Eine Abschlussarbeit ist in jedem Studium vorgesehen. Anforderungen und Bedingungen sind jedoch höchst unterschiedlich.
Das Studienende naht – und damit eine große Herausforderung: die Masterthesis. Ein Begriff, der viel bedeuten kann: praxisnahe Problemlösung, philosophische Betrachtung, Kunstprojektbeschreibung oder Forschungsbericht. Dennoch haben alle nicht nur den Namen gemein, sondern auch gewisse, auf jeden Fall hohe Anforderungen.
Praxis plus Wissenschaft
Bei Postgraduate-Studierenden heißt es bei der Masterthesis meist nicht nur, ihr wissenschaftliches Arbeiten unter Beweis zu stellen, sondern auch gleich die Lösung für das unternehmerische Problem zu präsentieren, das sie zu genau diesem Zweck mit ins Studium genommen haben. Kein Wunder, dass die Betreuung dieser Studierenden im Vergleich zu Uni-Studierenden meist intensiver ausfällt, „da manche Teilnehmer direkt aus der Berufspraxis und ohne wissenschaftstheoretische Vorkenntnisse einsteigen. Darum organisieren wir bereits ein Jahr vor der Masterarbeit spezielle Seminare und stellen genaue Zeitpläne für die Abwicklung auf“, informiert Peter Baumgartner, Leiter des Departments für Interaktive Medien an der Donau-Universität Krems.
Die Masterarbeiten der Weiterbildungsstudiengänge seien zudem meist im Themenspektrum stärker praxisbezogen und weniger philosophisch oder erkenntnistheoretisch geprägt als jene Arbeiten, die am Ende eines konsekutiven Masterstudiums stünden. „Trotzdem muss die Qualität der Arbeit dem Vergleich einer Masterthesis im Regulärstudium standhalten“, fordert Baumgartner ein.
Anforderungskatalog
„Als eine Art europäischer Qualifikationsrahmen stehen die Dublin Descriptors der European University Association zur Verfügung. Darin wird das Masterniveau beschrieben“, berichtet Elisabeth Westphal, Referentin bei der Österreichischen Universitätskonferenz. Beispielsweise soll eine Masterarbeit über die Problemlösungsfähigkeit des Studenten in neuen Zusammenhängen Aufschluss geben. „Die Anwendung wissenschaftlicher Methoden und der adäquate Umgang mit kompaktem Datenmaterial sollen eine Arbeit nach den formalen Kriterien mit erkennbar rotem Faden ergeben“, erläutert Westphal. Martin Polaschek, Vizerektor für Studium und Lehre an der Uni Graz, ergänzt: „In einer Masterarbeit sollten originäre Ideen entwickelt und angewendet werden.“
Arbeitsreiche Sommerzeit
An den Fachhochschulen entstehen Masterarbeiten oftmals in Zusammenarbeit mit Betrieben. „Dabei kann der Aufwand für den Studenten zusätzlich steigen, oder der Abschluss der Arbeit gelingt nicht wie vorgesehen mit Ende des vierten Semesters– dann müssen die Sommermonate dafür aufgewendet werden“, weiß Karl Peter Pfeiffer, Rektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer der Fachhochschule Joanneum. Und wenn die Qualität der laufenden Arbeit nicht den Vorstellungen des Betreuers entspricht, kann die Masterthesis ebenso etwas mehr Zeit beanspruchen, fügt Pfeiffer hinzu.
Eines der häufigsten Probleme von Uni-Studenten im Zuge ihrer Master- oder Diplomarbeit – das fehlende oder ungeübte Zeitmanagement – ist bei postgradualen Arbeiten durch die umfassende Betreuung weniger präsent. Mittels Betreuungsvereinbarungen zwischen Lehrenden und Studierenden will man auch für Uni-Studierende bessere Bedingungen schaffen. An der Uni Graz etwa werden Arbeitsschritte und Termine vereinbart, die der Student einhalten soll.
Freiheit für die Gedanken
Trotzdem sind die Anforderungen in den Fachbereichen höchst unterschiedlich, veranschaulicht Pfeiffer: „Im Studiengang Industrial Design etwa steht die künstlerische Gestaltung im Blickpunkt. Die schriftliche Arbeit ist mehr eine Beschreibung des abgelieferten Werkes. Hingegen sollen Techniker Messverfahren in ihre Masterthesis integrieren und Informatiker etwa Datenbanksysteme implementieren.“
Allerdings gebe es innerhalb der jeweiligen wissenschaftlichen Fakultäten eine gewisse Vergleichbarkeit der Anforderungskriterien, ist sich Polaschek sicher. Und vor der gemeinsten Thesis-Verhinderung, der Schreibblockade, ist sowieso niemand sicher. Hier hilft in leichteren Fällen der Vorsatz, einfach mal daraufloszuschreiben und erst am nächsten Tag zu korrigieren, in schwereren Varianten helfen Kurse, Seminare oder Coaching.
Bewertet werden die Masterabschlüsse anhand der bekannten ECTS-Punkte (European Credit Transfer System). „Ein Masterabschluss mit 120 ECTS, der auf einen Bachelor mit 180 ECTS aufbaut, ergibt in Summe 300 ECTS und befähigt damit zum Doktoratsstudium“, informiert Baumgartner. Einige Weiterbildungsmaster liegen allerdings weit unter dieser Punkteanzahl, weshalb die Masterthesis dieser Absolventen nicht als gleichwertig mit 120 ECTS-Masterabschlüssen von Fachhochschulen oder Universitäten gelten kann.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2010)