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"Huffington Post": Mit nur sieben Journalisten

Huffington Post sieben Journalisten
(c) AP (Evan Agostini)
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Vor fünf Jahren gründete Arianna Huffington die "Huffington Post". Die Internetzeitung soll ab Ende 2010 profitabel sein.

Eine Zeitung – ausschließlich online? Noch dazu eine, die kaum eigenständig Geschichten recherchiert und schreibt, sondern vielmehr die Filetstücke anderer Medien sucht, gewichtet und auf der eigenen Homepage nach Themen gruppiert? Und das mit Personal, das anfangs nur aus einer Handvoll freiwilliger Blogger bestand? Es mag unglaublich klingen, aber dieses Medienmodell existiert: Die „Huffington Post“ erschien am 9.Mai 2005 erstmals online – angetreten war sie hauptsächlich, um ein liberales Gegengewicht zum konservativeren Konkurrenzportal „Drudge Report“ zu bilden.

Arianna Huffington, eine in Athen geborene Amerikanerin, die der demokratischen Partei nahe steht und Barack Obama im Wahlkampf unterstützte, schuf sich ihre eigene „Post“. Sie hat im britischen Cambridge studiert, wanderte in die USA aus, wo sie rund ein Jahrzehnt lang mit Ölmillionär und Bush-Freund Michael Huffington verheiratet war (der sich später zu seiner Bisexualität bekannte). Arianna Huffington hat in den Achtzigern Biografien über Opernsängerin Maria Callas und Pablo Picasso veröffentlicht und Gastrollen z. B. in der Sitcom „Roseanne“ und in der Serie „The L-Word“ gespielt. Auch journalistisch war sie vor 2005 schon aktiv gewesen – in Großbritannien sogar für die BBC. „Arianna liebt den Journalismus leidenschaftlich“, sagte Vize-Marketingchef Mario Ruiz bei einem Besuch der „Presse“ bei der „Huffington Post“ Ende April.


Das Internet durchforsten. Das Portal hat heute über 13 Millionen Besucher im Monat. In der räumlich eher kleinen, hellen New Yorker Redaktion der „HuffPo“ (so wird die Zeitung in den USA kurz genannt) sitzen – gemeinsam mit den kleinen Niederlassungen in Los Angeles, Denver und Chicago – 60 Redakteure. Sie sind dabei keine Journalisten im europäischen Sinne: Sie schreiben keine Artikel, sondern durchforsten das Internet mit all seinen Onlineausgaben diverser Medien nach guten Storys und platzieren deren Überschriften als Links auf der Homepage der „Huffington Post“. Dazu kommen als „echte Journalisten“, die recherchieren und schreiben, ein „Business-Reporter“ in New York und sechs Reporter in Washington DC.

Weiters zählt die „HuffPo“ heute rund 6000 Blogger zu ihren Schreibern, die freiwillig und unentgeltlich Zeit und Know-how zur Verfügung stellen. Auch Prominente – von Schauspielern wie John Cusack und Alec Baldwin über Madeleine Albright und Neil Young bis zu Madonna und Hillary Clinton – sind darunter. „Wir haben hier eine bestimmte Gesinnung, wir haben eine ganz eigene Stilrichtung kreiert“, ist Ruiz überzeugt. Die Blogger bekommen im Gegenzug für ihre Arbeitsleistung nur die Ehre, in der „HuffPo“ zu erscheinen.


Noch kein Profit. Bisher ist das Onlinemedium allerdings noch nicht profitabel – Arianna Huffington erwartet dies aber bis Ende des Jahres. Erweitert wird laufend, eben ist etwa ein neues Ressort hinzugekommen – „Comedy“. Dort gibt es dann z. B. die besten Fotos von „Golden Girl“ und Comedian Betty White zu sehen oder wie sich Michael J. Fox am Vorabend in die Talkshow „Colbert Report“ schummelte.

Die Zeitung ist mittlerweile sogar als Twitter-Ausgabe „in wirklicher Echtzeit“ zu haben. Diese Verbindung zu sozialen Netzwerken soll noch enger geknüpft werden, dazu kommen immer mehr Videos und eventuell auch Lokalausgaben für einzelne Städte. Dabei könnte eine Entwicklung dem Modell einen Strich durch die Rechnung machen: Die „New York Times“ will ab Herbst für das Abrufen ihrer Onlineartikel Geld verlangen – andere Mainstream-Medien könnten ihr folgen. Die Frage, wie die „HuffPo“ dann ihre Seiten füllt, wollte man bei der Onlinezeitung nicht beantworten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2010)