie bedeutet? „Wir haben die Kunst nicht, um sie zu besitzen, sondern um sie zu genießen. Wir leben völlig mit ihr, sie ist eine Bereicherung und Erweiterung unseres Horizonts. Die Sammelleidenschaft steht neben Beruf und Familie. Das als Hobby zu bezeichnen wäre untertrieben.“

Sammeln ist Zufall - Michael Kozeluha

Michael Kozeluha(c) Julia Stix

Dass Michael Kozeluha zum Kunstsammler wurde, verdankt sich purem Zufall. Zwar hatte der gelernte Tischler durch seine Arbeit bei einem Kunsttransportunternehmen immer schon viel mit Künstlern zu tun. Seine ursprüngliche Leidenschaft galt aber der elektronischen Musik, die ihn in seiner Freizeit seit Jahren als „DJ Okim“ unterwegs sein lässt. Zur Kunst kam er 1999, als er im Studio Orange eines Abends mit Gerwald Rockenschaub am Turntable saß und ihn dieser zu seiner Ausstellung in die Galerie
Georg Kargl einlud. „Meine Frau Anita und ich gingen hin, weil wir ­neugierig waren zu sehen, was der DJ-Kollege außerdem machte. Ein Kunstkauf war nicht vorrangig“, sagt er. Jetzt hängt das poppige Folienbild, das die Kozehulas spontan bei der Ausstellung erwarben und das mittlerweile auch bei der documenta 12 gezeigt wurde, im Eingangsbereich ihrer Wohnung.

Schlag auf Schlag folgten weitere Arbeiten von Muntean Rosenblum, Deutschbauer/Spring, Elke Krystufek, Kamen Stoyanov, Christian Eisenberger sowie auch von vielen Kunststudenten, etwa ­Domenico Mühle (Bild) oder Peter Fritzenwallner. Auch wenn die Kozehulas fast immer kleine Formate kaufen, ist in der Wohnung mittlerweile kaum ein Fleckchen Wand mehr frei. „Mit der Kunst zu leben ist ein ganz wichtiger Teil unseres Daseins ge­worden“, sagt Michael Kozehula. „Darüber sind so viele nette Gespräche und Kontakte entstanden. Das ist auch möglich, wenn man im Kleinen sammelt.“

Sammeln ist besser als Golf - Bernhard und Elisabeth Hainz

Bernhard und Elisabeth Hainz(c) Julia Stix

Dass das Sammlerpaar Elisabeth und Bernhard Hainz privat mit Kunstwerken aus dem 19. Jahrhundert und der Klassischen Moderne lebt, der zeitgenössische Teil und die Werke des 20. Jahrhunderts sich hingegen in den großzügigen Räumlichkeiten von Bernhard Hainz’ Anwaltskanzlei befinden, ist eine Tatsache, die mit dem Anwachsen der mittlerweile rund 800 Exponate umfassenden Kunstsammlung zu tun hat. Die Weichen für diese Zweiteilung hat Bernhard Hainz bereits mit seinem ersten Ankauf im Jahr 1994 gestellt. „Als ich mich als Anwalt niedergelassen habe, wollten wir zwei Bilder kaufen: einen Klassiker und einen Zeitgenossen.“ Die Wahl fiel damals auf einen Rudolf von Alt und einen Mirò. Heute sind beide Stränge um schillernde Namen angewachsen: Böckl, Egger-Lienz, Kollwitz auf der einen Seite. Lassnig, die Aktionisten, Grabmayer, Anzinger, Eisler, Wurm, dazu Jüngere wie Trinkaus, Vukoje, Krystufek und Internationale wie Trockel, Locher auf der anderen Seite.

Auf Trends achtet das Sammlerpaar dabei kaum. „Wir sammeln nicht mit den Ohren, sondern mit den Augen. Und wir haben lange gegen den Strom figurativ gesammelt und sind immer für Pluralismus eingetreten“, sagt Bernhard Hainz. Bei der Auswahl der Kunstwerke sind Elisabeth und Bernhard Hainz zu 95 Prozent d’accord. „Das Sammeln ist für uns ein geistiger Ausgleich zur trockenen Juristerei. Wir machen das auch sehr gern gemeinsam. Statt Golf zu spielen, gehen wir lieber in Galerien.“

Sammeln ist Scheitern - Michael Klaar

Michael Klaar(c) Julia Stix

„Zu den wichtigsten Momenten beim Sammeln gehören für mich die permanente Annäherung und Exegese der Werke und die gleichzeitige Erkenntnis, dass Ergründlichkeit nicht möglich ist“, sagt der Wiener Dirigent Michael Klaar. „Dieses Scheitern und unaufhörliche Entgleiten von Antworten machen das Sammeln für mich so spannend.“ Seit bald 25 Jahren setzt Klaar sich diesem Scheitern aus. 1986 war es, dass er während eines Besuchs bei Verwandten in Basel sein gesamtes Taschengeld zusammenkratzte, damit in der berühmten Galerie Beyeler eine Gouache von Antoni Tàpies anzahlte und so den Grundstein für seine mittlerweile 300 Werke des Minimalismus, der Konzeptkunst und neuen Malerei umfassende Kollektion legte.

Als Vorbilder dienten dem damals 13-Jährigen die Namen der Donatoren, die im Basler Kunstmuseum stets auch auf den Schildern neben den Werken standen – Spiegel einer Sammlerkultur, die er schon damals selbst leben wollte. Seitdem ist die Kunst für ihn zu einem untrennbaren und bestimmenden Bestandteil seines Lebens geworden. „Nahezu mein ganzes Geld ist in die Kunst geflossen. Schon als Kind habe ich Klavier gespielt, um das zu finanzieren“, erzählt er. Damit kaufte er Arbeiten von Judd, LeWitt, Artschwager, McCarthy, Boetti ebenso wie von den wichtigen Vertretern der neuen österreichischen Malerei – von Obholzer über Brandl, Scheibl, Bohatsch bis hin zu Plavcak – oder ganz junge postkonzeptuelle Positionen wie etwa von Jonathan Monk (im Bild) oder Aliana Eagen.

Sammeln ist Lebensstil - Myung Il Song

Myung Il Song(c) Julia Stix

Neben ihrem Schreibtisch hängen Objekte, Bilder und Fotoarbeiten verschiedenster Künstler, von Ali­ghiero e Boetti, Erwin Wurm, Muntean Rosenblum bis zu Anneliese Oberdanner, Andrea Witzmann, gelitin. Ein paar Schritte weiter spannt sich zwischen Boden und Decke ein wollene Installation von Marina Faust, einen Raum weiter stehen ein Objekt von Dominique Gonzalez-Foerster, ein Tisch von Franz Graf.

Trotz dieser Fülle von Kunstwerken sieht sich Myung Il Song nicht als typische Sammlerin. „Ich habe es nicht ge­plant zu sammeln. Ich kaufe Dinge, die mir gefallen und in denen ich etwas Besonderes sehe, weil ich sie für schön halte. Das kann ein Kleid ebenso sein wie ein Kunstwerk, ein Möbel oder auch eine Briefmarke.“ Diese Lebensphilosophie versucht die seit 1984 in Wien lebende gebürtige Südkoreanerin mit dem „Song“, einem Designtempel samt integriertem Ausstellungsraum an der Praterstraße, das sie als „mein verlängertes Wohnzimmer“ bezeichnet, umzusetzen und zu kommunizieren, mithin auch zu teilen. Die Kunst ist ein untrennbarer Bestandteil davon. Nicht mehr und nicht weniger.

TIPP

Viennafair 2010 Messe Wien, bis 9. Mai, Informationen, Rahmenprogramm: www.viennafair.at