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Berlusconi-Firma kauft zu

Mediaset-Chef ist Pier Silvio Berlusconi, Sohn von Silvio Berlusconi.
Mediaset-Chef ist Pier Silvio Berlusconi, Sohn von Silvio Berlusconi.REUTERS

Berlusconis Konzern Mediaset ist bei ProSiebenSat.1 eingestiegen. Das verschaffte der Aktie aber nur kurz Erholung.

Mailand/Unterföhring. Der italienische Medienkonzern Mediaset steigt bei der deutschen Fernsehsender-Gruppe ProSiebenSat.1 ein, zu der auch die österreichischen Fernsehsender Puls 4 und ATV gehören. Der Berlusconi-Konzern teilte am Mittwoch mit, man habe eine Beteiligung von 9,6 Prozent an ProSiebenSat.1 gekauft. Das Aktienpaket war zum Schlusskurs vom Dienstag rund 330 Millionen Euro wert.

„Der freundliche Erwerb einer Beteiligung an ProSiebenSat.1 ist eine langfristige Entscheidung“, sagte Mediaset-Chef Pier Silvio Berlusconi, Sohn von Ex-Premier und Firmengründer Silvio Berlusconi. „Mediaset ist stolz, in die Zukunft des frei empfangbaren Fernsehens in Europa zu investieren.“

 

Konkurrenz für Netflix?

Der Einstieg ließ die zuletzt gebeutelten Aktien von ProSiebenSat.1 am Mittwoch nach oben schnellen, am Donnerstag gaben sie wieder nach. Seit vier Jahren befindet sich die Aktie angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Video-Streaming-Unternehmen wie Netflix in einem Abwärtstrend. Doch nun hat ProSiebenSat.1 selbst eine Onlineplattform angekündigt.

Mediaset schätze die Führungsmannschaft von ProSiebenSat.1, betonte Berlusconi. Das Unternehmen aus Unterföhring bei München wird seit dem vergangenen Jahr von Max Conze geführt, der vorher den Staubsaugerhersteller Dyson geführt hatte. Gerüchte über ein Zusammengehen von Mediaset und ProSiebenSat.1 gibt es schon länger. Fusionsgespräche haben beide Seiten aber dementiert. Conze erklärte, er sehe keine industrielle Logik in einem solchen Schritt. Sein Stellvertreter Conrad Albert wurde noch deutlicher: „Wenn ich auf die harten Fakten schaue und mir die Bilanz von Mediaset anschaue, weiß ich, dass eine Übernahme völlig illusorisch ist.“

Der den italienischen Fernsehmarkt dominierende Mediaset-Konzern trug in den 1990er-Jahren wesentlich zum politischen Aufstieg von Silvio Berlusconi bei, der mehrmals italienischer Ministerpräsident war. Bei der Parlamentswahl im Vorjahr erlitt seine konservative Partei Forza Italia aber einen Rückschlag und musste die Führung im Lager der Rechtsparteien an die populistische Lega von Matteo Salvini abgeben, die am Sonntag bei der Europawahl mit einem Drittel der Stimmen stärkste Kraft im Land wurde. Berlusconi zieht nun ins Europaparlament in Straßburg ein. (DPA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2019)

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