Karl-Peter Schwarz

Wie politisch korrekt war das lateinische Mittelalter?

Früher konnte man mittelalterliche Geschichte studieren, ohne von bigotten Moralisten und Postmarxisten belästigt zu werden. Das hat sich leider geändert.

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Wer „Islamophobie“ in eine Internetsuchmaschine eingibt, erhält rund zwei Millionen Ergebnisse, bei „Christenverfolgung“ nur eine halbe Million. Ein von der Muslimbruderschaft in die Welt gesetztes ideologisches Konstrukt, das jegliche Kritik am Islam als „rassistisch“ diffamiert, bekommt also bei Weitem mehr Aufmerksamkeit als die Tatsache, dass das Christentum die weltweit am meisten unterdrückte Religionsgemeinschaft ist. 200 Millionen Christen werden ihres Glaubens wegen verfolgt. Ein im Auftrag der britischen Regierung erstellter Bericht, der im Mai vorgestellt wurde, stellt fest, dass das Ausmaß der Christenverfolgung es rechtfertigt, von Genozid zu sprechen. Am meisten gefährdet sind Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern. Zugleich aber ist der Islam die am wenigsten verfolgte religiöse Minderheit.

„Politische Korrektheit“, sagte der britische Außenminister, Jeremy Hunt, bei der Präsentation des Berichts, sei für die Passivität der Regierungen angesichts des anhaltenden Terrors gegen Christen verantwortlich. Nach den Massakern in Sri Lanka drückten sich Politiker der EU um das Eingeständnis, dass die Bomben möglichst viele Christen töten sollten. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini behauptete in krassem Widerspruch zu den Fakten, die „Gewalttaten am Ostersonntag“ hätten sich „gegen alle Glaubensrichtungen“ gewendet. Islamisten als Täter, das geht in Ordnung, doch Christen als Opfer?