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Heiße Flecken, kalter Kaffee

Atlantis entdeckt! Oder: Mensch lebte neben Saurier! Offenbarungen wie diese füllen heute mehr denn je Zeitungsseiten und Verlagskassen. Höchste Zeit, Fiktionen von Fakten zu trennen. Hinweise eines Geologen.

Esoterik-Literatur verzeichnet beständig im Buchhandel, bei Messen und Online-Auktionen eine rege Nachfrage, insbesondere wenn es um vergangene Zivilisationen oder gar altindische Mystik geht. Der naturwissenschaftliche Aspekt steht dabei weniger im Zentrum als die für Theosophie und Okkultismus empfängliche Zielgruppe, die sich von esoterisch-mystischen Gedankengängen und fantastischen Geschichten einer großen Zahl von Autoren angezogen und angesprochen fühlt.

Internet-Suchmaschinen bestätigen diese Beobachtung: Google listet rund 24 Millionen Hits für das versunkene Atlantis auf und 900.000 für das ebenfalls fiktive Lemuria. Der Maya-Kalender, der das Ende der Welt für den 21. Dezember 2012 prophezeit, weist rund 80.000 Hits auf. Angeblich wird damit ein längst fälliger Reinigungsprozess auf der Erde eingeleitet . . .

Die etablierte Wissenschaft steht bei den dafür vorgebrachten „Beweisstücken“ vor großen Problemen, aber auch vor einer großen Herausforderung, gegen falsche Weltbilder anzukämpfen, auf Irrtümer hinzuweisen und diese als Pseudowissenschaft zu entlarven. Folgt man Christina Wessely in ihren Ausführungen zum FWF-Projekt „Wissenschaft auf Abwegen“, so zeigt sich an Beispielen wie Atlantis und Lemuria, aber auch der Welteislehre „ganz klar, wie die Grenzen zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaften verschwimmen können. Die Geschichte der modernen Wissenschaft ist immer auch die Geschichte fantastischer Projekte und spektakulärer Irrtümer.“

In Bezug auf Atlantis sind die Protagonisten dieser Entwicklung vor allem Platon, das amerikanische Trance-Medium Edgar Cayce (der „schlafende Prophet“), der russische Chemiker Nikola Zhirov, der Augenarzt Ernst Muldashev und schließlich die Österreicher Edith und Alexander Tollmann. Die mystische Seite wird hingegen durch den Anthroposophen Rudolf Steiner, die deutsch-russische Okkultistin Helena Petrowna Blavatsky, vor allem aber durch das Mysterienwissen der altindischen (vedischen) Hochkultur mit ihren Sanskrit-Schriften abgedeckt. Sie bildeten nicht nur die Grundlage für die „Geheimlehre“ von Frau Blavatsky mit ihren sieben Menschheitsepochen, sondern verweisen auch auf einen angeblich den Indischen Ozean ausfüllenden Kontinent Lemuria und einen im Pazifik versunkenen Riesenkontinent aus Basaltgesteinen, der als Rutas Mu bezeichnet wird. Diese Quellen überzeugten eine Reihe von Autoren, dass die Menschheitsge-schichte neu zu schreiben sei und dass Mensch und Saurier Zeitgenossen waren.

Neben dem Untergang von Atlantis, verursacht durch einen todbringenden Tsunami, ausgelöst durch den Einschlag eines „Himmelsvagabunden“ vor rund 12.000 Jahren, sorgt der Bau der Pyramiden in Ägypten seit je für Rätsel. Levitation, die Beherrschung der Schwerkraft durch Anti-Gravitationstechniken, heißt hier das Zauberwort, mit dem orthodoxen Ägyptologen die Errichtung der Pyramiden von Gizeh, ja die weltweite Megalithkultur erklärt wird. Der Weisheit der Atlanter und kosmischer Energie-Übertragung mittels besonders präparierter Kristalle sei es zu verdanken, dass riesige Gesteinsblöcke zuerst dematerialisiert und anschließend vor Ort wieder materialisieren werden konnten. Das alles soll zwischen 10.490 und 10.390 Jahren vor der Zeitenwende geschehen sein, natürlich unter Zuhilfenahme von Atomkraft, landgebundenen Fahrzeugen, Schiffen, U-Booten, Elektrizität und so weiter und so fort.

Esoteriker erklären aber auch den linearen Zeitverlauf des Wissenschaftsdenkens mitunter für falsch. Der geologischen Zeitrechnung werden die spirituelle Auffassung von „Zeitablauf“ gegenübergestellt und der Darwinismus oder die Konstanz des zeitlichen Ablaufs radioaktiven Zerfalls geleugnet. Als willkommenes Instrument zur Untermauerung ihrer Thesen erweist sich die Plattentektonik, mit deren Hilfe Kontinente verschoben und, wenn nötig, zum Verschwinden gebracht werden können. Lassen sich solche Annahmen und Vermutungen mit Fakten bestätigen, die den heutigen Stand der geowissenschaftlichen Forschung reflektieren – oder können sie mit stichhaltigen, überprüfbaren Beobachtungen und Fakten widerlegt werden?


Lemuria, der versunkene Kontinent im Indischen Ozean. Im ausgehenden Erdaltertum und zu Beginn des Erdmittelalters existierte zwischen den Großkontinenten Gondwana auf der Süderde und Laurasia auf der Norderde tatsächlich ein langgezogener Krustenstreifen, der im geologischen Schrifttum als „Cimmeria-Superterrane“ bezeichnet wird. Dieses Bruchstück löste sich vermutlich in der jüngeren Perm-Zeit (vor mehr als 250 Millionen Jahren) unter Öffnung des Neotethys-Ozeans vom Nordrand Indiens und damit Gondwanas ab und begann, nach Norden gegen Laurasien zu driften. Die Wanderung resultierte in der Schließung der Palaeotethys im Norden und der Kollision mit dem Südrand von Eurasien im Jura zwischen 190 und 160 Millionen Jahren. Erst rund 100 Millionen Jahre später, in der Oberkreide, begann sich die indische Kontinentalplatte mit bis zu zehn Zentimetern pro Jahr nach Norden zu bewegen. Dies hatte die Subduktion schwerer ozeanischer Kruste unter Eurasien zur Folge und die Bildung des asiatischen Teils der alpinen Gebirgskette ab der späten Kreidezeit bis ins Neogen.

Seit dem ersten Andocken an Eurasien ist der Nordschub Indiens nicht zum Stillstand gekommen sondern hält mit Bewegungsraten zwischen 1,7 und 2 Zentimetern pro Jahr an. Die kontinentale Kruste Indiens und Nord- und Südtibets sowie die ehemaligen Mikrokontinente von Cimmeria mit ihren Sedimenten wurden und werden dabei gefaltet und gestaucht, in Decken übereinandergeschoben, gehoben oder subduziert. Ein Teil dieses in alpidischer Zeit entstandenen Gebirges ist der Himalaya.

Der Einsatz modernster seismologischer Untersuchungsmethoden hat in jüngster Zeit ergeben, dass die indische Lithosphärenplatte vom Ganges-Becken im Süden bis zum 31. Breitengrad im Norden unter den Lhasa-Block von Tibet reicht. Das sind immerhin rund 450 Kilometer Süd-Nord-Erstreckung. Die Unterschiebung unter Eurasien soll innerhalb von 20 und 25 Millionen Jahren erfolgt sein. Das Schicksal der Indischen Platte vor dieser Zeit ist unter Geophysikern und Geologen umstritten. Hingegen zeichnen sich nach dem derzeitigen Stand der geophysikalischen und geologischen Forschung im Himalaya und in Tibet keinerlei Hinweise auf kontinentale Krustenfragmente im Untergrund ab, die die Annahme der Existenz eines von Anthroposophen postulierten Urkontinents Lemuria in der doppelten Größe der Indischen Platte rechtfertigen würden.


Entstehung des Mondes.
Im Zusammenhang mit der Entstehung des Pazifik wird häufig die irrige Meinung vorgebracht, dass der Mond vor undenklichen Zeiten aus dem Pazifik herausgerissen worden sei und dabei eine Narbe im Antlitz der Erde hinterlassen habe. Wissenschaftliche Fachartikel vermitteln allerdings ein anderes Bild. Tatsächlich wird die Entstehung des Mondes seit Jahrhunderten diskutiert. Neben der Abspaltungstheorie gab es die Einfangtheorie, die Schwesternplanet-Theorie, die Öpik-Theorie, die Viele-Monde-Theorie und zuletzt die Kollisionstheorie („Giant Impact“). Diese Hypothese hat sich seit Mitte der 1980er-Jahre durchgesetzt. Danach hat die Proto-Erde ein etwa Mars-großer Körper, Theia genannt, gestreift. Ein großer Teil der vom Impaktor getroffenen Materie beider Körper wurde dabei in den Orbit geschleudert, um sich in einer Umlaufbahn um die Erde allmählich zum Mond zu verdichten.

Diese Theorie ist nicht nur physikalisch möglich, sondern stimmt auch mit den Eigenschaften des Mondes und des Erde-Mond-Systems überein. Den endgültigen Durchbruch gab es 1984, als anlässlich einer Konferenz erste isotopengeologische Ergebnisse von Mondgesteinen präsentiert wurden, die denen von irdischem Gestein gleichen.

Dazu kommt, dass vor wenigen Jahren das Alter des Mondes durch eine radiometrische Datierung verschiedener Laboratorien mittels Wolfram-182-Isotope auf 4,527 Milliarden Jahre bestimmt werden konnte, also seine Bildung tatsächlich nur rund 30 bis 50 Millionen Jahre nach der Akkretionsphase der Erde stattgefunden hat.


Saurier-Mensch-Beziehung.
Eine der Segnungen des Internet ist es, rasch Informationen über verschiedene Wissensgebiete zu gewinnen und gelegentlich auch Detailergebnisse abfragen zu können. Damit wird unter anderem die irrige Aussage der Esoterik und Anthroposophie über eine Koexistenz von Mensch und Sauriern auf der Erde widerlegt. Sie betreffen etwa die angeblich menschlichen Paluxy-River-Fußabdrücke neben Saurierfährten in Ablagerungen der älteren Kreide-Zeit im Süden von Texas, die Tonfiguren von Acámbaro in Mexiko mit Plastiken von Menschen zusammen mit Dinosauriern oder die Steine von Ica in Peru, die gerne als „Anti-Evolutions-Beweise“ präsentiert werden.

In einem Diskussionsbeitrag berichteten bereits im Jahre 1986 Siegfried Scherer und Richard Wiskin ausführlich über „,Menschliche‘ Fußabdrücke in der Kreide: Ein Lehrstück für die Schöpfungsforschung“ und bedauerten die Missinterpretation. Die ehemals für menschlich gehaltenen Abdrücke stammen eindeutig von dreizehigen Sauriern, deren Trittsiegel durch Schlammbewegung zu einer länglichen (menschenähnlichen) Spur verwischt wurde. Langsame Erosion der Abdrücke und Verfärbungen im Gestein brachten allerdings die wahren Fährten ans „Tageslicht“, die eindeutig Sauriern zuzuordnen sind. Mittlerweile lehnen auch diejenigen, die früher von der Echtheit der menschlichen Fußspuren neben Dinosaurierspuren überzeugt waren, diese Deutung ausdrücklich ab.

Bei den Acámbaro-Figuren handelt es sich um mehr als 30.000 Keramikfiguren, die 1944 von Waldemar Julsrud, einem deutschen Immigranten, in Acámbaro in Mexiko gefunden wurden. Sie zeigen Plastiken von Menschen zusammen mit Dinosauriern bis hin zu Gestalten, die es im alten Ägypten gab, bei den Sumerern und sogar bärtige Kaukasier. Detaillierte Untersuchungen durch den US-Archäologen Charles C. Di Pesco, publiziert in der angesehenen Zeitschrift „American Antiquity“, brachten allerdings den Schwindel ans Tageslicht, ohne in den ersten Jahren auf Anerkennung zu stoßen. Zwar zeigten die bisherigen Thermolumineszenz-Datierungen nicht das gewünschte Ergebnis, doch besteht kein Zweifel, dass es sich bei den Figuren um raffinierte Fälschungen handelt.

Diese Vermutung hat sich auch für die Steine von Ica bestätigt, eine Sammlung von mit Gravuren versehenen Steinen aus Andesit, die angeblich ab 1961 in einer Höhle nahe der peruanischen Stadt Ica gefunden wurden. Auf ihnen sind unter anderem Dinosaurier und fortgeschrittene Technologien abgebildet (so „Wikipedia“). 1998 kam der spanische Forscher Vicente Paris nach vierjähriger Analyse zu dem Schluss, dass es sich bei den Steinen um Fälschungen handelt. Unter den Beweisen waren Mikrofotografie-Aufnahmen der Steine, die Spuren von moderner Farbe und Poliermittel aufwiesen. Als stärkstes Argument jedoch galt jenes der guten Erhaltung der flachen Gravuren, da Steine mit Gravuren großen Alters erheblich stärkere Abnutzung aufweisen sollten.

In der 1977 ausgestrahlten BBC-Dokumentation „Pathway to Gods“, wurde gezeigt, wie ein Indígena namens Basilio Uschuya mittels eines Zahnarztbohrers einen authentischen Stein herstellt. Darüber hinaus behauptete Uschuya, er würde die Steine mit Patina überziehen, indem er sie in Kuhdung bäckt.

1996 wurde eine weitere skeptisch analysierende BBC-Dokumentation gezeigt. Die neuerliche Aufmerksamkeit führte zu einer Verhaftung Uschuyas durch die peruanischen Behörden, da es verboten ist, archäologische Funde zu verkaufen. Er bestätigte dem Gericht, dass die Steine Fälschungen seien, die er gemeinsam mit seiner Frau herstelle.


Atlantis und Azoren.
Atlantis ist eine mythische Insel, die Platon als erster erwähnte und beschrieb. Nach ihm waren die Atlanter eine Seemacht, die von ihrem „jenseits der Säulen des Herakles“ gelegenen Inselreich große Gebiete Europas und Nordafrikas eroberten. Um 9600 vor Christus sei Atlantis plötzlich in einer Naturkatastrophe untergegangen.

Der Hintergrund dieser Geschichte ist allerdings umstritten. Althistoriker und Philologen gehen überwiegend von einer Fiktion Platons aus, andere vermuten einen wahren Kern. Dementsprechend gab und gibt es unzählige Versuche, Atlantis zu lokalisieren. Während früher Atlantis auf Helgoland, Santorin, Kreta und den Kanarischen Inseln vermutet wurde, wird neuerdings ein Bezug zu Troja und der Flutung des Schwarzen Meeres angenommen.

In der Esoterik und im Okkultismus wurde die Geschichte von Atlantis wiederholt behandelt, ebenso in der Theosophie, Anthroposophie und Ariosophie, in denen die Atlantier als Vertreter der vierten Menschheitsepoche angesehen wurden.

Neuerdings wird wieder die Meinung vertreten, dass die Azoren die über den Meeresspiegel herausragenden Reste von Atlantis seien. Allerdings fehlen Artefakte als Beweise. Mit überzeugenden geologischen Argumenten wandte sich Zdenek Kukal, ehemals Direktor des Geologischen Dienstes aus Prag, gegen das einstige Bestehen von Atlantis und die damit zusammenhängenden Untergangstheorien. Andere wiederum hielten daran fest, mussten jedoch heftige Kritik von Experten hinnehmen. Insbesondere wurde die für den Untergang von Atlantis vorgebrachte These eines sogenannten „Sintflut-Impakts“ vor rund 13.000 Jahren als Unsinn entlarvt.

Und die geologischen Tatsachen zur Inselgruppe der Azoren?

Wie Wolfgang Frisch und Martin Meschede 2007 im Standardwerk „Plattentektonik“ schreiben, bilden die Azoren eine bis über den Meeresspiegel herausragende Vulkangruppe nahe am Azoren-Triplepunkt, an dem die Transformstörung, die die Plattengrenze zwischen Eurasien und Afrika markiert, vom Mittelatlantischen Rücken in östlicher Richtung abzweigt. Lange Zeit galten die Azoren als „Heißer Fleck“ (Hot Spot), an dem ein heißer Mantelstrom aus der Tiefe für verstärkten basaltischen Magmatismus sorgt. Detaillierte petrografisch-chemische Untersuchungen an Peridotiten zeigen aber, dass der Mantel unmittelbar unter den Azoren nicht heißer, sondern eher kühler ist als in anderen Abschnitten des Mittelatlantischen Rückens.

Die Erklärung liegt darin, dass die Basalte der Azoren drei- bis viermal so viel Wasser wie normale Basalte von mittelozeanischen Rücken enthalten, was auf eine „nasse“ Schmelzregion schließen lässt. Damit geht die reiche Produktion basaltischer Schmelzen des Azoren-Triplepunkts weder auf einen „Heißen“ noch auf einen „Kalten Fleck“ zurück. Das kritische Merkmal ist vielmehr der hohe Gehalt an Fluiden in den Mantelgesteinen, der den Schmelzpunkt des Peridotits erniedrigt, so dass bei Temperaturen zwischen 1000 und 1100 Grad Celsius große Mengen basaltischer Schmelzen entstehen, was sonst nur bei höheren Temperaturen möglich ist.

Was haben diese Ausführungen mit Atlantis zu tun? Die Antwort: Angenommen, die Azoren wären tatsächlich mit dem ehemaligen Atlantis identisch, würde die hohe Produktionsrate von basaltischen Schmelzen gegen ein versunkenes Basaltplateau sprechen, das aber von einzelnen Proponenten der Atlantis-Theorie wie Alexander und Edith Tollmann, Otto Muck und Heinrich Kruparz unterstellt wird. Die Azoren bildeten vielmehr über lange Zeit eine Hochzone nahe dem Mittelatlantischen Rücken, die aufgrund von fossilführenden Kalken auf einer der Inseln, Santa Maria, mindestens seit dem Miozän bestand.

Pazifika und Mutas Ru.Im Pazifik soll es in fernster Vergangenheit eine größere Landmasse gegeben haben, die bewohnt war – hauptsächlich von den Urahnen der heutigen Polynesier. Fantasievolle Lebensbilder verschiedener Autoren versuchen, diese Annahme zu stützen. Die von Mythen befreite geologische Wirklichkeit ist prosaischer Natur: Tatsächlich besteht der Ozeanboden, jüngst infolge devastierender Erdbeben in die Medien gerückt, aus einer nur wenige Kilometer dicken ozeanischen Kruste. Die wichtigsten Methoden, ihr Alter und ihre relativen Plattengeschwindigkeiten zu berechnen, basieren auf dem magnetischen Streifenmuster zu beiden Seiten von mittelozeanischen Rücken und auf Vulkanketten, die über Hot Spots auf der darüber hinweggleitenden Platte gebildet werden. Die Breite des Streifens entspricht der Bildung ozeanischer Kruste in einem bestimmten Zeitabschnitt. Das Alter ergibt sich aus dem Vergleich mit der datierten magnetischen Zeitskala oder aus Fossilien in den dem Ozeanboden aufliegenden Sedimenten. Danach befindet sich die älteste ozeanische Kruste im nordwestlichen Pazifik und hat ein Alter von rund 185 Millionen Jahren, das heißt, sie entstand in der späten Unterjura-Zeit. Die jüngsten Teile stammen hingegen aus dem Neogen (Jungtertiär) oder werden heute am Ostpazifischen Rücken gebildet. Die mit Hilfe von GPS-Messungen ermittelten Plattengeschwindigkeiten betragen im Pazifik zwischen 13 Millimetern und 16 Zentimetern pro Jahr. Da sich das Ozeanbecken jedoch nicht signifikant erweitert, muss die neu gebildete Kruste wieder „verschwinden“. Das erfolgt an Subduktionszonen, im Pazifik bekannt als „Zirkumpazifischer Feuerring“.

Dem Alter des Ozeanbodens entsprechend, liegen auf diesem unterschiedlich mächtige Sedimentpakete von weniger als 200 Metern im Ostpazifik, 500 bis 1000 Metern im Zentral- und Südwestpazifik und lokal über 2000 Metern im Nordwestpazifik. Hier bilden sich heute hauptsächlich kieselige Sedimente und roter Tiefseeton; kalkige Sedimente dominieren hingegen den Süd- und Westpazifik. Auf der Erde ist der überwiegende Teil der Vulkane an mittelozeanische Rücken und Subduktionszonen gebunden. Heute kennt man rund 50 bedeutende Hot Spots, die auf Kontinente und Ozeane verteilt sind, rund 15 solcher Heißer Flecken liegen im Pazifik. Zu diesen Heißen Flecken kommen im Pazifik mehrere 1000 Kilometer lange untermeerische Vulkanketten und bis zu mehrere Kilometer dicke Basaltdecken, die ausgedehnte Plateaus bilden und sich bis zu 3000 Meter über den Tiefseeboden erheben. Das größte Plateau im Westpazifik ist das Ontong-Java-Plateau mit einer Ausdehnung von rund 2 Millionen Quadratkilometern. Nach Larsson entstand dieses Basaltplateau in der mittleren Kreide-Zeit im Zuge erhöhter weltweiter magmatischer Aktivität. Dieses Ereignis wird als Superdiapir-Periode bezeichnet und betraf vor allem den pazifischen Raum durch enorme Zuwächse von Basaltgesteinen. Dies führte dazu, dass sich das Fassungsvermögen des Ozeanbeckens verringerte und der Meeresspiegel bis zu 250 Meter anstieg. Dementsprechend verschoben sich die Küstenlinien und vergrößerten sich die Schelfe.

Die rasche Zunahme ozeanischer Kruste in der Kreide-Zeit musste durch verstärkte Abfuhr von Ozeanboden in den Subduktionszonen ausgeglichen werden. Dies erzeugte subduktionsgebundene Magmatite in den Randgebieten des Pazifik. Solche finden sich etwa in den Kernen der Anden und den Kordilleren Nordamerikas in Form mächtiger Tief- und Ergussgesteine.

Über den Ablauf der Besiedlung Ozeaniens gibt es mehrere Theorien. Seit den 1990er-Jahren werden DNA-Analysetechniken zu populationsgenetischen Untersuchungen eingesetzt. So konnten Elizabeth Matisso-Smith und Judith Robins erstmals in einer vergleichenden Studie über verschiedene mitochondriale DNA-Sequenzen von Ratten die Migration auf den Südsee-Inseln Polynesiens nachweisen. Danach hätten die Ahnen der Polynesier vor rund 3500 Jahren auf ihrer Kolonialisierung von Indonesien aus auch Ratten für die Nahrung mitgenommen. Da die nicht von Insel zu Insel schwimmen konnten, ist ihre Verbreitung ausschließlich durch den Menschen erfolgt. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass es drei geografisch differenzierte Spezies gibt, und widersprechen den bisherigen Vermutungen über die rasche Ausbreitung der Lapita von Südostasien nach Ozeanien ohne Kontakte zu den anderen indigenen Völkern. Vielmehr waren die Migrationswege der Lapita viel komplexer, als bisher angenommen, und auch eine Interaktion mit anderen Bewohnern wird für wahrscheinlich gehalten.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Yoshan Moodley et al. nach der Untersuchung von Darmbakterien (Helicobacter pylori) von Nachfahren der Urbevölkerung aus Taiwan, Australien, Melanesien, Polynesien und Neuguinea. Danach kam es zu einer ersten Migrationswelle vor 31.000 bis 37.000 Jahren von Südostasien mit dem Ziel Neuguinea und Australien, während eine zweite Kolonialisierung von Taiwan vor rund 5000 Jahren über die Philippinen erfolgte und es anschließend zu Besiedlung von Melanesien und Polynesien kam.

Linguistische, archäologische, anthropologische und molekulargenetische Untersuchungen der lokalen Bewohner stützen die Annahme einer sehr differenzierten Geschichte der Besiedlung im Pazifik. Die nüchterne geologische Wirklichkeit, ergänzt durch moderne populationsgenetische Erkenntnisse, gibt also ein völlig anderes Bild der geologischen Entwicklung und Besiedlung von Ozeanien als die „Fantasy“-Darstellung der Esoterik-Literatur. ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2010)