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Alexander Schallenberg: Vom Souffleurkasten ins außenpolitische Rampenlicht

(c) HYPO NOE / Foto: Michaela Bruckb (Michaela Bruckberger)
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Als Stichwortgeber und Stratege prägt der Karrierediplomat Alexander Schallenberg Österreichs Außenpolitik seit mehr als einem Jahrzehnt mit. Nun steht der Vertraute von Sebastian Kurz als Außenminister erstmals selbst in der ersten Reihe.

Jahrelang hielt sich Alexander Schallenberg im Souffleurkasten der Macht auf, nun tritt er zumindest für ein paar Monate selbst ans Rampenlicht. Der 49jährige Karrierediplomat soll in der Expertenregierung von Brigitte Bierlein das Amt des Außen- und Europaministers übernehmen. Damit führt er in seiner Person wieder zusammen, was unter seinem Mitwirken in der türkis-blauen Regierung getrennt war. Ex-Regierungschef Sebastian Kurz hatte die EU-Agenden aus dem Außenministerium herausgelöst und samt Sektionschef Schallenberg ins Kanzleramt mitgenommen. Schallenberg war damals auf Seiten der ÖVP auch federführend den Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ über internationale Angelegenheiten beteiligt gewesen; ihm gegenüber saß übrigens unter anderen Karin Kneissl, die er nun als Ministerin ablöst. Der Jurist gehört keiner Partei an, ihn verbindet jedoch ein Vertrauensverhältnis zu Sebastian Kurz. Er zählt zu dessen wichtigsten Beratern, erst als Leiter der Stabstelle Strategie im Außenministerium, zuletzt dann als Chef der Europasektion im Kanzleramt.

Die Diplomatie liegt ihm im Blut. Schon sein Vater war Botschafter und Generalsekretär des Außenministeriums. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Alexander Schallenberg zwischen New Delhi, Paris, Madrid und Wien. Nach Studien der Rechtswissenschaften und am Europakolleg trat er schließlich selbst in den diplomatischen Dienst. Sein erster Auslandsposten führte ihn nach Brüssel, wo er das Fundament für seine EU-Expertise legte.  Von dort holte ihn Außenministerin Ursula Plassnik 2005 als Pressesprecher an ihre Seite. Diese Funktion behielt Schallenberg auch unter Michael Spindelegger bei und stieg zum stellvertretenden Kabinettschef auf; er galt damals schon als heimlicher Außenminister. Später diente der Spross aus altem österreichischen Adelsgeschlecht auch Sebastian Kurz als außenpolitischer Consigliere.

Seit mehr als einem Jahrzehnt prägt Schallenberg Österreichs Außenpolitik wesentlich mit – als pointierter Stichwortgeber, Analytiker, Stratege mit einem für Beamte ungewöhnlichen Kommunikationstalent. Er kann auf ein dichtes Netzwerk zurückgreifen, sowohl in Österreich als auch in Europas Hauptstädten. Er weiß aus dem Effeff, wie Diplomatie und Politik funktionieren – hinter den Kulissen und auf offener Bühne. Eines jedoch muss Alexander Schallenberg jetzt erst lernen: wie es ist, in der ersten Reihe zu stehen.