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Fürst Hans-Adam II.:"Herdentrieb der Banker ist schuld"

(c) Michaela Bruckberger
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Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein ortet eine Schädigung von Euro und Dollar und warnt im Gespräch mit der "Presse" vor Krisenfolgen für Sparer. Die EU werde sich halten.

„Die Presse“: Was ist Ihre Einschätzung der gegenwärtigen Krisen, die rasch aufeinanderfolgen und zu eskalieren scheinen? Erst die USA, jetzt Europa. Sind der Euro und der Dollar geschädigt? Wie wird es weitergehen?

Hans-Adam II.:Euro und Dollar sind geschädigt, aber man muss sich fragen, was sind die Alternativen? Die Schweizerische Nationalbank stützte den Euro mit 40 Mrd. Franken – wegen der schweizerischen Exporte. Wenn man sieht, wie viel Liquidität da in den letzten zwei Jahren geflossen ist – es wird nicht leicht sein, die wieder abzuschöpfen. Ich sehe nicht viele andere Alternativen, als die Schulden wegzuinflationieren.

Das wäre fatal für die kleinen Sparer.

Hans-Adam II.: Ja, leider.

Sind auch die Banken in Liechtenstein von der Krise betroffen, z. B. Ihre, die LGT?

Hans-Adam II.: Von den 15 Banken des Fürstentums musste keine gerettet werden.

Sind die Banker zu gierig gewesen?

Hans-Adam II.: Man hat die Eigenkapitalvorschriften immer mehr gelockert. Als normaler Kaufmann, wenn ich zu einer Bank gehe und einen Kredit haben möchte, wird sie die Bilanz verlangen. Wenn dort weniger als fünf Prozent Eigenkapital ausgewiesen sind, werde ich keinen Kredit bekommen. Mir wird es auch kaum gestattet sein, Verpflichtungen nicht auszuweisen, sondern zu verstecken. Den Banken ist mit staatlichem Segen alles erlaubt worden. Bei der Entschädigung der Banken hat man außerdem schlechte Modelle gewählt. Die Banken haben sehr gut verdient mit ihrem minimalen Eigenkapital. Sie haben investiert und sehr hohe Renditen bekommen. Solange das Geschäft gut geht, ist das schön, wenn es schlecht geht, ist man sofort im Konkurs.

Wieso verschonte die Krise ausgerechnet die Liechtensteiner Banken – weitgehend?

Hans-Adam II.: Mehr Vorsicht, eine bessere Bankenaufsicht, höhere Eigenkapital-, strengere Bilanzierungsvorschriften.

In den letzten Jahren gab es schwere Vorwürfe wegen Geldwäsche in Liechtenstein.

Hans-Adam II.: In der Schweiz, aber auch in Liechtenstein war Steuerhinterziehung oder Steuerbetrug kein Straftatbestand. Wir haben eine direkte Demokratie. Die Bevölkerung hat das so entschieden. Man kann was vergessen, dafür muss man nicht gleich wie ein Verbrecher behandelt werden. Wir mussten hier nachgeben, haben das akzeptiert und wenden jetzt die OECD-Richtlinien an. Wir möchten aber auch, dass nicht mit verschiedenen Ellen gemessen wird. Der US-Staat Delaware etwa ist eine Steueroase, in der man sogar Geld aus dem Narkotika- und Opiumhandel verschwinden lassen kann. Die Amerikaner sagen, der Bund hat da keine Kompetenz, weil das Landessache ist. Wir sagen: So geht das nicht. Es muss gleiches Recht für alle herrschen.

Was soll die EU tun? Es drohen schon die nächsten Schuldenkatastrophen, auf Griechenland könnten Spanien, Portugal folgen.

Hans-Adam II.: Es gibt einen Herdentrieb der Banker mit Unterstützung der Politiker. Man hat den Banken gesagt, ihr braucht nicht mehr so viel Eigenkapital. Das ist altmodisch, bereichert euch. Damit wurde verantwortungslosem Handeln Tür und Tor geöffnet. Die politische Zentralisierung ist meiner Ansicht nach in der EU zu weit gegangen. Die wirklichen Erfolge wurden im Wirtschaftlichen erzielt. Man sollte den Staatseinfluss zurückdrängen im wirtschaftlichen Bereich, da, wo es sinnvoll ist – und sich auf sehr klare Kontrollmechanismen beschränken, vor allem im Finanzbereich.

Wird es die EU in 20 Jahre noch geben?

Hans-Adam II.: Ja, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie sich anders strukturiert.

Wird es Liechtenstein in 100 Jahren noch geben? Es gab ja ziemliche Kontroversen zwischen Ihnen und dem Volk.

Hans-Adam II.: Es gab Kontroversen zwischen mir und einigen Politikern. Ja, ich bin sicher, dass es Liechtenstein in 100 Jahren noch geben wird. Soweit ich sehen kann, ist es der einzige Staat in Europa, der seit Langem in seinen Grenzen überlebt hat.

Sie denken nicht mehr wie früher daran, nach Wien umzuziehen, wo ab 2012 Ihr Palais in der Bankgasse renoviert sein wird?

Hans-Adam II.: Ich glaube, auch wenn es die Enteignungen unserer Besitzungen im vergangenen Jahrhundert nicht gegeben hätte, wäre mein Vater nach Liechtenstein übersiedelt. Das ist auch jetzt richtig so. Die Bevölkerung würde es nicht verstehen, wenn wir den Wohnsitz jetzt wieder ins Ausland verlegen würden.

AUF EINEN BLICK

Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein wurde am 1945 in Zürich geboren. Er ist studierter Betriebs- und Volkswirt.Das Vermögen des Fürstenhauses, zu dem auch die LGT Bank zählt, wird auf mehrere Mrd. Franken geschätzt. 2004 setzte Hans-Adam II. seinen Sohn Alois als Stellvertreter ein und übergab ihm die Staatsgeschäfte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2010)