Bundesliga: Salzburger Trauerspiel

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Die Wiener Austria hält die Meisterschaft offen. Der 1:0-Siegtreffer gegen Tabellenführer Salzburg fiel in der Nachspielzeit. Salzburgs Ausgleich wurde zu Unrecht aberkannt.

Salzburg. „Der Wiener Schiedsrichter hat uns ein Tor aberkannt", tobte Dietmar Beiersdorfer. Der Salzburger Sportdirektor war kurz nach der 0:1-Niederlage außer sich vor Zorn. Er fühlte sich von der „Wiener Fußball-Mafia" verfolgt, wie sich die Provinzklubs seit eh und je von den Wienern verfolgt fühlen. Soviel hat der Bayer im Dienste von Red Bull in Salzburg schon gelernt.


Dass die Meisterschaft durch einen schweren Fehler der Unparteiischen beeinflusst worden ist, bezweifelt kein Beobachter. In der 94. Minute wurde ein reguläres Tor von Afolabi aberkannt. Der Linienrichter hatte die Fahne oben, Schiedsrichter Dietmar Drabek entschied auf Abseits. Doch es war nicht Afolabi, sondern dessen afrikanischer Kollege Somen Tchoyi, der einen Schritt zu weit vorne war. Es war also lediglich passives Abseits.
Doch nicht nur Schiedsrichter irren. Auch Sportdirektoren. Drabek ist Oberösterreicher, wird Beiersdorfer vom ORF-Reporter berichtigt. „Aber er hat gepfiffen wie ein Wiener", kontert Beiersdorfer und krönt seinem peinlichen Auftritt mit einem an Dummheit nicht zu übertreffenden Sager.


Er hätte sich ein Beispiel an Trainer Huub Stevens nehmen sollen. Der schimpfte zwar nach dem Schlusspfiff mit dem Linienrichter wie ein Rohrspatz. Vor der Fernsehkamera hatte er sich allerdings längst wieder im Griff. „Das muss ich akzeptieren. Dass da Emotionen durchkommen, ist klar. Aber wir haben im Spiel viele Chancen nicht genützt."

Stevens gibt sich als Sir

Er weiß, dass Salzburg am Donnerstag in Graz bei Sturm weiterhin alle Trümpfe in der Hand hat. Es muss allerdings ein Auswärtssieg her. Die Austria, die zuhause auf Ried trifft, muss hoffen, dass sich die Grazer nicht zu sehr für das samstägliche Cupfinale schonen. Denn für Sturm geht es in der Meisterschaft um nichts mehr. Nur ein Sieg im Cupfinale gegen Wiener Neustadt bringt einen Platz in der Europa League.


Doch zurück zum dramatischen Spiel in Salzburg: 90 Minuten lang dominierte der Meister die Partie. Teilweise schlug die Austria nur blind den Ball weg. Es schien eine Frage der Zeit, bis Salzburg den violetten Tresor knackt. Doch wie so oft stand die Austria-Abwehr bombensicher. Trainer Karl Daxbachers Vorgabe wurde rigoros befolgt: Kein Tor kassieren und auf einen Lucky Punch hoffen.

Dieser hätte dem eben eingewechselten Schumacher gelingen müssen. Nach Flanke von Standfest köpfelte er aus knapp zwei Meter an die Latte (71.). Schumacher macht seinem Ruf alle Ehre. Er gilt als einer der wenigen brasilianischen Fußballer, die mit dem Ball nichts anzufangen wissen.

90 Minuten waren gespielt, 20.000 Zuschauer feierten bereits den Meistertitel, da foult Sekagya Hattenberger an der Strafraumgrenze. Liendl und Junuzovič streiten sich um den Ball. „Wir haben Schnick-Schnack-Schnuck gespielt", erzählt Junuzovič einige Minuten nachdem er den Ball in die linke Ecke gezirkelt hatte. Salzburgs Torhüter Arzberger war zwar mit den Fingern dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern.

Vor der letzten Runde am Donnerstag hat auch Rapid theoretische Chancen auf die Meisterschale. Die Austrianer feierten am Sonntag, als hätten sie es schon geschafft. „Jetzt wird die Austria noch Meister", jubelte Joachim Standfest.

Was wohl Dietmar Beiersdorfer dazu sagen würde?

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