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Einladung zum Experimentieren und Begreifen

Eröffneten gemeinsam das neue Smart Lab der FH Kärnten in Klagenfurt: (v.l.n.r) Erich Hartlieb, Siegfried Spanz, Geschäftsführer FH Kärnten, Hans Schönegger, Geschäftsführer Babeg, Projektleiter Roland Willmann, Robert Klinglmair, Bildungsdirektor für Kärnten.
Eröffneten gemeinsam das neue Smart Lab der FH Kärnten in Klagenfurt: (v.l.n.r) Erich Hartlieb, Siegfried Spanz, Geschäftsführer FH Kärnten, Hans Schönegger, Geschäftsführer Babeg, Projektleiter Roland Willmann, Robert Klinglmair, Bildungsdirektor für Kärnten.(c) Michael Schnabl

Mit Möglichkeiten, selbst zu gestalten sollen vor allem junge Talente für Technik motiviert werden. Drei Beispiele.

In modern ausgestatteten Laboren und Testfabriken bieten Fachhochschulen eigenen Studenten und Partnerunternehmen die Möglichkeit, mit neuen Technologien zu experimentieren. Darüber hinaus sollen die „Smart Labs“, „FabLabs“ und „Maker Labs“ eine breitere Öffentlichkeit ansprechen – insbesondere die Technik-Talente von morgen.
• Ein solches Smart Lab wurde am Donnerstag von der FH Kärnten in Klagenfurt offiziell eröffnet. Auf rund 300 m2 stehen den Nutzern unter anderem sechs 3-D-Drucker, eine CNC-Fräse und ein Elektroarbeitsplatz zur Verfügung. Primäre Zielgruppe sind Schulklassen, Schüler, aber auch „Lehrer, die etwas ausprobieren wollen“, sagt der Projektleiter Roland Willmann. „Das neue Smart Lab ist im Lakeside Technologiepark in Klagenfurt angesiedelt und bildet ein Modul des bereits bestehenden Education Lab, in dem neue didaktische Methoden entwickelt werden“, erklärt Willmann.

Das Angebot in Klagenfurt ist für Schulen kostenlos, Schüler oder Lehrer, die es quasi privat nutzen wollen, müssen einen Mitgliedsbeitrag von rund 20 Euro pro Monat bezahlen. Studierende der FH Kärnten können das Smart Lab gratis nutzen. Anmeldungen sind per E-Mail, Telefon und demnächst via Website möglich. Die einzelnen Maschinen können via Web reserviert werden – vorausgesetzt, man ist nach einer Einschulung für diese „freigeschalten“. Schon seit Mai bietet die FH Kärnten Workshops im Umfang zwischen drei Stunden und zwei Tagen an, in denen neben Einführungen in die Benutzung der Einrichtungen auch „Ideen vermittelt werden, was man damit machen kann“, berichtet Willmann. Ein wesentliches Anliegen sei dabei auch das Thema Nachhaltigkeit. Breit an die Öffentlichkeit gehen will man mit dem Angebot ab Herbst, schon jetzt aber würde von Schulen reges Interesse signalisiert.

 

Pipeline für Talente

Das Smart Lab in Klagenfurt ist nicht die erste derartige Einrichtung der FH Kärnten. Schon seit 2012 betreibt sie ein Smart Lab in Villach, dessen Öffnungszeiten nun ausgeweitet werden. In Zukunft ist geplant, beide Smart Labs sechs Tage in der Woche zu öffnen. Während das neue Labor in Villach auf Grund von Förderauflagen (es wird unter anderem von der EU und dem Kärntner Wirtschafsförderungsfonds unterstützt) nur für Lehrer und Schüler gedacht ist, steht das Lab in Villach prinzipiell allen Interessierten offen. Gemeinsam mit den von der FH eingerichteten „Gründergaragen“ in adaptierten Schiffscontainern bilden die Labore eine „Talentepipeline“, von Achtjährigen bis zu jungen Erwachsenen, beschreibt Willmann. Das neue Smart Lab in Klagenfurt sei dafür das Eingangstor. Generell dienen die diesbezüglichen Aktivitäten dazu, den Standort als Innovationszentrum attraktiv zu machen und damit auch die Anziehungskraft der FH für Studierende zu erhöhen und der Abwanderung von Talenten entgegenzuwirken.
• Auch die FH Joanneum betreibt seit einem guten Jahr ein öffentliches FabLab. Dieses ist eine organisatorische Untereinheit des Smart Production Lab, einer Modellfabrik für Industrie 4.0, in der die Integration von digitalen Geschäftsprozessen erprobt wird.

Jeden zweiten Mittwoch nachmittags werden im Rahmen des FabLab diverse Einrichtungen wie 3-D-Drucker mit verschiedenen Technologien, CNC-Fräs- und Drehmaschine, Vinyl- und Lasercutter Interessierten zur Verfügung gestellt. „Vor allem der Lasercutter erfreut sich sehr großer Beliebtheit“, berichtet FabLab-Leiter Wolfram Irsa. Der Zugang zu den Einrichtungen des FabLabs ist unbürokratisch, und die Nutzung bis auf Kosten für Verbrauchsmaterialien gratis. Verpflichtend ist nur eine zweistufige Schulung, bestehend aus einer Einführung in das FabLab und einer Einschulung an den Geräten – jeweils mit Sicherheitshinweisen.

 

Reger Austausch

Entsprechen breit ist die Palette der Nutzer, die laut Irsa vom 15-jährigen Schüler bis zum Pensionisten reicht. Auch das studentische Racing Team der FH Joanneum nutzt die Einrichtungen zur Weiterentwicklung ihres Boliden. Mitarbeiter der FH sind als Ansprechpersonen vor Ort, die Funktionsweise der Gerätschaften sei aber „weitgehend selbsterklärend“ sodass die meisten ohne Hilfe zurechtkommen, sagt Irsa und spricht von einer „inspirierenden Maker Umgebung, in der reger Austausch herrscht.“
• Das MakerLab an der FH St. Pölten teilt sich derzeit noch den Raum mit dem Industry 4.0 Lab, das kürzlich mit drei Industrie-Testarbeitsplätzen ausgestattet wurde. Diese dienen laut Thomas Felberbauer, Studiengangsleiter Smart Engineering, dazu, die Interaktion zwischen Mensch und Maschine weiterzuentwickeln, etwa indem der Mitarbeiter mit VR-Brille, Web-Interface oder Lichtsignalen angeleitet wird. Ein Tracking-System verfolgt gegebenenfalls den Weg von im MakerLab hergestellten Prototypen zu den Testarbeitsplätzen und simuliert so einen weiteren Aspekt von Industrie 4.0.

Das Industrie 4.0 Lab ist primär für Forschung, Lehre und Unternehmenskooperationen gedacht, wird aber auch für Veranstaltungen mit Schulen genutzt. Erst vor zwei Wochen fand ein Workshop mit einer HTL statt. „Aber auch für Schüler einer HAK, insbesondere mit IT-Schwerpunkt, ist es interessant, die Produktionsabläufe zu sehen“, sagt Felberbauer. Zudem veranstaltet die FH St. Pölten eine Reihe von Events wie Coding-Weeks und Hackatons, die die Einrichtungen des Maker Labs nutzen. In zwei Wochen startet im Rahmen von „Industry meets Makers“ ein viertägiges Bootcamp zu den Themen Blockchain, AR und IoT, im September findet die Science Academy NÖ für jugendliche Techniktalente.

In Zukunft dürften die Aktivitäten weiter ausgeweitet werden. Im Zuge eines Neubaus, dessen Spatenstich kürzlich erfolgte, sollen im Herbst 2021 aus dem einen kleinen zwei große Labors werden, sagt Felberbauer.

AUF EINEN BLICK

Smart Labs, auch Fablabs oder Maker Labs genannt, bieten Interessierten mit Geräten wie 3-D-Druckern die Gelegenheit, ihre technische Kreativität auszuleben. Einige FH betreiben solche Labs als Teil größerer Einrichtungen. Je nach Institution stehen diese Labs nur Schulen bzw. zu speziellen Events oder regelmäßig der Allgemeinheit zur Verfügung. Ein Ziel ist, Jugendliche für technische Studiengänge zu begeistern.

www.fh-kärnten.at, www.fhstp.ac.at, www.fh-joanneum.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2019)