NBA-Video: Warriors vor Vollendung der "Three-peat"-Mission

NBA: Playoffs-Golden State Warriors at Portland Trail Blazers
USA TODAY Sports

Golden State zum NBA-Finalauftakt in Toronto aber noch ohne Durant und Cousins - Schicksal der Raptors liegt in den riesigen Händen von "The Klaw" Leonard

"Three-peat" der Golden State Warriors oder Premierentitel für die Toronto Raptors? Der Sieger der in der Nacht auf Freitag (ab 3.00 MESZ/live DAZN) beginnenden "best of seven"-Finalserie der National Basketball Association (NBA) schreibt auf jeden Fall Geschichte. Die überwiegende Mehrheit der NBA-Experten ist aber überzeugt, dass die Warriors zum dritten Mal en suite Meister werden.

Es wäre der bereits vierte Titel in fünf Jahren für die "Dubs", die zum fünften Mal in Serie im Endspiel stehen und damit etwas geschafft haben, was bisher nur einem einzigen NBA-Team gelungen war: Die Boston Celtics hatten von 1957 bis 1966 sogar zehn Finali hintereinander erreicht, allerdings zu einer Zeit, als die beste Basketball-Liga der Welt gerade einmal acht bzw. neun Mannschaften umfasst hatte.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später spielen mittlerweile 30 Teams in der NBA. Die Raptors wurden erst 1995 aufgenommen und schafften es nun im 24. Jahr erstmals ins Finale, in dem sie in den ersten beiden Partien Heimvorteil haben. Und diesen sollten die "Dinos" nutzen, wollen sie die Warriors vom Thron stürzen. Denn zum Auftakt müssen die Gäste aus Oakland noch ohne ihren Ausnahmekönner Kevin Durant auskommen.

Der für Golden-State-Trainer Steve Kerr "beste Basketball-Spieler auf Erden" hatte sich am 8. Mai im fünften Match der zweiten Play-off-Runde gegen die Houston Rockets eine Wadenzerrung zugezogen. Damit schien das Ende der Warriors-Dynastie, die ihren Anfang mit dem Titelgewinn 2015 genommen hatte, besiegelt.

Doch auch ohne Durant gewann der Titelverteidiger die zum vorweggenommenen Finale hochstilisierte Serie gegen Houston mit 4:2, weil sich Stephen Curry von seiner besten Seite zeigte. "Unterschätze niemals das Herz eines Champions", schrieb NBA-Aushängeschild LeBron James auf Twitter, nachdem der Golden-State-Kapitän in Spiel sechs nach katastrophalem Beginn alle seine 33 Punkte in der zweiten Hälfte - 23 davon im Schlussviertel - erzielt und die von James Harden angeführten Rockets in den Urlaub geschickt hatte.

Im Western-Conference-Finale schloss "Chef Curry" nahtlos an diese Vorstellung an, verbuchte beim 4:0-"sweep" gegen die Portland Trail Blazers im Schnitt 36,5 Punkte pro Partie. Neben dem besten Distanzschützen der Play-off-Geschichte ragte vor allem Draymond Green mit zwei Triple-Doubles en suite aus dem starken Warriors-Kollektiv heraus. "Er spielt wie eine Abrissbirne, zerstört alles, was sich ihm in den Weg stellt", lobte Kerr jüngst seinen Defensivchef, der genauso als "Floor General" in der Offensive zu überzeugen weiß.

All-Star Klay Thompson und der bereits 35-jährige Routinier Andre Iguodala haben ebenfalls ihre Qualitäten an beiden Enden des Courts. "Sie sind eine der großartigsten Mannschaften der Geschichte", schwärmte deshalb Raptors-Coach Nick Nurse zuletzt von Golden State. "Es wird eine große Herausforderung." Auch weil neben Durant noch Top-Center DeMarcus Cousins sein Comeback im Lauf der Finalserie anpeilt. Der 28-Jährige hatte schon im zweiten Play-off-Match am 15. April einen Riss im Quadrizeps-Muskel erlitten.

Toronto muss im Duell mit diesem Superstar-Ensemble also erneut auf Heldentaten von Kawhi Leonard hoffen. Dieser war erst im vergangenen Sommer im Zuge eines Tauschgeschäfts, bei dem neben All-Star DeMar DeRozan auch Österreichs NBA-Pionier Jakob Pöltl abgegeben worden war, von den San Antonio Spurs zu den Raptors gewechselt.

In den Play-offs wurde Leonard, der aufgrund seiner riesigen Hände - 23,5 Zentimeter lang und 28,5 Zentimeter Spannweite vom Daumen bis zum kleinen Finger - den Spitznamen "The Klaw" ("Die Klaue") trägt, endgültig zur Lebensversicherung des einzigen kanadischen NBA-Clubs. Nachdem der 27-Jährige mit seinem historischen "Buzzer Beater" das siebente Spiel gegen die Philadelphia 76ers entschieden hatte, entschärfte er im Eastern-Conference-Titelkampf mit seiner starken Verteidigung auch Milwaukee-Bucks-Topstar Giannis Antetokounmpo.

"Wir stehen im Finale, und wir sind noch lange nicht fertig", lautete die erste Kampfansage von Leonard in Richtung Golden State. Denn der Zwei-Meter-Mann, der beim Titelgewinn der San Antonio Spurs im Jahr 2014 als wertvollster Spieler (MVP) der Finalserie ausgezeichnet wurde, hat mit den Warriors noch eine Rechnung offen: 2017 war Leonard im ersten Western-Conference-Finale gefoult worden und danach lange ausgefallen. Nun brennt der beste NBA-Verteidiger der Jahre 2015 und 2016 auf Revanche.