"Tatort"-Debüt für Catalina Molina: Von Haneke die Hartnäckigkeit

Catalina Molina
Catalina Molina über ihr Studium bei Michael Haneke: „Ein Riesenluxus.“ORF/Thomas Jantzen

Heute feiert die österreichisch-argentinische Regisseurin Catalina Molina ihr »Tatort«-Debüt. »Ein guter Zeitpunkt« für diesen politisch heiklen Wiener Fall, findet sie. Gelernt hat sie bei Michael Haneke: »Ich habe ihn als Maßstab erlebt.«

Wer haut hier wen in die Pfanne? Das ist die Frage, die Bibi Fellner und Moritz Eisner diesen Sonntag klären wollen, obwohl sie gar nicht ermitteln dürften. Denn der Innenminister hat dem Polizeichef die Weisung erteilt, wem der Fall anvertraut werden soll: Einer weitgehend unfähigen Kollegin. Die Sache ist politisch heikel. Es geht um einen Nationalratsabgeordneten, der „so tut, als wäre er der einzige gute Mensch in dem ganzen korrupten Politsumpf“ (© Eisner), um eine ukrainische Geschäftsfrau und „ein bissl viel Parteienförderung“ (© Fellner) und um ein Gulasch, das in einer kulinarischen Einstellung zu Mozarts „Die kleine Nachtmusik“ verkocht wird. Willkommen beim neuen Österreich-„Tatort“ (2. Juni, 20.15 Uhr, ORF 2), der diesmal die Handschrift von Regisseurin Catalina Molina trägt.

„Es gibt da ein paar Momente in diesem ,Tatort‘, in denen nicht gesprochen wird. Die Sache mit dem Fleisch, eine kleine Montage zwischendurch . . . Das sind die Dinge, die ich einfüge, weil ich persönlich gerne solche filmischen, atmosphärischen Momente habe“, erzählt sie. Zu viel davon dürfe man im Fernsehen aber auch wieder nicht anbieten, „weil dann einige Leute wegschalten.“ Im konkreten Fall ist diese Gefahr aber gering: Neben Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer spielen Gerti Drassl und Cornelius Obonya, die Story hat einen zur aktuellen Lage der Nation passenden politkritischen Touch: „Ich finde, das ist jetzt ein guter Zeitpunkt für diesen ,Tatort‘“, sagt Molina.

Von Buenos Aires nach Gröbming. Als sie fünf war, wanderten die Eltern von Buenos Aires ins oststeirische Gröbming aus. Mit 15 ging sie nach Graz an die Ortweinschule, wo sie sich für den Filmzweig einschrieb. „Wir haben fotografiert, waren in der Dunkelkammer, haben Kurzfilme gemacht – da habe ich gemerkt, dass Film für mich die ganze Bandbreite dessen erfüllt, was ich gerne habe: Man kann Geschichten schreiben, Bilder machen, mit Schauspielern, Musik und Ton arbeiten. Da ist schnell eine Leidenschaft entstanden.“ Später studierte sie an der Wiener Filmakademie bei Michael Haneke. „Wir hatten jede Woche Unterricht, dazu Einzelstunden. Da ist man mit einer Idee zu ihm gegangen und es wurde alles besprochen – von der Idee über Drehbuch und Storyboard bis hin zur Umsetzung. Das ist, auch im Nachhinein betrachtet, ein Riesenluxus.“ Auf der Akademie habe sie „keine klassischen Unterhaltungsfilme gemacht, eher soziale Dramen oder Filme zu gesellschaftskritischen Themen.“ Haneke habe sie unterstützt, ihren eigenen Weg zu gehen: „Er hat nie, wie viele denken, versucht, seinen Stil durchzusetzen. Ich habe ihn immer als sehr inspirierend, als einen Maßstab erlebt.“

Oper in Madrid. Als Haneke 2013 nach Madrid ging, um am Teatro Real die Mozart-Oper „Così fan tutte“ zu inszenieren, packte Molina die Gelegenheit beim Schopf: „Ich war so frech und hab ihn gefragt, ob er nicht jemanden braucht, der Spanisch spricht.“ Und so durfte sie ihm zwei Monate lang assistieren. Was sie dabei von Haneke gelernt hat? „Das Hartnäckig-Sein. Er hat immer wieder in Situationen darauf bestanden, dass etwas genau in der Art und Weise gemacht wird, wie er es wollte. Da denkt man vielleicht: Wie kleinlich, wie pedantisch! Aber im Resultat merkt man, dass alles einen Sinn ergibt, dass er das große Bild im Kopf hatte, von dem man als Schauspieler oder im technischen Team nichts wusste.“ Heute sitzt Molina mit Haneke in der Kommission der Filmakademie, die entscheidet, wer für das Regiestudium zugelassen wird. Was man dafür mitbringen muss? „Ich höre immer, was Haneke den Bewerbern nahelegt: Man muss bereit sein, in sich hineinzuschauen – in die tiefe, dunkle Seele, in den Schmerz, den wir erlebt haben, und in die Freude. Man muss authentisch sein – das ist das schwierigste. In jeder Kunstform."