Doppelporträt

Wie Phönix aus der Asche

Bene Geschäftsführer Michael Fried (links) und Jörg SchuschnigBene

Dem Waidhofner Büromöbelhersteller Bene geht es wieder gut. Das ist auch der Harmonie der beiden Geschäftsführer zu verdanken, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Waren sie nun Sanierungsmanager oder nicht? Michael Fried (54) und Jörg Schuschnig (48) sind sich nicht ganz einig. Fried, Bene-Geschäftsführer für Sales, Marketing und Innovation, ist seit 2014 an Bord; Schuschnig, sein Pendant für Finanzen und Produktion, seit 2016.

Da war das Schlimmste schon überstanden. Nach schweren Verlusten war der 1790 gegründete Traditionsbetrieb bereits von Investoren übernommen, aus der Börse geführt und waren 500 der 1300 Mitarbeitern abgebaut worden. Es war eine böse Zeit.

Doch heißt sanieren nur wegschneiden? Es heißt auch wieder aufbauen. Genau das sahen die beiden WU-Absolventen als ihre Aufgabe. Bene war es zu lang zu gut gegangen. Man war gewohnt, dass sich die Kunden anstellten. Akquirieren? Wir doch nicht.

Es galt, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Jahrzehntelang hatte man routiniert Bürotische, -sessel und -kästen produziert, ISO-zertifiziert und prozessoptimiert, doch zunehmend austauschbar und beliebig. Das konnte die billige Konkurrenz aus dem Osten auch. Und die lieferte gnadenlos in die eigenen Märkte hinein.

Was will der Markt?

Bene hatte den Draht zu den Kunden verloren und zu deren eigentlichen Bedürfnissen. Fried, der Marketingprofi, suchte zuallererst danach. Wenn er spricht, dann nicht von Möbeln, sondern von Raumplanung, Architektur, Design, Innovation und vor allem Inspiration. Von Büros, in denen man gern und flexibel arbeitet. Die zur New World of Work passen, dem Lieblingswort aller Büroraumgestalter. Wie schwierig es gewesen muss, dieses Denken in die pragmatische Produktion zu tragen, darüber redet er nicht.

Die Mannschaft war verunsichert, frustriert und dennoch stolz. „Viele Systeme der New World of Work hat Bene nicht mitgestaltet, sondern erfunden“, sagt Fried. So wie die Mittelzone, den Bereich abseits der Schreibtische, in dem informell kommuniziert, genetzwerkt, nachgedacht wird. Doch was half das nun?

Es muss leichter für ihn geworden sein, als Schuschnig an Bord kam. So unterschiedlich die beiden Geschäftsführer sind, so gut ergänzen sie sich. Fried zeichnet die Visionen, Schuschnig bringt sie auf den Punkt.

Die folgenden Jahre bestanden aus „Ärmel aufrollen und malochen“ (Fried). Aus der Designabteilung kamen wundersame Ideen, mit denen die Produktion erst einmal nichts anfangen konnte: Für die junge Szene stapelbare Holzwürfel, die sich zu beliebigen Möbeln arrangieren ließen. Für Direktoren elegante Repräsentationsmodelle, auf denen – Detail – keine Fingertapser zurückbleiben. Für Freiberufler gemütliche Stücke, die sich gut ins Wohnzimmer einfügen. „Wir haben uns die Bedürfnisse angeschaut“, sagt Fried, „nicht den Markt aufgeteilt.“

Schuschnig verschlankte derweil die Produktion. „Da haben wir jeden Stein umgedreht“, sagt er. Dauerte es früher zwei Jahre von der Idee bis zur Auslieferung, schafft man es nun in neun Monaten. Und hatte immer im Kopf: Es geht um Kunden, nicht Prozesse.

Mitarbeiter wird Händler

Parallel bauten die beiden unrentable Standorte in der ganzen Welt ab. Was nicht erfolgreich zu führen war, wurde in Fachhandelspartnerschaften umgewandelt. „Wir haben aus committeten Mitarbeitern committete Fachhändler gemacht“, sagt Schuschnigg. Die arbeiten nun für eigene Rechnung und können sich nicht mehr darauf verlassen, „dass das Headquarter eh alles zahlt.“

Zunehmend öffnete man sich dem digitalen Zeitalter. Nicht nur in der Produktion, auch in den Möbeln selbst, die mehr und mehr digitale Elemente bekamen. Ideenwände, auf die Gedanken projiziert werden, die Meetingteilnehmer auf ihre Blocks kritzeln und mit dem Stift freischalten. Virtual Reality Präsentationen. Das Idea Lab in der Wiener City, in dem man sich selbst neu erfand, ist extern zu mieten. Wer sagt, dass ein Büromöbelbauer nicht auch andere Services entwickeln kann?

Heute geht es Bene wieder gut. 9,3 Millionen Euro betrug das EBIT 2018, bei einem Umsatz von 151,4 Millionen Euro. Es geht aufwärts – solange man nah am Kunden ist


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2019)