Nach dem Beschluss des EU-Rettungsschirms sinkt der Preis für Versicherungen für Kreditausfälle der Länder Spanien, Portugal und Griechenland.
Dank des EU-Rettungsschirms sind die Spekulationen auf eine Pleite Griechenlands am Montag deutlich zurückgegangen. Die fünfjährigen griechischen Credit Default Swaps (CDS, Versicherung des Kreditausfalls) fielen dem Datenanbieter CMA Datavision zufolge auf 657 Basispunkten von 915,5 Basispunkten. Damit kostete die Versicherung eines 10 Millionen Euro schweren Kredites an Griechenland gegen Zahlungsausfall mit 657000 Euro rund ein Drittel weniger als am Freitag.
Die spanischen und portugiesischen CDS gingen um jeweils knapp die Hälfte auf 157 beziehungsweise 263 Basispunkte zurück. Ähnlich stark fielen die Kursrückgänge der italienischen (aktuell: 245,5 Basispunkte) und irischen (171 Basispunkte) CDS aus.
Bei einem "Credit Default Swap (CDS)" zahlt ein Sicherungsnehmer regelmäßig Prämien an einen Sicherungsgeber, der das Risiko für bestimmte Kredite dafür übernimmt. Es ähnelt daher einer Kreditversicherung. Der Vertrag läuft bis der jeweilige Kredit entweder fällig wird oder definitiv nicht mehr getilgt werden kann - in diesem Fall muss der Sicherungsgeber einspringen. Bei "Portfolio-CDS" wird nicht nur ein, sondern gleich mehrere Kredite (Portfolio) besichert.
Risikoaufschläge sinken
Auch an den Anleihemärkten budgetpolitisch angeschlagener Euro-Länder hat das beispiellose Rettungspaket der EU und die Rückendeckung durch die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer deutlichen Entspannung der Lage geführt. Die Risikoaufschläge sanken kräftig. So ging die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Anleihe Griechenlands am Montag auf rund 7,6 Prozent zurück, nachdem sie am Freitag noch über die 12-Prozent-Marke geklettert war. Zum Vergleich: Die zehnjährige deutsche Bundesanleihe rentiert derzeit mit rund 3 Prozent.
Zweijährige Staatstitel Athens rentierten am Montag noch bei rund 6,8 Prozent, nachdem diese am Freitag noch über 18 Prozent Rendite abgeworfen hatten. Dies hatte die Erwartung eines Zahlungsausfalls widergespiegelt. Das Misstrauen der Märkte hat sich mit der Hilfe stark verringert. Auch andere Randländer profitierten von den Milliardenpaketen.
Auch Portugal und Spanien profitieren
Auch in Portugal und Spanien, die ebenfalls hohe Staatsdefizite und Schuldenstände aufweisen, sanken die Risikoaufschläge am Montag kräftig. In der vergangenen Woche waren diese Länder immer stärker in den Strudel Griechenlands mitgerissen worden. So rentierte die zehnjährige Anleihe Portugals am Montag im Tagesverlauf mit rund 5,1 Prozent, nachdem sie am Freitag noch über 6,1 Prozent abwarfen. Am vergangenen Donnerstag war die Rendite erstmals seit Bestehen der Währungsunion über die Sechs-Prozent-Marke geklettert. In Spanien rentierten zehnjährige Papiere am Montag nun mit etwa 4 Prozent, nach knapp 4,5 Prozent am Freitag.
Die Verzinsung einer Anleihe ist jener Zinssatz, den der Anleihengeber (z.B. Staat) zahlen muss. Ein vereinfachtes Beispiel: Eine 1000-Euro-Anleihe mit 4,5 Prozent Zinsen bringt jedes Jahr 45 Euro Zinsertrag. Die Rendite berücksichtigt auch den Kurs, zu dem die Anleihe gekauft wurde; ist also das, was dem Anleihennehmer tatsächlich bleibt. Wenn die obige Anleihe also um 1010 Euro gekauft wurde, so verdient der Anleihennehmer 1000 (Nennwert) * 0,045 = 45 minus 10 (weil höherer Kurs) = 35 Euro, das entspricht einer Rendite von 4,446 Prozent (Berechnung: 45/1010). Er bekommt zwar die gleichen 45 Euro, musste aber mehr Kapital einsetzen --> die Rendite ist geringer. Der Spread hingegen ist der Unterschied der Verzinsung zwischen einer Anleihe und einer Benchmark, in Europa oft die Verzinsung von deutschen Staatsanleihen. Er wird in Basispunkten (100 Basispunkte = ein Prozentpunkt) angegeben. Wenn also die Referenzanleihe 3,5 Prozent bringt und die zu berechnende 5,5 Prozent, so beträgt der Spread 200 Basispunkte oder 2,0 Prozentpunkte.
(APA)