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Kabinett Bierlein: Wer die neuen Minister sind

Erste Bundeskanzlerin: Brigitte Bierlein
Erste Bundeskanzlerin: Brigitte BierleinREUTERS

Die erste Bundeskanzlerin der Zweiten Republik holt vor allem Sektionschefs in ihre Regierung. Politisch ist ihr Kabinett ausgewogen – vertreten sind Vertrauensleute von ÖVP, SPÖ und FPÖ.

Auch am Samstag ist die hektische Suche nach der neuen Expertenregierung weiter gegangen. Die designierte Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Bundespräsident Alexander Van der Bellen suchten – unter Einbindung der drei großen Parteien ÖVP, SPÖ und FPÖ – in erster Linie unter den Spitzenbeamten der einzelnen Ministerien nach den künftigen Ressortchefs, die der Interimsregierung angehören werden. Dabei dürfte auch auf eine parteipolitische Ausgewogenheit Wert gelegt worden sein. Die „Presse am Sonntag“ hat in Erfahrung bringen können, wer die einzelnen Minister sind.

Eduard Müller, Finanzminister

Finanzminister: EDUARD MÜLLER.
Finanzminister: EDUARD MÜLLER.APA/HANS KLAUS TECHT

Er hat schon jetzt eine zentrale Funktion im Finanzministerium: Eduard Müller ist Leiter der Sektion eins, das ist die Präsidialsektion im Finanzministerium. Diese ist für das Personalmanagement verantwortlich und hat die zentrale Koordinierungsverantwortung für den Resourceneinsatz im Ressort. Müller ist vom früheren Finanzminister Hans Jörg Schelling in diese Funktion berufen worden – und zwar auf etwas ungewöhnlichem Weg: Unter Finanzministerin Maria Fekter war Müller, damals stellvertretender Leiter der Sektion vier, angeblich im Groll aus dem Ministerium in die Privatwirtschaft geflüchtet und Geschäftsführer des Linde-Verlags geworden. Schelling gelang es, ihn zurückzuholen, obwohl er als Beamter weniger verdiente als in der Privatwirtschaft.

Brigitte Zarfl, Sozialministerin

Sozialministerin: BRIGITTE ZARFL.
Sozialministerin: BRIGITTE ZARFL.Sozialministerium

Auch sie ist Leiterin der Präsidialsektion, in diesem Fall des Sozialministeriums. Die Bestellung von Zarfl als Sozialministerin ist ein Signal an die SPÖ. Die studierte Naturwissenschafterin leitete im Sozialressort die Gruppe EU, Internationales, Senioren und Freiwillige, ehe sie 2015 vom damaligen Sozialminister Rudolf Hundstorfer zur Sektionschefin bestellt wurde. Hundstorfer bezeichnete damals die Bestellung der Mutter zweier Töchter als klares Signal für Frauen in Führungspositionen.

Ines Stilling, Familie und Frauen

Familienministerin: INES STILLING.
Familienministerin: INES STILLING.Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Ines Stilling, eine Juristin aus Graz, hat im Frauenministerium Karriere gemacht. Sie war im Büro von Frauenministerin Doris Bures, bei deren Nachfolgerin Gabriele Heinisch Hosek stieg sie zur Büroleiterin auf. 2012 macht Heinisch Hosek sie zur Leiterin der Sektion zwei (Frauenangelegenheiten und Gleichstellung) im Bundeskanzleramt. Diese Funktion behielt sie auch nach dem Regierungswechsel 2017 unter Bundeskanzler Sebastian Kurz. Stilling ist eine Verfechterin des Gender Mainstreaming und des „Gender Budgeting“ in den Ministerien. Sie gilt als pragmatische Linke.

Elisabeth Udolf-Strobl, Wirtschaftsministerin

Wirtschaftsministerin: ELISABETH UDOLF-STROBL.
Wirtschaftsministerin: ELISABETH UDOLF-STROBL.BDMW/Thule G. Jug

Sie ist eine Wegbegleiterin des späteren Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel: Elisabeth Udolf-Strobl arbeitete in den Kabinetten des damaligen Wirtschafts- und Außenministers, ehe sie im Jahr 1999 Leiterin der Sektion Tourismus im Wirtschaftsministerium wurde. Später kam auch noch die Zuständigkeit für historische Bauten – etwa das Schloss Schönbrunn – hinzu.

Iris Eliisa Rauskalam, Bildungsministerin

Bildungsministerin: IRIS RAUSKALA.
Bildungsministerin: IRIS RAUSKALA.Wenzel/BKA

Die in Helsinki geborene österreichische Wirtschaftswissenschaftlerin Rauskala arbeitete seit 2007 im Wirtschaftsministerium und war dort Mitarbeiterin von drei ÖVP-Ministern: Johannes Hahn, Beatrix Karl und Karlheinz Töchterle. Von 2011 bis April 2015 leitete sie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften die Fachstelle für Public Financial Management. 2015 holte Reinhold Mitterlehner sie als Sektionschefin ins Wissenschaftsministerium. Sie gilt als extrem dynamisch und als harte Verhandlerin.

Hartwig Hufnagl, Infrastrukturminister

Infrastrukturminister: HARTWIG HUFNAGL.
Infrastrukturminister: HARTWIG HUFNAGL.APA/HELMUT FOHRINGER

Diese Bestellung ist noch nicht ganz fix: Hartwig Hufnagl soll interimsmäßig das Infrastrukturministerium übernehmen. Hufnagl war schon im Kabinett des früheren Verkehrsministers Hubert Gorbach (FPÖ/BZÖ), ehe er in die Asfinag wechselte. Bei Norbert Hofer bekleidete er die Funktion des stellvertretenden Kabinettschefs, ehe er im Februar dieses Jahres als Vorstand in die Asfinag zurückkehrte. Alternative zu Hufnagl wäre Hofers Generalsekretär Andreas Reichhardt, der auch schon unter SPÖ-Ministern Sektionschef im Verkehrsministerium war.

Christian Kemperle, Landesverteidigung

Verteidigungsminister: CHRISTIAN KEMPERLE.
Verteidigungsminister: CHRISTIAN KEMPERLE.Bundesheer

Christian Kemperle ist Leiter der Präsidialsektion im Verteidigungsministerium und damit der einzige Zivilist unter den dortigen Sektionschefs. Berufen wurde er in diese Funktion von Norbert Darabos, Kemperle gilt auch als SPÖ-nahe. Bekanntheit erlangte er, als er dem damaligen Generalstabschef Edmund Entacher die Entlassungsurkunde überreichte.

???, Innenminister

Noch offen ist, wer die Funktion des Innenministers übernimmt. Möglicherweise ist der derzeitige Innenminister Eckart Ratz der einzige aus der derzeitigen Übergangsregierung, der seinen Posten behält. Ratz ist ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofs und hat als Minister schon einige Akzente gesetzt: So nahm er die letzte Verordnung von Innenminister Herbert Kickl bezüglich der 1,50-Euro-Jobs für Asylwerber wieder zurück.

Clemens Jabloner, Justizminister

Justizminister: CLEMENS JABLONER.
Justizminister: CLEMENS JABLONER.APA/HERBERT NEUBAUER

Diese Bestellung ist schon bekannt: Der frühere Präsident des Verwaltungsgerichtshofs wird Justizminister und Vizekanzler. Jabloner war von 1998 bis 2003 auch Vorsitzender der Historikerkommission, er gilt als SPÖ-nahe.

Alexander Schallenberg, Außenminister

Außenminister: ALEXANDER SCHALLENBERG.
Außenminister: ALEXANDER SCHALLENBERG.BUNDESKANZLERAMT/DRAGAN TATIC

Auch das ist schon bekannt: Der Leiter der Europaabteilung im Außenressort wird Minister. Schallenberg gilt als ÖVP-nahe, er hat für die Volkspartei auch den Koalitionsvertrag mit der FPÖ mitverhandelt. ?