Wir hätten da noch ein paar Fragen

Kanzlerin Brigitte Bierlein und Justizminister Jabloner beim Ministerrat.APA/GEORG HOCHMUTH

GlosseEin Ministerrat ohne Foyer, warum eigentlich?

Bei ihrem ersten Auftritt als Bundeskanzlerin bat Brigitte Bierlein die Öffentlichkeit um Geduld: Sie werde sich noch oft mit Journalisten unterhalten, „und ich freue mich auch darauf“. Dann folgte das Aber: Noch wolle sie keine Interviews geben. Zuerst werde sie sich der Aufgabe widmen, eine stabile Regierung zu bilden. Und dann, „in guter österreichischer Tradition“, unter anderem mit den Ländern, der Zivilgesellschaft und den Parteien sprechen. So weit, so verständlich.

Man möchte trotzdem einen Einspruch erheben: Bei dem ersten Vorstellungstermin waren keine Fragen zugelassen, bei dem zweiten ebenfalls nicht. Und auch der erste Ministerrat fand ohne traditionelles Pressefoyer statt. Warum eigentlich? Einmal abgesehen davon, dass einige Fachminister zwangsläufig möglicherweise über mehr Detailwissen aus den Ressorts verfügen als ihre Vorgänger und auf viele inhaltliche Fragen eine Antwort wissen – sie entscheiden immer noch selbst, inwieweit sie auf Anfragen eingehen. Brigitte Bierlein bringt ohnehin eine langjährige Medienerfahrung mit.

Wer (zu Recht) kritisiert hat, dass Sebastian Kurz zuletzt Reden gehalten hat, ohne sich im Anschluss den Fragen zu stellen, muss konsequenterweise die neue Regierung auch daran erinnern. Damit es weiterhin einen Austausch gibt – und nicht nur Ansprachen. Das ist eine andere Tradition, die langsam in Österreich zu entstehen droht. Und die man jetzt leicht stoppen könnte. Wir freuen uns darauf.

iris.bonavida@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2019)