Outplacement

Die Illusion vom schnellen Job

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Outplacement-Kandidaten suchen knapp ein halbes Jahr nach einer neuen Stelle.

Outplacement-Kandidaten suchen durchschnittllich 24,8 Wochen, bis sie einen neuen Job gefunden haben. Das ergab die jährliche Statistik des Outplacement & Talent Mobility-Unternehmens Lee Hecht Harrison. Die Statistik erfasst 100 Kandidaten, die zuletzt beraten wurden.

Ein halbes Jahr auf Jobsuche

Die lange Dauer liegt meist am mehrstufigen Prozess. Zwischen dem Versenden der Unterlagen, Interviews bei Personalberatern, mit Personalverantwortlichen und dem neuen Chef liegen oft mehrere Wochen. Dazu kommen noch Tests und Assessmentcenter oder Verhandlungen und Rücksprachen mit Rechtsanwälten. Außerdem wird Vorbereitungszeit für das Erarbeiten von Karriereziel, Marketingplan, Lebenslauf, sowie eines Linkedin- und Xingprofils benötigt.

Wer ist betroffen?

Outplacement bezeichnet eine Dienstleistung für ausscheidende Mitarbeiter, die vom Unternehmen finanziert wird und die Gekündigten bei der beruflichen Neuorientierung unterstützt. Das ist vor allem bei reiferen Mitarbeitern notwendig, die lange in einem Unternehmen tätig waren und sich schwer tun, einen neuen Job finden. Der typische Kandidat: Männlich, 47 Jahre, Tendenz steigend. Das letzte Dienstverhältnis dauerte 11,5 Jahre.

Lebensmittelindustrie hat sich erholt, Pharmaindustrie nicht

Die Branchenzahlen spiegeln die Wirtschaftsentwicklung wider. Im Jahr 2003 gab es in der Lebensmittelindustrie (32 Prozent) das meiste Outplacement, 2018 waren Pharmafirmen mit 55 Prozent an der Spitze. Die klassische Industrie (Konsumgüter, Automotive & Maschinen) ist im Langzeitvergleich rückläufig.

Lee Hecht Harrison

„Wir organisieren uns neu“

Der häufigste Grund für den Personalabbau ist Reorganisation des Unternehmens. Dies war bei knapp sieben von zehn Kandidaten der Fall. Danach folgt mit 15 Prozent Rationalisierung, also Abbau wegen schlechterer Konjunktur. Probleme mit Vorgesetzten, Änderung der Aufgabe oder Übersiedlung ins Ausland waren vergleichsweise unwichtige Faktoren.

Woher kommt der neue Job?

Über persönliche Kontakte eine neue Stelle zu suchen ist die erfolgreichste Strategie. 71 Prozent fanden auf diese Weise einen Job. 22 Prozent nutzten Stellenanzeigen erfolgreich. Für nur sechs Prozent waren Personalberater eine erfolgreiche Suchstrategie und Direktansprachen brachten nur ein Prozent der Jobsuchenden zum Ziel.

Lee Hecht Harrison

Trend zur Selbständigkeit

12 der 100 Kandidaten machten sich nach dem Outplacement selbständig. Dieser Wert ist im langjährigen Vergleich gestiegen. Vier von zehn Kandidaten waren vor dem Personalabbau im non-Management tätig. Eine Mehrheit von 42 Personen fand auch danach in diesem Bereich einen Job. Von 32 Abteilungsleitern waren hingegen danach nur 22 auf gleicher Ebene tätig.